Coburg
Kommentar

Zwei Plätze, eine Halle und viele Meinungen in Coburg

Unser Redakteur Oliver Schmidt findet, dass die Markthalle den Albertsplatz attraktiver macht. Manche Kritik ist nachvollziehbar, aber oft auch ungerecht.
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Coburgs Gastronomieszene bleibt in Bewegung. Im Ratskeller steht ein Pächterwechsel bevor. Der Mietvertrag läuft Ende des Jahres aus, wird aber, wie zu hören ist, vielleicht sogar schon früher aufgelöst. Ab wann ein neuer Gastronom dem Traditionslokal neues Leben einhauchen wird, steht noch nicht fest. Zu befürchten ist aber, dass der Ratskeller erst einmal ein paar Monate geschlossen bleibt. Schade ist das aus mehreren Gründen. Zum Beispiel: Der Ratskeller ist seit jeher - von einer Eisdiele mal abgesehen - die einzige Lokalität, die es einem ermöglicht, direkt an einem der beiden Coburger Hauptplätze auch nach 19 Uhr noch etwas zu essen und zu trinken. Ansonsten dominieren am Marktplatz und am Albertsplatz Cafés, die nur tagsüber ihr Geschäft machen. Das wiederum ist schade, weil die beiden Plätze doch vor allem auch abends ein ganz besonderes Flair haben.

Aber, halt! Jetzt gibt es ja auch endlich am Albertsplatz ein Restaurant, und zwar ein asiatisches. Es gehört zur Markthalle, die vor einer Woche eröffnet hat - womit wir bei einem Thema wären, über das in Coburg sehr kontrovers diskutiert wird: Ist die neue Markthalle nun eine tolle Sache oder eher nicht?

Eine kurze Antwort ist da gar nicht möglich. Denn der ganz große Wurf, den sich viele erhofft haben und der vor ein paar Jahren auch das ehrgeizige Ziel der Planer war, ist die Markthalle vielleicht nicht. Aber - und dieses "Aber" muss sehr laut gesprochen werden - der ganz große Wurf ist in der heutigen Zeit mit seinen zig Problemen für den Einzelhandel auch gar nicht möglich gewesen. Die Wohnbau als Planer und Werner Häfele als Betreiber haben sich redlich bemüht, viele spannende Mieter zu finden. Doch sie haben sich gleich reihenweise Körbe eingefangen. Allen voran bei einem Lebensmittelgeschäft, das zwar über einen Einzug in die Markthalle nachgedacht hat, dann aber im Gegenzug seine Filiale in der Judengasse geschlossen hätte. Für die Nahversorgung in der Innenstadt wäre damit unterm Strich also nichts gewonnen gewesen.

Sehr wohl etwas gewonnen ist aber mit der Markthalle (selbst in ihrer jetzt überschaubaren Form) für die Innenstadt insgesamt. Denn der Albertsplatz ist um ein paar weitere attraktive Anlaufpunkte reicher. Wer jetzt die Nase rümpft, weil er sich noch mehr Attraktionen gewünscht hätte, dem sei zum einen gesagt: Abwarten - die Markthalle kann und wird sich entwickeln. Gut möglich, dass sie schon in einem Jahr ein bisschen anders und noch vielfältiger aussieht. Zum anderen: Denken wir doch bitte mal ein paar Jährchen zurück. Da gab es in Coburg nicht zwei wichtige Hauptplätze, sondern es gab den Markt sowie ein dunkles Irgendwas, auf dem Autos abgestellt wurden. Okay, es gab noch eine Bude mit leckeren Bratwürsten. Aber sonst? Flair Fehlanzeige. Ein Platz, den man immer mal wieder gerne aufsucht? Nein.

Genau deshalb muss heute auch die Markthalle im Gesamtzusammenhang gesehen werden: Der Albertsplatz im Jahre 2017 ist ein Hingucker und ein Wohlfühlort. Er ist lebens- und liebenswert geworden. Das ist toll, wie überhaupt die gesamte Sanierung der Ketschenvorstadt sehr bemerkenswert ist. Mal ehrlich: Wer hätte an einen solchen Aufschwung noch vor ein paar Jahren ernsthaft geglaubt? Vielleicht macht das ja auch Mut für die Markthalle. Sie hat Potenzial, und sie hat vor allem Mitwirkende, die viel Schwung hinein bringen werden. Und weil wir damit vor allem bei der umtriebigen Janis Franz sind: Der Vorwurf, ihr Modegeschäft nehme zu viel Platz ein, ist ungerecht. Denn sie selbst wollte gar nicht so viel Fläche haben. Doch weil weitere Mieter nicht zu finden waren, die Eröffnung der Markthalle aber nicht noch mehr verschoben werden sollte, hat sie sich ausgebreitet.

Wunsch für die Ecke hinten links (vom Eingang kommend gesehen) war übrigens ein Restaurant. Aber da war kein Interessent zu finden. Wir hoffen mal, dass dies kein schlechtes Omen für die bevorstehende Suche in Sachen Ratskeller ist.
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