Neustadt bei Coburg
Kunsthandwerk

Zu Besuch im gläsernen Weihnachtsparadies

In der "Alten Weihnachtsfabrik" der Inge-Glasmanufaktur in Neustadt können Kinder sogar ihre eigenen Weihnachtskugeln blasen.
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Glasbläser Thomas Ziesmer "zaubert" geduldig Glaskugeln, glasklare Weihnachtskugel - mundgeblasen.Manja von Nida
Glasbläser Thomas Ziesmer "zaubert" geduldig Glaskugeln, glasklare Weihnachtskugel - mundgeblasen.Manja von Nida
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An allen Adventssonntagen können Kinder in der "Alten Weihnachtsfabrik" der Inge-Glasmanufaktur am Siemenskreisel ihre eigene Weihnachtskugel blasen. "Aber keine Angst, ihr müsst das nicht allein machen, ich helfe euch. Habt ihr Lust?" Glasbläser Thomas Ziesmer schaute von seinem "feurigen Arbeitsplatz" die Kinder fragend an. "Wir blasen aus Glas eine glasklare Kugel, und die dürft ihr dann auch mit nach Hause nehmen."

Anna aus Hochstadt machte mit ihrer kleinen Schwester Emma und den Eltern einen Sonntagsausflug nach Neustadt - zur "Alten Weihnachtsfabrik". "Wir fahren immer in der Adventszeit mit der ganzen Familie hierher und holen uns jedes Jahr irgendwelche Schmankerl für unseren Weihnachtsbaum", erzählte Annas Vater.

Jedes Jahr kommen neue dazu

"Ich habe ja schon ein paar Kugeln, und es kommen jedes Jahr neue dazu. Die sollen zu unseren blauen und weißen Kugeln daheim farblich auch passen, aber nicht zu bunt sein", befand Anna. "Bei unseren Eltern war der Baum immer andersfarbig", erinnert sich der Vater. "Uns gefällt Blau, Weiß und Silber. Und das wächst dann so mit jedem Jahr. Da kommen neue Kugeln und ein paar Extrasachen dazu, aber jedes Jahr immer nur Kleinigkeiten."

Familie Lieb legt Wert auf Erlesenes und das Außergewöhnliche. In der "Alten Weihnachtsfabrik" wird man halt fündig, jeder nach seinem Geschmack und nach seiner Vorstellung.

Eine Weihnachtskugel für Liam

"So, jetzt mache ich das Glas in der Flamme schön warm", erklärte der Glasbläser den Besuchern sein Kunsthandwerk. Dabei drehte er immer wieder den Glasstab im Feuerstrahl. War das Ende heiß genug, pustete er Luft in den Glas-Hals, so dass am heißen Ende die Kugel immer runder und größer wurde.

Anna und Emma packten behutsam ihr kleines Kunsthandwerk und machten Platz für den kleinen Liam aus Coburg, der ebenfalls mit seinen Eltern in die "Alte Weihnachtsfabrik" zum Stöbern gekommen ist. "Liam darf sich heute eine spezielle Weihnachtskugel für den Weihnachtsbaum aussuchen", erzählte seine Mama. Schwierig für den kleinen Mann, gleich das Richtige mitzunehmen! Seine Augen entdeckten viele lustige Figuren, die er am liebsten gleich alle mitnehmen wollte. Eine lustige Eule hatte er entdeckt. Und seine eigene mundgeblasene Weihnachtskugel hatte er schon mal sicher.

"Ja, der Weihnachtsschmuck war schon immer das Spiegelbild des Zeitgeistes", erinnerte sich Glasbläser Ziesmer an die prägenden Worte seines Inge-Glas-Gründerchefs Heinz Müller-Blech. Denn im Ersten Weltkrieg hätten Glasbläser sogar Zeppeline für den Weihnachtsbaum geblasen. Bomben und Kriegsschiffe seien ebenso als Weihnachtsschmuck hergestellt worden. Damals seien die Menschen halt sehr patriotisch gewesen, wie auch bei der Spielzeugherstellung.

Die Weihnachtskugeln seien früher nach der Festzeit wieder bis zum nächsten Jahr in die Kartons gekommen. Das habe sich im Laufe der Jahre geändert. Später seien Totenköpfe, Smileys und sogar Handys und kleine Computer gefertigt worden, auch eine Idee von Inge-Glas. Glänzende, bunte Eulen, die die Weisheit widerspiegelten, oder die Reflexkugel mit dem Geist - all solche Legenden seien entstanden. Oder der Frosch, der nur nach vorne hüpfen kann, was symbolisieren solle: Es geht immer nur vorwärts im Leben. Ein anderes Mal seien es Kaffeesortimente, weil der Kunde Neues erleben wolle.

Weihnachtsgurke für den Baum

Luisa und Brüderchen Moritz aus Großwalbur machten auch einen Sonntagsausflug in die "Alte Weihnachtsfabrik" und schauten Thomas Ziesmer neugierig über die Schulter. Dann durften auch sie ihre eigene Christbaumkugel blasen. "Wir waren hier schon überall", prahlte Moritz. Dann hatte der kleine Bub noch "Appetit" auf eine "Weihnachtsgurke". Richtig gehört: eine Weihnachtsgurke für den Christbaum! "Das ist hier in Franken eine Tradition. Sie wird im Weihnachtsbaum versteckt. Wer sie zuerst findet, hat angeblich Glück", klärte der Vater von Moritz auf. "Und bekommt ein Extra-Geschenk", sagte schelmisch die Mama. "Das ist hier eine Tradition, ein Brauchtum. Wenn man das anderen erzählt, verbreitet sich das wie eine Kettenreaktion weiter."

Die "Alte Weihnachtsfabrik" ist ein wahres Weihnachtsparadies. Hier gibt es neben Christbaumschmuck alles, was zur festlichen Weihnachtszeit gehört. Das ganze Jahr über ist hier Weihnachten. Dafür sorgen 130 Mitarbeiter der Firma "Inge-Glas". Sie haben keine künstlerische Ruhezeit. Im Februar starten bereits die Messen für die Weihnacht 2020. Noch am dritten und vierten Adventssonntag können Kinder in der Zeit von 13 bis 17 Uhr mit Thomas Ziesmer ihre eigene Weihnachtskugel blasen.

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