Coburg
Vor der Premiere

Wüster Wilder Westen in Coburg

Matthias Straub, Schauspielchef des Landestheaters Coburg, hat einen lautstarken Rockwestern gemixt: In "Tombstone - oder Das Duell" darf das Ensemble hören lassen, was es in der Kehle und in den Colts hat. Premiere ist am Samstag, 5. Oktober.
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Western-Duell am Landestheater: Sönke Schnitzer (links) und Frederik Leberle. Foto: Andrea Kremper
Western-Duell am Landestheater: Sönke Schnitzer (links) und Frederik Leberle. Foto: Andrea Kremper
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Das könnte wild werden. Wilder Westen, wüst schlägernd und laut ballernd. Auf der Bühne des Landestheaters Coburg. Schauspielchef Matthias Straub hat sich einen "Rock-Western" ausgedacht, mit dem er sich im Stil der ja überaus erfolgreichen "Blues Brothers" auf die neue Spielzeit einschießen will, wieder quer durch Schauspiel und Musical. "Tombstone - oder Das Duell" hat am Samstag nächster Woche Premiere.

Der klassische Western, jetzt eben für die Bühne, das volle, knallharte "Männerprogramm", feixt Straub, wobei Frauen mutmaßlich auch ihren Spaß haben dürften. Wer war schließlich nicht erschüttert von Charles Bronson in "Spiel mir das Lied vom Tod", von "Rio Bravo" und "High Noon". Tragische Konflikte in geradezu archaischer Wucht, eine Stadt wird von üblen Banditen terrorisiert, der Gute - in Coburg Sönke Schnitzer - kämpft gegen den Schurken, den Frederik Leberle gibt; der Held als Rächer. Es kommt zum Duell auf staubiger Straße.

Dazu die klassischen Wes- tern weiber, die blonde Schöne (Philippine Pachl), das Flintenweib (Sandrina Nitschke) und die Quotenmexikanerin (neu im Ensemble: Eva-Marianne Berger).

Matthias Straub hat die "coolsten Dialoge" der Western film-Geschichte vermixt; welche Rolle "Der weiße Hai" dabei spielt, wird der immer wieder zu Theaterspäßen aufgelegte Schauspielchef erklären müssen. Die Hits von David Bowie bis Led Zeppelin, selbstverständlich neben Ennio Morricones großen Melodien, geboten vom wieder gesanglich geforderten Schauspielensemble, sind inhaltlich konstruktiv ausgewählt. Es rockt die nun schon vertraute Theaterband aus Würzburger Profis unter Leitung von Kapellmeister Roland Fister, diesmal dem Genre angemessen mit zwei Gitarren und nur einem Bläser, Trompete selbstverständlich.

Sechs Minuten im Saloon

Für die Hommage an den klassischen Western baut Bühnenbildner Till Kuhnert ein klassisches Tombstone, Westernstadt in Arizona, auf die Drehbühne. Der Saloon muss sechs volle Theaterminuten Saloon-Schlägerei und Ballerei aushalten, minutiös choreografiert von Jochen Schmidtke und Jean-Loup Fourure, die schon beim Open Air auf der Veste, in "Cyrano de Bergerac", demonstrierten, was echte Kampfkunst ist. Gehör-Empfindlichen seien die beim Einlass vorsorglich gereichten Ohrstöpsel empfohlen.

Wer haftet bei einem Angriff von Zombies?

An die sehr erfolgreiche letzte Spielzeit mit ihrer Auslastung von 80 Prozent im Großen Haus hofft das Landestheater Coburg in der neuen Saison mit einer breiten Schauspielmischung anzuknüpfen. Startend mit Becketts "Warten auf Godot" an diesem Samstag in der Reithalle, will Schauspielchef Matthias Straub selbst eine "radikale Inszenierung" von Schillers "Räuber" liefern (März 2014). Andererseits sieht er sich auch heuer wieder zuständig für das Familienstück zur Weihnachtszeit, "Heidi" nach dem Roman von Johanna Spyri.

"Wir setzen bei den Produk tionsteams auf Kontinuität", verweist Straub darauf, dass erfolgreiche Regisseure der letzten Jahre wieder mit ihren unterschiedlichen "Handschriften" zu erleben sein werden.

So wird unter anderen Malte Kreutzfeldt, der 2008 im Haus am Schlossplatz die Gratwanderung "Der Kaufmann von Venedig" eindrucksvoll gemeistert hat, Ibsens "Nora" bringen (Premiere im Dezember).

Drei neue im Ensemble

Michael Götz, bis Sommer dieses Jahres schon vielfältig beeindruckender Regieassistent in Coburg, widmet sich Kleists "Michael Kohlhaas". Susanne Lietzow hat uns Horváth als sinnlich nahegehenden Dramatiker erschlossen, diesmal wird sie "Zur schönen Aussicht" inszenieren.

Das Schauspielensemble hat unterdessen Anna Staab und Sebastian Pass nach drei Jahren verabschiedet. Kerstin Hänel wiederum nimmt sich eine Auszeit, um dann für Goethes "Stella" im April zurückzukehren. Neu im Ensemble sind Eva-Marianne Berger, Alexander Peiler und der aus Coburg stammende, über den Jugendclub ins Theater hineingewachsene Thorsten Köhler. Der schreibt für den weiterentwickelten "Freistaat Coburg" in der Reithalle eine Soap: "Lance Man, Abteilungsleiter" spielt im Keller eines großen Versicherungsunternehmens, wo sich eine Sonderabteilung mit paranormalen Phänomenen zu befassen hat: Wer haftet bei einem Angriff von Zombies oder für die von einem Poltergeist verursachten Schäden?

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