Coburg
Kabarett

Witziger Horrortrip: Urban Priol in Coburg

Immer am Puls der Zeit: Urban Priol. Kein Wunder, dass der Kabarettist sein aktuelles Programm ganz lapidar mit dem Motto "Jetzt" versehen hat. Beim Gastspiel im ausverkauften Coburger Kongresshaus nimmt er zu vielen politischen Themen Stellung.
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Urban Priol bei seinem Auftritt im Coburger Kongresshaus. Foto: Jochen Berger
Urban Priol bei seinem Auftritt im Coburger Kongresshaus. Foto: Jochen Berger
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Erhöht auf dem Tisch und auf allen Vieren, muht er irgendwann zum Herzerbarmen ins ausverkaufte Kongresshaus. Alles lacht, dabei tut‘s eigentlich weh. Dass dieses tumbe Volk, "der mündige Bürger", heutzutage alles, einfach alles hinnimmt, bringt Urban Priol zur Verzweiflung, in den Wahn.

"Einfalt in Vielheit"

Die Haare stehen ihm ja grundsätzlich zu Berge, wenn er auf die Politik guckt, auf unsere Gesellschaft, auf die Geschehnisse in der Welt. Das Schlimmste aber ist, dass sich die Leute mit voller Lust so verarschen lassen. Klar, in dem Moment, am Samstag Abend, unmittelbar nach den Feiern zur "Einfalt in Vielheit", wir doch auch.
Lassen uns da inbrünstig anmuhen.

Aber keine Sorge, bei diesem dreieinhalbstündigen, oft zum Quietschen witzigen Horrortrip rammt einem dieser wütende Moralist aus Aschaffenburg schon die Pflöcke des Entsetzens in Hirn und Herz, und das ja nicht zum ersten Mal auch hier in Coburg.

Digitaler Wahnsinn

Wenn er da parodierend über die Bühne wetzt, von der angeblich gar so klugen Bundesmutti Angela zur Ursula, die auf ihren zahllosen Selfis die Bomberjäckchen vom alten Busch aufträgt, zu dem mentalen Einzeller mit seinem Maut-Irrsinn, zum freiheitsbesoffenen Bundesjockel Gauck, bis zum blöderweise nichtsaufenden, russischen Bären, der sich doch tatsächlich die naiven Frechheiten des Westens nicht mehr gefallen lässt, wird einem irgendwann ganz schlecht. Nicht nur, weil der Körper vor Lachen allmählich aus jeder akzeptablen Sauerstoffbalance fällt.

Das drohende Freihandelsabkommen, das die endgültige Kapitulation der Politik vor den globalen Großkonzernen bringen wird, der radikale Sozialabbau, das Landgericht München mit seinem Prinzip, besser nicht so genau weiter zu fragen und seinen erstaunlichen Urteilen von Uli Hoeneß bis Bernie Eccleston.

Der digitale Wahnsinn, in dem wir gegoogelt werden und in dem sich die Facebook-Gemeinde allenfalls darüber erregt, dass der NSA nach seinem Besuch vergisst, den "Gefällt mir-Button" zu drücken.

Muntere Waffenlieferungen

Immerhin ist die Kriegsgefahr, auch wenn seit einem halben Jahr wieder erstaunlich getrommelt wird, doch drastisch gesunken, vor allem die von uns ausgehende. "Wir haben ja nichts mehr, vor dem man sich fürchten könnte. Außer unserer Ministerin." Andererseits die munteren Waffenlieferungen an die derzeit guten Terroristen, die noch vor kurzem die bösen waren. Ach, es ist der Wahnsinn. Der Priol ist der Wahnsinn, wie der in dieser Fülle die Dinge auf den Punkt bringt. Bloß: ob er uns wirklich so anmuhen muss? Obwohl. Zu befürchten ist, dass er Recht hat.


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