Coburg
Wahlkampf

Wolfgang Heubisch besuchte FDP-Politiker in Coburg

Der ehemalige Zahnarzt und ehemalige Staatsminister Wolfgang Heubisch (FDP) fühlte der Chancengleichheit zwischen Stadt und Land auf den Zahn.
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Genau hinzuschauen und kreative Wege zu gehen bei der Stärkung des ländlichen Raumes, riet Wolfgang Heubisch den Coburgern. Gerold Gebhard und  Ulrich Herbert hören ihm amüsiert zu. Foto: Edwin Meißinger
Genau hinzuschauen und kreative Wege zu gehen bei der Stärkung des ländlichen Raumes, riet Wolfgang Heubisch den Coburgern. Gerold Gebhard und Ulrich Herbert hören ihm amüsiert zu. Foto: Edwin Meißinger
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Wolfgang Heubisch war auf Einladung der Coburger FDP in den Gasthof "Münchner Hofbräu" nach Coburg gekommen. Wie er betonte, müsse die Chancengleichheit in Stadt und Land gewahrt und gefördert werden. Er selbst lebe in München, und diese Metropole wachse jährlich um bis zu 25 000 Einwohner. Das könne auf Dauer nicht gut sein, so Heubisch. Hier ergäben sich Probleme im Wohnungsangebot und im Bereich der Mobilität. Heubisch sah den Menschen als ein vielgestaltiges Individuum an und forderte, vermehrt auf die Kreativität des Einzelnen zu setzen. Damit unterstütze er den Alibaba-Gründer Jack Ma (ursprünglich Ma Yun genannt) in dessen Einstellung. Wie Heubisch betonte, habe dieser gefordert, die Menschen in ganz unterschiedlichen Bereichen zu fördern. Kunst, digitale Bildung, allgemeine Bildung für Kinder, Kultur, Musik, Theater gehörten auch dazu, da dies Elemente der Kreativität seien und diese hervorgeholt werden müssten. Mit derartigen Fördermaßnahmen erhöhe man gerade im ländlichen Bereich das Selbstvertrauen der jungen Leute.

"Ich höre immer wieder, dass an Schulen im ländlichen Bereich leichter zu arbeiten sei, als mit denen in der Stadt. Machen wir doch was draus!", betonte der ehemalige Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Deutschland und Bayern stellte Heubisch das Zeugnis aus, im digitalen Bereich Schlusslichter zu sein. "Wir sind einfach in der Bundesregierung grottenschlecht. 50 MB sind nichts!", unterstrich er. Im Europäischen Maßstab gebe es 32 Länder, die digital miteinander verglichen werden könnten. Deutschland liege auf Platz 28. Als einen wesentlichen Knackpunkt sah Heubisch an, dass es im digitalen Bereich kaum Wettbewerbe gebe. Die Telekom fast noch ein Monopol. "Wir brauchen Wettbewerb in diesen Dingen!", forderte Heubisch. Es könne nicht angehen, dass auf dem Land mit wenig Bevölkerung keine effektive digitale Versorgung und Anwendung gewährleistet werden könne. Wenn man den ländlichen Raum stärken wolle, müsse man hier äußerst aktiv werden und es Unternehmen schmackhaft machen, in diese Gegend zu ziehen. Solange zum Beispiel ein Architekt nicht top vernetzt sei und mit mangelhafter Digitalisierung arbeiten müsse, werde er nicht in den ländlichen Bereich kommen. Gegebenenfalls müsse der bayerische Staat hier schnell aktiv werden.

"Das Beste vom Besten anbieten"

Dies gelte auch für den Bereich der Mobilität. Je schneller man zu seinen Zielorten gelangen könne, desto attraktiver stelle sich der ländliche Bereich als echte Alternative zur Stadt dar. Gerade im ländlichen Bereich müsse der Freistaat intensiv investieren. "Es muss klar sein, dass Deutschland und Bayern das Beste vom Besten anbietet, dann kriegen wir die Leute!" Auch die ländliche Infrastruktur müsse auf Vordermann gebracht werden. Bezüglich des Coburger Bahnhofes riet der Redner der Staatsregierung, massiv gegenüber der Deutschen Bahn aufzutreten und gegebenenfalls die nötigen Fachkräfte zu vermitteln, damit der Bahnhof Coburg endlich barrierefrei gestaltet werden könne. Die Faktoren "optimale Digitalisierung und gelungene Infrastruktur" seien ebenso Zugpferde für die anderen Bereiche der Wirtschaft.

Hier spiele auch der Bereich der medizinischen und ärztlichen Versorgung mit rein. Schaffe man es, im ländlichen Bereich, Ausbildungsstätten und Universitäten zu installieren, erleichtere man sich auch die künftige ärztliche Versorgung. Abschreckend wirkten auf die jungen Mediziner die oft unmenschlich langen Arbeitszeiten. Hier müsse man neue Wege finden. Kooperationen mit anderen Ärzten könnten gangbare Wege sein. Der FDP-Politiker warnte davor, den bestehenden Wohlstand als angenehmes Ruhekissen und permanenten Wohlfühlfaktor anzusehen. "Das Schlimmste ist, wenn man im Wohlstand glaubt, es läuft von alleine so weiter. Gerade da muss man investieren! Machen Sie ihre eigene Region stark!", betonte Heubisch. Auch die FDP-Kandidaten Ulrich Herbert, Gerold Gebhardt sowie Stadt- und Kreisrat Thomas Nagel hoben die Notwendigkeit der Stärkung des ländlichen Raumes hervor.

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