Seßlach
Stadtratssitzung

Zocker müssen aus der Seßlacher Altstadt bleiben

Eine Spielhalle soll es in der Seßlacher Altstadt nicht geben. Dagegen wehrt sich der Stadtrat. Der Altstadtlauf wird wiederbelebt.
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Passt in diesen ruhigen Winkel gleich neben Kommunbrauhaus und Alter Schmiede in der Altstadt von Seßlach eine Spielhalle? Die Stadträte verneinten dies in ihrer Sitzung am Dienstag und lehnten die Bauanfrage der Investoren für das Anwesen in der Pfarrgasse 116 unisono ab. Foto: Bettina Knauth
Passt in diesen ruhigen Winkel gleich neben Kommunbrauhaus und Alter Schmiede in der Altstadt von Seßlach eine Spielhalle? Die Stadträte verneinten dies in ihrer Sitzung am Dienstag und lehnten die Bauanfrage der Investoren für das Anwesen in der Pfarrgasse 116 unisono ab. Foto: Bettina Knauth
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Spielautomaten in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kommunbrauhaus, mitten in der historischen Altstadt von Seßlach? Das passt nicht zusammen, darin waren sich die Stadträte in ihrer Sitzung am Dienstagabend einig. Und so wurde der Antrag auf Baugenehmigung auf Errichtung einer Spielothek von Steffen Schnellbach (Seßlach) und Alfons Havenith (Untersiemau) einstimmig abgelehnt.
"Wer Seßlach besucht, möchte seine Ruhe haben und kein Halligalli", argumentierte CSU-Fraktionschef Manfred Eichler und verwies auch auf das gegenüberliegende Gästehaus des Pörtnerhofs. Ähnlich sah es Maximilian Neeb (FW): "Wir haben uns dem sanften Tourismus verschrieben, dazu passt keine Spielhalle." Rolf Deschner (SPD) lehnte den Ausbau des ehemaligen Carports am Ende der Pfarrgasse auch wegen der im Hof geplanten Parkmöglichkeiten ab: "Jahrelang haben wir für vernünftiges Parken gekämpft und dann sollen wir Plätze in diesem Nadelöhr genehmigen?"


Startschuss für "Boden:ständig"

Wie es mit dem Projekt "Boden:ständig" weitergeht", berichteten Franz Knogler vom BBV LandSiedlung und Daniel Spaderna vom Amt für ländliche Entwicklung (AlE). "Wir haben die wasserführenden Gräben, Bäche und Mulden untersucht, um die Knackpunkte zu finden", sagte Knogler. Damit nun freiwillige Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers und Verbesserung der Wasserqualität angegangen werden können, sind Grundstücksveränderungen und zum Teil bauliche Änderungen vonnöten. Die Gründung der notwendigen Teilnehmergemeinschaft für ein Flurneuordnungsverfahren segnete der Stadtrat grundsätzlich ab, so dass nun Fördermittel beantragt werden können. "Das Verfahren ist nicht in Stein gemeißelt", meinte Spaterna, es wachse und könne jederzeit weitere Mitglieder aufnehmen. "Wir sind entschlossen, dieses Projekt jetzt umzusetzen", sagte Bürgermeister Martin Mittag (CSU). Außerdem plane die Stadt zwei Wasserprüfungen zum Thema Nitrat, um zu klären, was als "altes" Nitrat bereits aus dem Boden komme und welches Nitrat eventuell auf Überdüngung zurückzuführen sei.


Hoffen auf "Genussort" Seßlach

Die Bedeutung des Tourismus als Wirtschafts- und Standortfaktor betonte Carolin Franz in ihrem Rechenschaftsbericht. 2017 sei ein erfolgreiches Jahr gewesen, in dem mit Ausbildung von neuen Stadtführern (jetzt elf), Frühjahrsputz, Ostern, neuen Holzschildern, den "Hörpfaden", einem Nachtflohmarkt am Kirchweihsamstag und der Opening Party am Altstadtfest neue Akzente gesetzt worden seien. Höhepunkte neben den üblichen Veranstaltungen werden 2018 der Dekanatskirchentag am 17. Juni sowie das Anwandern der Initiative Rodachtal und die Regionale Museumsnacht am 5. Mai sein. Im deren Fokus soll der Heimatdichter Peter Leber stehen, dem auch einer von elf neuen Workshops gewidmet wird. Vom Tourismusverein werden jetzt regelmäßig Mitglieder und Förderer geehrt, die sich um Service, Denkmalpflege oder - wie der erste Ausgezeichnete Hubert Hannig - um die Ortsverschönerung verdient gemacht haben. Mit Spannung erwartet die Tourismuschefin, ob die Bewerbung Seßlachs um Aufnahme in die Liste der "100 Genussorte Bayerns" erfolgreich sein wird. "Wir hätten es verdient", sagte Franz. Zahlen als "Erfolgsmesser" vermisste Berthold Borczyk (FW) in ihrem Bericht. Mit rund 15.000 pro Jahr seien die Übernachtungen stabil, entgegnete die Geschäftsführerin des Tourismusvereins. Dazu seien 250 Stadtführungen durchgeführt worden. Da die Übernachtungen angesichts der vorhandenen Betten kaum gesteigert werden könnten, riet Franz, das Augenmerk auf Tagesgäste zu legen. Die Zusammenarbeit mit Coburg.Rennsteig sei ausgezeichnet, beantwortete Franz die Nachfrage von Carsten Höllein (SPD). Als "Leuchtturm in der Region" werde Seßlach in Coburg gut beworben. Die Mitgliedsbeiträge in diesem und anderen Vereinen, etwa der Deutschen Burgenstraße, bezeichnete sie als "gerechtfertigt".


Flexible Grundschule und M-Klasse

Die Schülerzahlen in Seßlach werden voraussichtlich stabil, jahrgangsreine Klassen aber eher seltener werden, wie Schulleiter Wolfgang Hoydem in seinem Bericht schilderte. "Weil wir nicht mehr auf die erforderlichen 76 Schüler kommen, werden Kombi-Klassen für die nähere Zukunft festgemeißelt sein", sagte er. Weil sie Vorteile wie mehr Lehrerstunden, Förderlehrer und Schulpsychologin bietet, habe sich die Schule als "flexible Grundschule" beworben - ein Beschluss der Lehrerkonferenz, dem Sachaufwandsträger und Elternbeirat zustimmten. Die Entscheidung fällt Ende März. Hoydem: "Ich gehe davon aus, dass die Bewerbung erfolgreich sein wird." Mangelnde Lesekompetenz will die Mittelschule mit einer gezielten Förderung bekämpfen. Nachdem im letzten Jahr keine M-Klasse zustande kam und die Wirtschaftsschule ihr Angebot ausweitete, sieht Hoydem seine Schule im Nachteil bei dem Buhlen um Schüler. "Heute baden wir aus, was letztes Jahr schiefgelaufen ist", so seine Kritik. Nun hofft der Schulleiter, dass es im nächsten Schuljahr dank einer Sonderregelung mit der M-Klasse klappen wird.


Förderung auf dem Prüfstand

Der Antrag der Katholischen Kirchenstiftung Oberelldorf auf einen zehnprozentigen Zuschuss zur Sanierung der Kirchhofwege zu Sakristei und Haupteingang (maximal 7450 Euro) wurde auf Antrag von Borczyk zurückgestellt (bei zwei Gegenstimmen). Wie der Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses darlegte, soll erst geklärt werden, wie dies in anderen Kommunen geregelt wird. Da die Förderrichtlinien laut Mittag "nicht die jüngsten" sind, begrüßte dieser den Vorschlag und wies darauf hin, dass der Außenbereich bisher in der Regel nicht gefördert wurde.

Bestätigt wurden die neugewählten Feuerwehrkommandanten Peter Steinert, sein Stellvertreter Günther Grämer (Feuerwehr Bischwind) sowie Robert Cervenka (Feuerwehr Seßlach).

Einhellig grünes Licht gab das Gremium für drei weitere Bauvorhaben: Wohnhauserweiterungen in Oberelldorf und Dietersdorf sowie ein neuer Güllebehälter in Heilgersdorf.

Wie Mittag mitteilte, wurden die Bauarbeiten an der B 303 in Oberelldorf wieder aufgenommen. Die erneut fällige Vollsperrung soll in den Pfingstferien erfolgen. Noch in diesem Jahr soll dazu die Ortsverbindungsstraße Muggenbach saniert werden, die notwendigen Zahlen würden derzeit eingeholt. "Eine Vollsanierung wird es nicht werden", sagte der Bürgermeister. Bei einer Bürgerversammlung seien den Bürgern von Gleismuthhausen und Merlach am 15. März "die beeindruckenden Ideen" für die Dorferneuerungen vorgestellt worden, die durch die Arbeitsgruppen und Architektin Christine Bardin ausgearbeitet wurden.

Wieder durchgeführt werden soll der Stadtlauf. Allerdings nicht mehr am Samstag des Altstadtfests am dritten August-Wochenende, sondern als Opening am Freitagabend, gefolgt von einer After-Run-Party.


Thein leitet "Struwwelpeter"

In nichtöffentlicher Sitzung wurde Kerstin Thein zur neuen Leiterin der Kindertagesstätte "Struwwelpeter" ernannt. Die bisher für die Mittagsbetreuung Verantwortliche wird zum 1. Juli ins Nachbarhaus wechseln und nach ihrer Einarbeitung Gabriele Oehrl ablösen, die in Ruhestand geht.
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