Coburg
Modellbau

Wo die Angersporthalle überlebt

Es darf nicht irgendein Volksfest sein: Mike Morgenroth und Jürgen Scholz bauen das Coburger Vogelschießen nach.
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Nah am Original, das inzwischen schon fast nicht mehr vorhanden ist: Die Dreifachsporthalle am Coburger Anger, Maßstab 1:87. Foto: Simone Bastian
Nah am Original, das inzwischen schon fast nicht mehr vorhanden ist: Die Dreifachsporthalle am Coburger Anger, Maßstab 1:87. Foto: Simone Bastian
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Einige Sattelschlepper biegen gerade von der Bamberger Straße in die Schützenstraße ab. Dort, am Rand des Ketschenangers, wird gerade das Riesenrad aufgebaut. Weitere Fahrgeschäfte und kleine Buden stehen schon. "Die Eiskist' ist heuer auch wieder mit dabei", sagt Jürgen Scholz, einer der beiden Platzmeister.

Scholz und Mike Morgenroth sind die Herren der 1,80 mal 2,40 Meter großen Platte, auf der derzeit das Coburger Vogelschießen aufgebaut wird. Als Modell, im Maßstab 1:87, und so originalgetreu wie möglich. Zu sehen ist der fertige Festplatz am Wochenende 16. und 17. Februar bei der Modellbauaustellung der Eisenbahnfreunde Steinachtalbahn Coburg im Autozentrum Hommert. Dann werden die Laster, die für den Fototermin noch zum Aufbau rollen, brav an der Seite parken. Oder ganz außer Sicht, so, wie im richtigen Leben.

Auf dem Miniatur-Anger wird es blinken, die Autoscooter werden ihre Runden ziehen, die Karussells sich drehen. Viele dieser Fahrgeschäfte gibt es als Bausatz, aber Jürgen Scholz und Mike Morgenroth wollen ja nicht irgendein Volksfest nachbauen. Es geht ums Vogelschießen, und wo der Bausatz nicht dem Coburger Vorbild entspricht, wird nachgebessert. Mike Morgenroth hat in geduldiger Klein- und Feinarbeit sogar die Stufen zum "Break Dance" so lackiert wie das Original. "Hunderte Stunden" haben die beiden Modellbauer bislang in das Vogelschießen gesteckt. Schließlich muss auch jede Gondel fürs Riesenrad aus mehreren winzigen Einzelteilen zusammengeklebt werden - und damit sie echter aussehen, hat Mike Morgenroth sie ebenfalls lackiert. Auch der Autoscooter hat ein anderes Dach, als es der Bausatz vorsah: Um das violette Zeltdach nachzubilden, hat Morgenroth kurzerhand einen Müllbeutel lackiert und die Folie über ein Gestell gespannt.

Er ist der geduldigere Modellbauer neben dem lebhaften Jürgen Scholz. Der kennt Volksfeste in- und auswendig. Nicht nur, weil er schon vor Jahren mit dem Modellbau angefangen hat, sondern auch, weil er die richtigen Fahrgeschäfte gelegentlich von einem Festplatz zum anderen transportiert und auch schon beim Aufbau mit Hand angelegt hat. Namen von Herstellern und Schaustellern sprudeln nur so aus ihm heraus. Die Kontakte sind wichtig, sagen beide: Ein Fahrgeschäft darf man nicht so ohne weiteres nachbauen. Weil aber Scholz viele Betreiber kennt, durften er und Morgenroth Fotos von allen Seiten machen und auch für ihre Modelle verwenden. "Das typische Plastikzeug kann ja jeder haben", sagt Scholz. Was es nicht als Bausatz gibt, haben er und Morgenroth in Pappe gefertigt. "Die Angersporthalle hat 4,50 Euro Material gekostet."

Die Hallenwände sind aus Pappe, das Dach aus Schleifpapier, Körnung 180 und 160. Die Modellhalle wird - anders als das Original - vorerst stehen bleiben. "So kennen die Leute ja das Vogelschießen", sagt Mike Morgenroth. Eine Ruine werden die beiden jedenfalls nicht aufstellen, denn die wird auch nie beim echten Vogelschießen zu sehen sein. Bis das Fest im Sommer stattfindet, ist die Halle weg.

Aber dafür wird die Eiskist' wieder kommen, die bei den Coburgern Kultstatus genießt. Jürgen Scholz hat das vom jetzigen Besitzer erfahren, der die beliebte Verkaufsbude gerade neu herrichten lässt. Scholz und Morgenroth erhalten die Pläne, so dass ihr Modell nicht aufs große Vorbild warten muss.

Das Vogelschießen 1:87 wird im Sommer auch im Rahmen des richtigen Vogelschießens zu sehen sein. Die Ausstellung in Creidlitz ist da nur eine Art Vorschau. Ausstellungs-Premiere hatte das Vogelschießen indes schon voriges Jahr in Fürth, wo mehrere Modellbauer ihre Volksfeste präsentierten. "Da sind sogar extra Leute von Coburg hingefahren", sagt Morgenroth immer noch ein bisschen ungläubig. Auch einige Schausteller seien eigens gekommen, um zu sehen, wie ihr Fahrgeschäft im Modell aussieht.

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