Hof an der Saale
Festival

Zwei Frauen und das wahre Leben bei den Hofer Filmtagen

Skistar Lara Gut spielt sich selbst, Juliette Binoche (48) eine 25-Jährige. Das und mehr gibt es bei den Hofer Filmtagen zu bestaunen.
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Zum ersten Mal im Leben in einer Doppelrolle: Die 20-Jährige Lara Gut spielt in "Tutti giù" die Skirennläuferin Chiara - und damit irgendwie auch sich selbst. Foto: Verleih
Zum ersten Mal im Leben in einer Doppelrolle: Die 20-Jährige Lara Gut spielt in "Tutti giù" die Skirennläuferin Chiara - und damit irgendwie auch sich selbst. Foto: Verleih
Das kleinste Filmfestival der Welt nannten sich die Hofer einmal. Das wird bestimmt schon 30 Jahre oder länger her sein, aber Heinz Badewitz war da auch schon der Chef. Badewitz war immer jemand, der den deutschen Film gemocht und gefördert hat - das machte letztlich auch die Hofer Filmtage bekannt. Sie haben in der Branche mittlerweile einen Ruf als national durchaus bedeutendes Filmfestival.

Schaut man sich das diesjährige Programm an, dann könnte man diesmal sogar meinen, das internationale Kino habe Hof auf der Landkarte entdeckt.

Festival als Bühne


Eine starke Rolle spielen bei der 46. Filmtage-Auflage die Filme aus Österreich und der Schweiz. Großen Applaus gab es unter anderem für "Tutti giù" von Niccolò Castelli aus Lugano. Freilich: Neu ist dessen Idee, drei Jugendlichen beim fast schon blitzartigen Erwachsenwerden zu verfolgen, nicht.

Aber man muss das Kino ja nicht immer neu erfinden. Interessant ist besonders der Teil über die junge Skirennläuferin Chiara (dargestellt von der zweifachen Vizeweltmeisterin Lara Gut aus der Schweiz) - weil er sich extrem nahe am Leben der heute 20-Jährigen Lara Gut bewegt. Chancen, in deutsche Kinos zu bekommen, hat der Film kaum.
Aber zum Glück gibt es ja Filmfestivals wie Hof, die solchen eher unscheinbaren Produktionen eine Bühne zu geben.

Brad Pitt als Auftragsmörder


Die Liste der Hollywood-Stars, die während der noch bis Sonntag laufenden Filmtage auf der Leinwand (aber natürlich nicht live) zu sehen sind, liest sich allerdings auch nicht schlecht. Unter ihnen sind Helen Hunt, Ethan Hawke oder William H. Macy. Und Brad Pitt nicht zu vergessen. Der taucht nach einer halben Stunde - das musste der Festivalleiter vor der Premiere schnell noch dem Publikum erklären - im Thriller "Killing them softly" als Auftragsmörder Jackie Cogan auf. Jackie ist allerdings kein smarter Gentlemen-Gangster wie etwa Pitts Figur des Rusty Ryan in der "Ocean's"-Reihe. Er erledigt seine Aufträge recht brutal und skrupellos, hat dabei aber mit der Bürokratie moderner Gangstersyndikate und mit alkoholabhängigen Berufskollegen zu kämpfen.

Zu brutal oder einfach nur zu realistisch?


"Killing them softly", der Film lief heuer bereits im Wettbewerb von Cannes, ist Mainstream-Kino, aber nicht unbedingt maintream-tauglich. Dafür ist Andrew Dominiks Film zu brutal, oder vielleicht auch nur einfach zu realistisch. Aber wer Brad Pitt auf seinem Werbeplakat stehen hat, für den sind die Türen in Kinos immer offen.
Überraschend gelungen ist dagegen das Regie von Sylvie Testud, die bisher ausschließlich als Schauspielerin ("Jenseits der Stille") bekannt war.

Hinreißende Juliette Binoche


Die 41-Jährige Französin drehte mit einer (erwartungsgemäß) hinreißenden Juliette Binoche in der Hauptrolle "La vie d'une autre". Dieses "Leben einer anderen Frau" passiert der lebenslustigen Marie, die mit 25 einschläft und mit 40 wieder aufwacht. Die 15 Jahre dazwischen, samt ihrer Entwicklung zur egozentrischen Top-Managerin, hat sie schlicht vergessen. Nicht aber den Mann, mit dem sie als 25-Jährige eingeschlafen ist... Doch leider scheint ihre Liebe mehr als nur eingeschlafen zu sein. In einer ihr fremden Welt mit Email und Euro beginnt Marie, um ihre große Liebe zu kämpfen.

Unterhaltsames französisches Kino


"La vie d'une autre" ist unterhaltsames französisches Kino, eine gelungene Mischung aus Liebeskomödie und Liebesdrama. Einen Verleih hat der Film aber bisher noch nicht gefunden. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass sich in dieser Hinsicht die Filmtage als Sprungbrett erweisen.

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