Ahorn
Landwirtschaft

Zeigen, was die Bauern im Coburger Land tun

Das Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit ist nicht immer richtig, findet Niklas Sebald und baute einen Lehrpfad auf, um es zu verbessern.
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Niklas Sebald erklärt an dem von ihm selbst errichteten Insektenhotel, was er mit seiner Semesterarbeit erreichen wollte.Rainer Lutz
Niklas Sebald erklärt an dem von ihm selbst errichteten Insektenhotel, was er mit seiner Semesterarbeit erreichen wollte.Rainer Lutz

Bei ihren Darstellungen zum Volksbegehren "Rettet die Bienen" haben die Initiatoren die bisherigen Leistungen der Landwirte verschwiegen, ist Niklas Sebald überzeugt. Das brachte den Jungbauern dazu, seine Semesterarbeit an der landwirtschaftlichen Fachschule in Richtung Öffentlichkeitsarbeit zu legen. Das Ergebnis ist ein landwirtschaftlicher Lehrpfad, der am Kutschweg bei Schafhof aufgebaut und am Freitag eröffnet wurde.

Niklas Sebald ist die radikale Veränderung der Landwirtschaft in der jüngeren Geschichte bewusst. "Zur Zeit der Pharaonen wurden schon Ochsen zur Landbewirtschaftung eingesetzt. Meine Großmutter erlebte diese Arbeitsweise auch noch", sagt er. In den vergangenen 100 Jahren hat sich nach seiner Einschätzung in der Landwirtschaft mehr geändert als in den 3000 Jahren davor. Der Anteil technischer Hilfsmittel nahm zu. Forschung führte zu immer neuen Kenntnissen in Ackerbau und Viehzucht. Gleichzeitig wandelte sich der Anspruch der Gesellschaft an die Arbeit der Bauern. Galt es in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg, vor allem viele Nahrungsmittel für die Bevölkerung zu produzieren, werden heute Aspekte der Ökologie und des Naturschutzes oder des Tierwohls stärker in den Vordergrund gestellt.

Eine Reihe von Informationstafeln vermittelt nun an dem Lehrpfad komprimierte Informationen zu wichtigen Pflanzen der Landwirtschaft wie sie von Niklas Sebald und seiner Familie betrieben wird. Luzerne, Weizen und Roggen können in ihren verschiedenen Wachstumsstadien hinter den Tafeln betrachtet werden. Es wurde ein Insektenhotel aufgebaut und es gibt Informationen zu den Lerchenfenstern in den Feldern.

"Der Grundgedanke ist es, die Leute, die diesen Weg entlang gehen auf die Landwirtschaft und ihre Leistungen für die Artenvielfalt hinzuweisen", sagt Niklas Sebald.

Fragebogen zur Überprüfung

Für seine Semesterarbeit möchte er natürlich wissen, ob die Informationen bei der Bevölkerung ankommen. Dazu hat er einen Fragebogen entwickelt, den er bereits für Befragungen von Spaziergängern auf dem Kutschweg genutzt hat.

Ahorns Bürgermeister Martin Finzel war begeistert von Niklas Sebalds Aktion. "Unsere Kulturlandschaft wäre nicht wie sie ist, wenn sie nicht von Landwirten so erhalten würde", sagte er. Die Gemeinde legte auf der Strecke einen eigenen Lehrpfad an, der mit fünf großen Schautafeln über Lebensraumtypen und mit 17 kleinen Tafeln über Baumarten informiert. Dass Berufskollegen sich anschlossen, freut Niklas Sebald. Es war ein Ziel seiner Semesterarbeit, sie zu animieren. Die Familie Sollmann stellte ebenfalls Informationstafeln an ihren Feldern auf.

Stellvertretender Landrat Rainer Mattern (CSU) sagte: "Wir müssen vermitteln, was passiert. Das gilt in der Wirtschaft, dem Handel und eben auch in der Landwirtschaft." Dass Landwirtschaft und Naturschutz einander nicht ausschließen belege die gute Zusammenarbeit im Landschaftspflegeverband Coburger Land. CSU-Landtagsabgeordneter Martin Mittag ist überzeugt: "Die Landwirtschaft braucht Öffentlichkeit", um ihre Leistung für die Gesellschaft transparent zu machen, und der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Busch betonte angesichts des neuesten Skandals mit schlechter Tierhaltung im Allgäu: "Das ist nicht die Landwirtschaft, so wird auf den kleinen und mittleren Betrieben der Region nicht gearbeitet."

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