Coburg
Bau- und Umweltsenat

Wo am nötigsten - WC am Goldbergsee in Coburg

Am Goldbergsee sind nun mobile Toiletten im Gespräch. Denn Kosten für etwas Massives von bis zu 160 000 Euro sind den Coburger Räten zu hoch.
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Am Goldbergsee mangelt es an einer öffentlichen Toilette. Der Bau- und Umweltsenat sprach sich für kostengünstige flexible WCs aus. Foto: Christoph Winter
Am Goldbergsee mangelt es an einer öffentlichen Toilette. Der Bau- und Umweltsenat sprach sich für kostengünstige flexible WCs aus. Foto: Christoph Winter
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Am Goldbergsee könnte es eine öffentliche Toilette geben. Anstelle einer massiv gebauten Bedürfnisanstalt jedoch sollen nun auch flexible WCs in Erwägung gezogen werden. Wann durch den einstimmigen Beschluss des Bau- und Umweltsenats am Mittwoch Besucher des Goldbergsees nicht mehr den Zwang haben, sich in die Büsche schlagen zu müssen, hängt von den kommenden Haushaltsberatungen der Stadt ab. In der Vergangenheit ging man von einer öffentlichen Toilette in einem Seecafé aus. Aber Gastronomie dort lässt auf sich warten.

Im Mai hatte die Fraktion der Grünen beantragt, beim Parkplatz des Goldbergsees ein öffentliches WC zu bauen. Der Hochwasser-Rückhaltestausee habe sich zu einem beliebten Freizeit- und Naherholungsgebiet entwickelt, daher sei eine Toilette unabdingbar. Besonders im Sommer sei dieser Mangel in den ufernahen Gebüschen sicht- und riechbar. Dass grundsätzlich eine öffentliche Toilette dort durchaus abendländischen Standards entsprechen sollte, war unstrittig, auch schon in einer vorangegangenen Sitzung des Bau- und Umweltsenats. Baukosten zwischen 140 000 und 160 000 Euro sowie weitere rund 11 000 Euro jedes Jahr für Reinigung und Wartung waren für die Mehrheit zu hoch. Zuschüsse konnte die Bauverwaltung für das Vorhaben nicht verwirklichen.

"Augenblicklich geht das aus finanziellen Gründen nicht", begründete Peter Kammerscheid (Pro Coburg) seine Ablehnung. Die großen finanziellen Herausforderungen für die Stadt angesichts der Theatersanierung und des Globe-Theaters ließen das nicht zu, so die Meinung von CSU-Stadtrat Max Beyersdorf. "Aber am Goldbergsee sind viele Menschen und ohne eine Toilette ist es mittelalterlich." Um eine vielleicht jahrelange Diskussion zu vermeiden, sprach er sich für eine kostengünstige Lösung aus. Partei- und Fraktionskollege Jürgen Oehm votierte ebenfalls für eine "gediegene funktionale Lösung", der jetzige Zustand sei "unverantwortlich".

Diskussion um Standort

Stadträtin Barbara Kammerscheid (SBC) wiederum hielt den Standort am Parkplatz für verfehlt. Die meisten Besucher hielten sich erfahrungsgemäß am Ufer gegenüber auf. Dort müsse man kostengünstig müssen können. An den gültigen Bebauungsplan mit einem Standort für Gastronomie und damit WC erinnerte Hans-Heinrich Ulmann (CSB). "Das sind doch Luxusprobleme! Dann stellen wir im Sommer eben ein Dixie hin", echauffierte er sich. Genauso pragmatisch und engagiert warf sich SPD-Stadtrat Andreas Gehring in die Diskussion: "Was für jeden Bauarbeiter möglich und auf jeder Baustelle bewährt ist, geht auch für jeden Jogger." So sei günstig ein Häuschen für "Männlein und Weiblein" aufzustellen. Partei-solidarisch zeigte sich Stadtrat Dominik Sauerteig, ein WC sei nötig, am besten auf der Uferseite gegenüber der Straße nach Bad Rodach und kostengünstig.

Neben einer massiven Lösung werde die Verwaltung nun den Aufwand für flexible Toiletten ermitteln, damit darüber bei den Haushaltsplanberatungen entschieden werden könne, sagte Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU). Damit zeigte sich Grünen-Stadtrat Wolf-Rüdiger Benzel als Antragsteller einverstanden.

Die Optik der blauen Plastikhäuschen könne mit geringem Aufwand aufgehübscht werden, brach Weber eine Lanze für eine ästhetisch einwandfreie Sanitärhygiene.

Sanierung: Melanchthonstraße wird robuster gebaut

54 Jahre nach ihrem Bau wird die holprige und löcherige Melanchthonstraße nun saniert. Im März oder April nächsten Jahres beginnen die Bauarbeiten. Der Bau- und Umweltsenat sprach sich am Mittwoch einstimmig dafür aus, die 1964 gebaute Straße zwischen dem Kanonenweg und der Lutherstraße auf einer Länge von etwa 175 Metern auf Vordermann zu bringen. Die Kosten für den Vollausbau hat der Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB) mit 455 000 Euro berechnet.

Gerhard Knoch, Leiter der Straßen- und Brückenabteilung des CEB, erläuterte, dass die 1964 hergestellte Melanchthonstraße schwere Schäden habe. Netzrisse im Asphalt, Schlaglöcher und Spurrinnen gebe es zuhauf. Auf Fahrbahn und den Gehwegen bleibe in den Absenkungen das Wasser stehen. "Die Gesamtdicke des befestigten Oberbaus der Straße beträgt derzeit nur etwa 35 Zentimeter." Beim Bau der Straße vor mehr als einem halben Jahrhundert sei dies angemessen und ausreichend gewesen. Heute forderten die entsprechenden Regeln einen Oberbau von 60 Zentimetern Stärke.

Die Fahrbahn soll in herkömmlicher Bauweise mit Asphalt, die Gehwege rechts und links sollen mit Betonpflasterplatten von 20 mal 20 Zentimetern hergestellt werden. Die Fahrbahn bleibt 5,50 Meter breit, die Gehwege jeweils etwa zwei Meter. Dazu wird eine neue Straßenbeleuchtung mit LED-Leuchten installiert. Anstelle von den bisher drei Laternen wird es fünf LED-Leuchten geben. Die Städtischen Werke werden zeitgleich in der Melanchthonstraße neue Gas- und Wasserleitungen verlegen sowie sogenannte Speedpipe-Leitungen. In solche Kunststoff-Leerrohre können später mit Druckluft Glasfaserkabel eingeblasen werden.

Bäume werden entlang der Straße nicht gepflanzt, erklärte Knoch auf eine Frage von Grünen-Stadtrat Wolf-Rüdiger Benzel. "Wir haben es versucht, aber wegen der vielen Leitungen im Untergrund können Bäume ohne aufwendige Umverlegungen nicht gepflanzt werden." Benzel mahnte auch eine Prioritätenliste der am dringlichsten zu sanierenden Straßen in der Stadt an. Die gibt es beim Bau- und Entsorgungsbetrieb, so Gerhard Knoch. Je nach den finanziellen Möglichkeiten würden "die schlimmen Straßen" nach und nach saniert.



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