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Wo die Risiken für Coburgs Storchennachwuchs liegen

Nach ersten Erkenntnissen von Vogelschützern sind mindestens 18 junge Störche im Coburger Land geschlüpft.
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Der Storchenhorst in .Hans-Peter Schönecker
Der Storchenhorst in .Hans-Peter Schönecker
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Das Coburger Land steuert auf ein neues Rekordjahr bei seiner Storchenpopulation zu. Von seiner letzten Rundfahrt zu den inzwischen Horst-Standorten zwischen Kaltenbrunn und Neustadt hat Hans-Peter Schönecker, der Storchenbeauftragte der Coburger Kreisgruppe im Landesbund für Vogelschutz (LBV), tolle Informationen mitgebracht. Läuft alles ideal, dann wachsen in den kommenden Wochen über 20 Jungstörche in der Region auf - das wären mehr als die jeweils 18 in den Rekordjahren 2015/2016.
Noch allerdings, warnt Schönecker, sind die von Vogelfreunden und von ihm ermittelten Zahlen der Jungvögel nicht verlässlich. So könnte sich der Regen, seit Mittwoch über Nordbayern gezogen ist, für kleine Störche zu einem lebensgefährlichen Problem auswachsen: "Wichtig sind immer ausreichend trockene Phasen, in denen das Gefieder der Jungstörche trocknen kann und die Altstörche genügend Nahrung herbeibringen." Geschieht das nicht, drohen die kleinen Störche an Schwäche und Unterkühlung zu sterben.
Jede Menge zu tun hat deshalb derzeit die in Schweden geborene Storchenmutter, die mit ihrem Partner in Scherneck auf dem Horst von Tierarzt Joachim Lessing sitzt. Sie hat rekordverdächtige fünf Junge, die sie immer wieder mit ihren Flügeln vor dem Regen schützt. Doch manchmal werden sogar dem Altvogel die nassen Flügel zu schwer, so dass die Kleinen ungeschützt im Regen sitzen.


Zwei Paare brüten wohl noch

Normalerweise sind es die alten und erfahrenen Brutpaare, die in der Lage sind, drei oder mehr junge Vögel großzuziehen. Deshalb überrascht es die Naturfreunde vom Coburger LBV nicht, dass auch in Kaltenbrunn wieder Hochbetrieb auf dem Horst der Brauerei Schleicher herrscht. Diesmal sind es vier Jungvögel, die drunten im Itzgrund aufwachsen. Beim (Foto- )Besuch bot sich Hans-Peter Schönecker ein erfreuliches Bild, als ein Altvogel angeflogen kam und auf dem Horst das Futter für den Nachwuchs auswürgte: "Die Jungen stürzten sich auf das Futter und ich konnte sehen, wie einige Frösche verschlungen wurden."
Während es in Scherneck und Kaltenbrunn kaum mehr Zweifel an der Zahl der Jungvögel gibt, stehen bei einigen Horststandorten noch Fragezeichen. In Rossach zum Beispiel hat Hans-Peter Schönecker drei putzmuntere Junge entdeckt, aber seine jahrelange Erfahrung sagt ihm: "Es ist durchaus denkbar, dass hier noch ein weiterer Nachzügler - der noch zu klein ist, um über den Horstrand zu schauen - in der Horstmulde sitzt." Nicht viel anders schätzt der Storchenbeauftragte der Coburger Vogelschützer die Lage in Bad Rodach (sicher: drei Jungvögel) und am Meschenbacher "Bräustübla" ein. Bei beiden Nestern würde es ihn nicht wundern, wenn noch das eine oder andere Nesthäkchen seinen Kopf in die Höhe strecken würde. In Meschenbach haben Patricia und Marcel Baetz nach ihrer "Storchenrunde" sicher zwei Jungvögel an die LBV-Zentrale in Coburg gemeldet - da scheint noch Luft nach oben zu sein.
Gar noch völlig offen ist die Situation auf zwei Nisthilfen, in denen Nachzügler-Paare erst Mitte April mit der Brut begonnen haben. 35 Tage liegen Biologen zufolge zwischen der Eiablage und dem Schlüpfen der Storchenküken, weshalb über Seßlach und den Hessenhof am Coburger Stadtrand noch keine zuverlässigen Informationen vorliegen. Allerdings stimmt das Verhalten der Störche in Seßlach Hans-Peter Schönecker optimistisch. Dort zupft ein Vogel ständig in der Nistmulde herum und räumt darin auf - ein untrügerisches Zeichen, sagt der Storchenfachmann: "Es müssen aus den Eiern schon kleine Störche geschlüpft sein." Mitte Mai dürfte dies der Fall gewesen sein, so dass schon in den kommenden Tagen die Jungvögel groß genug sind, um ihre Köpfe über den hohen Nestrand hinaus heben zu können.


Das sagt der LVB über die Storchen-Hotspots in Bayern

Trotz steigender Zahlen - ein "Hotspot" für Störche ist das Coburger Land (noch) nicht. Das hat dem Tageblatt auf Nachfrage Oda Wieding, Referatsleiterin für Störche beim Landesbund für Vogelschutz (LBV), bestätigt.
Die aktuellen Bestandsschwerpunkte liegen vorrangig in Westbayern, da beim Weißstorch insgesamt in den letzten Jahren der massive Zuwachs auch vorrangig bei den Westziehern zu verzeichnen ist. "Dort sind die Überwinterungsbedingungen so gut, dass die Verlustrate einfach deutlich geringer ist als zum Beispiel in den achtziger Jahren mit Dauertrockenheit in der Sahelzone", erklärte Wieding. Offensichtlich gibt es nach regelmäßigeren Regenereignissen dort auch wieder Heuschrecken und einige Störche bleiben mittlerweile im Winter einfach in Spanien. Oder gleich im Brutgebie, wie es ein Schernecker Storch schon seit Jahren praktiziert.
In Freistaat Bayern gibt es seit ein paar Jahren erste echte Kolonien, was die Dichte der Storchenpaare angeht: in Kirchheim (Schwaben), dann südlich des Ammersees in Raisting sowie im Nördlinger Ries in Donauwörth und im Aischtal in Uehlfeld, Gerhardshofen und Ipsheim. Auch im Landkreis Bamberg beginnen sich am Südrand im Ebrachtal mehrfach zweite und dritte Paare in den kleinen Ortschaften anzusiedeln, weiß die Spezialistin beim LBV.
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