Coburg
Jubiläum

Zweite Aufführung nach 400 Jahren

Zum 400. Jahrestag der Einweihung der Callenberger Schlosskapelle wurde die Motette wieder gefunden, die einst für diesen Anlass komponiert wurde.
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Wilfried Paul, Gisela Maria Paul und Erbprinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha in der Callenberger Schlosskapelle. Foto: Simone Bastian
Wilfried Paul, Gisela Maria Paul und Erbprinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha in der Callenberger Schlosskapelle. Foto: Simone Bastian
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Bei Luther klingt der Text des Psalm 122 für heutige Ohren sehr sperrig: "Jch frewe mich des / das mir geredt ist / Das wir werden ins Haus des HERRN gehen." Vor 400 Jahren erklang dieser Text zur Einweihung der Kapelle auf Schloss Callenberg, und exakt 400 Jahre später erklingt er wieder - nach einer Melodie des Hofkapellmeisters Melchior Franck.
Franck komponierte die Motette seinerzeit im Auftrag seines Herrn, Herzog Johann Casimir, bewusst zur Einweihung der neuen Schlosskapelle. "Es war eine Auftragsarbeit für diesen Zweck, und sie wurde vermutlich nur ein mal aufgeführt", sagt Wilfried Paul vom Melchior-Franck-Kreis. "Einen anderen Zweck hatte das Stück nicht."
Entsprechend lang war es verschollen. Knut Gramß, der Leiter des Melchior-Franck-Kreises, habe das Stück schon seit längerer Zeit im Blick gehabt, sagt Wilfried Paul. Aber in Coburg gab es keine Kopie mehr. Nun sei es gelungen, in der British Library in London einen kompletten Satz aufzutreiben. Die Besonderheit: Franck schrieb, wie alle seine Zeitgenossen, keine Partitur, die alle Stimmen auf einem Notenblatt darstellt, sondern für jede der acht Stimmen gibt es ein eigenes Notenblatt. Auch die Widmung ist erhalten: "Auff Ihrer Fürstlich Gnaden gnedigen Befehlich und deroselben zu sonderbaren gnedigen gefallen mit 8 Stimmen auf 2 Chör zu musizieren untertänig componiret."
Gedruckt wurde das Werk in der "Fürstlichen Truckerey durch Justum Hauck", wie ebenfalls auf dem Frontblatt vermerkt ist.
Dass Franck es sich leisten konnte, seine Kompositionen drucken zu lassen, spricht dafür, dass "er sehr gefragt war und vermutlich gut verdient hat - er war hier eine Größe", sagte Gisela Maria Paul, die wie ihr Mann im Melchior-Franck-Kreis singt. Handschriften seien von Melchior Franck kaum überliefert. 1603 hatte Herzog Johann Casimir den damals noch jungen Komponisten nach Coburg geholt, um eine Hofkapelle aufzubauen. Franck habe zu Amtsantritt schon ein ganzes Liederbuch vorgelegt, sagt Gisela Maria Paul. Vermutlich habe er zeigen wollen, wozu er imstande war. Wenn er auch zu Lebzeiten offenbar gut im Geschäft war, so starb Melchior Franck 1639 in Armut, sechs Jahre nach dem Tod seines Dienstherrn Herzog Johann Casimir.
Wie die Motette zur Einweihung der Schlosskapelle geklungen hat, wird man jetzt, 400 Jahre später, erneut hören können: Am Sonntag, 18. März, 10 Uhr, auf den Tag genau 400 Jahre später, wird die Motette im Rahmen eines Gottesdienstes erklingen. Damit feiert die Sachsen-Coburg und Gotha'sche Familie zusammen mit dem Melchior-Franck-Kreis und dem Dekanat Coburg das 400. Jubiläum der Kircheneinweihung.
Luther kannte den Burgherrn
Am 18. März 1618 wurde nicht nur die neu errichtete Schlosskapelle eingeweiht; Herzog Johann Casimir erließ auch die zugehörige Kirchenordnung. Vermutlich daher war das Einweihungsdatum bei Historikern wie Rainer Axmann bekannt, mutmaßt Wilfried Paul.
Mit ihren Emporen und dem Kanzelaltar ist die Schlosskapelle das erste Gotteshaus in der Region, das nach protestantischen Maßstäben errichtet wurde. Luther selbst hatte übrigens eine Beziehung zu Schloss Callenberg: Während seines Aufenthalts in Coburg im Jahr 1530 traf er sich häufig mit Hans von Sternberg, der damals die Burg bewohnte und maßgeblich an der Einführung der reformatorischen Lehre im Coburger Land beteiligt war.
Wer am Sonntag den Gottesdienst oder das etwa 45-minütige anschließende Konzert des Melchior-Franck-Kreises besuchen will, sollte sich warm anziehen. Die Winterkälte ist tief in die Schlossmauern gekrochen; in der Kapelle selbst gibt es nur einige von unten beheizte Bänke. "Wir arbeiten daran, dass es noch ein bisschen wärmer wird", seufzt Silvia Kallenberger, die Castellanin auf der Burg. Da es in der Kapelle nur 160 Plätze gibt, kann nicht gewährleistet werden, dass bei großem Andrang jeder Interessierte Einlass findet.
Die Veranstaltungen zu "400 Jahre Schlosskapelle Callenberg"
Jubiläum Festgottesdienst mit Wiederaufführung der Motette zur Einweihung vor 400 Jahren am Sonntag, 18. März, 10 Uhr. Die Liturgie hält Dekan Andreas Kleefeld, es predigt Pfarrer Siegfried Meyer, Vorsitzender der Melchior-Franck-Gesellschaft. Nach dem etwa einstündigen Gottesdienst ist eine kurze Pause, danach (ab etwa 11.15 Uhr) musiziert der Melchior-Franck-Kreis in der Schlosskapelle. Im Roten Salon des Schlosses wird um 10 Uhr ein Kindergottesdienst gefeiert. Der Eintritt in Schloss Callenberg ist an diesem Tag frei; ab 12 Uhr werden Führungen durchs Schloss angeboten (Dauer ca. 50 Minuten, beschränkte Teilnehmerzahl).

Vortrag Bezirksheimatpfleger Günter Dippold spricht am Donnerstag, 22. März, 19 Uhr, in der Schlosskapelle über "Die Geschichte der Schlosskapelle zu Callenberg im Kontext des evangelischen Kirchenbaus". Der Eintritt ist frei, Veranstalter ist das Evangelische Bildungswerk Coburg,

Exkursion "Gebaut auf festem Grund - Protestantischer Barock im Coburger Land": Pfarrer Hans Peetz, Bauftragter für Markgrafenkirchen im Kirchenkreis Bayreuth, leitet die Exkursion am Freitag, 13. April, 14 bis 18 Uhr. Die Exkursion beginnt in der Schlosskapelle Callenberg und führt im Anschluss zu den Kirchen von Breitenau, Gauerstadt, Bad Rodach, Roßfeld und Grattstadt. Anmeldung erbeten beim Evangelischen Bildungswerk, Telefon 09561/75984, E.-Mail ebw@ebw-coburg.de
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