Coburg
Schlachthof

Wo jeder einfach machen kann

Im Erdgeschoss Ideen ausprobieren und Prototypen entwickeln, im Obergeschoss zur weiteren Entwicklung sein Unternehmen starten: Das soll die Schlachthofvilla ermöglichen.
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Als Modell ist die ehemalige Kühlhalle des Schlachthofs schon Teil der Creapolis, in der Realität wird das noch eine Zeitlang dauern. Nutzbar ist aber schon die Villa rechts. Foto: Simone Bastian
Als Modell ist die ehemalige Kühlhalle des Schlachthofs schon Teil der Creapolis, in der Realität wird das noch eine Zeitlang dauern. Nutzbar ist aber schon die Villa rechts. Foto: Simone Bastian
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Stadt, Landkreis, Hochschule und Wirtschaft in Coburg schieben an, der Freistaat und der Bund fördern, und alle sind glücklich: In der sogenannten Schlachthofvilla kann nun offiziell der Betrieb losgehen im Makerspace und im Coworkingspace, wo alle, die etwas machen wollen, die Möglichkeiten dazu finden.

Ohne englische Begriffe kommt das Ding nicht aus: Makerspace bedeutet so etwas wie eine öffentliche Werkstatt, in der jeder werkeln kann, der eine Idee hat - ob er nun schreinern will, mit Laser etwas ausschneiden oder einen Prototypen mit einem 3-D-Drucker erstellen. Coworkingspace meint ein Gemeinschaftsbüro, in dem man gegen geringe Miete mit seinem eigenen Laptop arbeiten kann.

Für die drei Studenten Franz Liebermann, Valentin Eiber und Tim Hellwig ideal, wie sie erzählen. Die drei wollen eine App entwickeln, die es Beschäftigten von (Groß-)Unternehmen erleichtert, Fahrgemeinschaften zu bilden. Die App soll auf Daten zurückgreifen, die ohnehin im Unternehmen vorliegen. Profitieren könnten davon alle Beteiligten, meint Valentin Eiber: Das Unternehmen, das erreichbar ist und weniger Parkplätze vorhalten muss, die Beschäftigten, die den gemeinsamen Weg zur Arbeit leicht organisieren können. Derzeit entwickeln sie noch ihr Konzept, dann wollen sie die Finanzierungsmöglichkeiten prüfen und sie suchen noch eine(n) Informatikspezialisten, weil sie als angehende Automobiltechniker und -manager davon wenig Ahnung haben, wie sei einräumen.

Der Coworkingspace biete die Möglichkeit, "ohne finanzielles Risiko an einem festen Ort arbeiten zu können", sagt Tim Hellwig. Es gebe hier mehr Ruhe als in Räumen in der Hochschule, ergänzt Valentin Eiber. Andererseits bestehe hier die Chance, jemanden zu treffen und um Rat fragen zu können - "für uns im Idealfall jemand, der sich mit Datenbanken auskennt".

Offen für alle

Die Hochschule hat ihr Projekt Creapolis in der Schlachthofvilla angesiedelt, das bis 2022 mit einem Millionenbetrag vom Bund gefördert wird. Der zugehörige Makerspace (die Werkstatt) soll aber allen offen stehen, die eine Idee umsetzen wollen - Studierenden genauso wie Bürgern, Unternehmern oder Handwerkern. Dazu sollen entsprechende Workshops angeboten werden, kündigte Hochschul-Präsidentin Christiane Fritze am Dienstag an. Im Idealfall entwickle hier ein Student eine Idee oder einen Prototypen und werde selbst vom Macher zum Gründer, sagte Domenique Döltz vom Digitalen Gründerzentrum "Zukunft.Coburg.Digital". Das Gründerzentrum ist der zweite Nutzer der Villa, neben Creapolis, und betreibt den Coworkingspace im Obergeschoss.

Eine Gründerszene aufbauen, Macher und Entwickler mit den etablierten Unternehmen zusammenbringen, die kreativen Köpfe in der Region halten, Unternehmen beim digitalen Wandel unterstützen: Diesen Zielen gelten die Nutzungen in der Schlachthofvilla und der weitere Ausbau des Areals. Die ehemalige Kühlhalle ("Gebäude 9") soll ebenfalls von Creapolis und "Zukunft.Coburg.Digital" genutzt werden, für den "Makerspace 2.0, vielleicht in eineinhalb Jahren", wie Hochschulpräsidentin Fritze ankündigte. Im September oder Oktober soll der Stadtrat die Mittel für den Ausbau freigeben; ganz stehe das Konzept für die Halle noch nicht, sagte Stephan Horn von der städtischen Wifög. Er ist für die Entwicklung des Schlachthof-/Güterbahnhofsareals zuständig.

Deutschland Entwicklungsland

Oberbürgermeister Norbert Tessmer verwies darauf, dass die konkreten Planungen für die Nutzung des Schlachthofs erst im Herbst 2017 begonnen hätten. Nun werde schon eröffnet. "Woanders wird man dafür gefeiert, hier heißt es: Zeit wird's, dass ihr in die Gänge kommt." Die Region gehe hier einen innovativen Weg. Landrat Michael Busch betonte, dass ein solches Projekt nur gemeinsam gelingen könne. Denn es gehe auch darum, den digitalen Wandel zu schaffen. Stadt und Landkreis müssten dafür die Rahmenbedingungen gestalten. Schon OB Tessmer hatte darauf verwiesen, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung "als Entwicklungsland" gelte - das würden sogar Mitglieder der Bundesregierung so sehen.

Stadt und Landkreis sowie die IHK zu Coburg und mehrere Unternehmen stehen hinter "Zukunft.Coburg.Digital". Das Projekt wird derzeit als Partner des digitalen Gründerzentrums in Bamberg gefördert. Aber die Bewerbung dafür, ein eigenständiges Gründerzentrum zu werden, läuft. "Zusammen Daumen drücken", bat Landrat Busch - die entscheidende Jury-Sitzung sollte just an diesem Dienstag stattfinden.



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