Bad Rodach
Nominierung

Wird Christian Gunsenheimer der neue Coburger Landrat?

In 80 Tagen wird der neue Coburger Landrat gewählt. Die Freien Wähler fühlen sich schon gerüstet. Ihr Bewerber heißt Christian Gunsenheimer.
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Christian Gunsenheimer soll Coburger Landrat werden. Darin waren sich zumindest die Delegierten der überparteilichen Kreiswahlgemeinschaft der Freien Wähler bei der Nominierungsversammlung am Mittwochabend in der "Therme Natur" in Bad Rodach einig. Neben dem einstimmigen Votum erntete die kämpferische und selbstbewusste Rede des aktuellen Landrats-Stellvertreters viel Applaus. Foto: Bettina Knauth
Christian Gunsenheimer soll Coburger Landrat werden. Darin waren sich zumindest die Delegierten der überparteilichen Kreiswahlgemeinschaft der Freien Wähler bei der Nominierungsversammlung am Mittwochabend in der "Therme Natur" in Bad Rodach einig. Neben dem einstimmigen Votum erntete die kämpferische und selbstbewusste Rede des aktuellen Landrats-Stellvertreters viel Applaus. Foto: Bettina Knauth
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Mit Christian Gunsenheimer (Schlettach) schicken die Freien Wähler erstmals einen eigenen Kandidaten ins Rennen um den freigewordenen Chefsessel im Landratsamt. Für den weiteren Stellvertreter des Landrats und ehemaligen Bürgermeister von Weitramsdorf stimmten bei der Aufstellungsversammlung am Mittwochabend in der "Therme Natur" alle 21 anwesenden Mitglieder der überparteilichen Kreiswahlgemeinschaft. Der Nachfolger von Michael Busch (SPD), der nach zehn Jahren in den Bayerischen Landtag wechselte, wird am 27. Januar 2019 gewählt.

Rödentals Bürgermeister Marco Steiner hatte Gunsenheimer den Delegierten vorgeschlagen, Steiner übernahm auch die Laudatio auf den Fraktions- und Kreisvorsitzenden. "Christian ist zweifellos der Richtige für diese herausfordernde Aufgabe", betonte sein Stellvertreter. Seit 2014 habe der 44-Jährige viel Erfahrung in Führungs- und Repräsentationsaufgaben gesammelt, vor allem aber "tiefen Einblick in das große Haus Landratsamt erhalten" und dabei "unglaublichen Einsatz weit über das Aufgabenfeld selbst eines ersten Stellvertreters hinaus" gezeigt. Immerhin sei das Amt mit 350 Mitarbeitern "ein sehr komplexes Gebilde", wie er als früherer Personalchef nur zu gut wisse, so Steiner. Seine profunden Kenntnisse über den Kreishaushalt kämen Gunsenheimer in Führungsverantwortung zugute. "So leicht kann Christian keiner etwas vormachen", sagte Steiner. In allen für den Landkreis wichtigen Themen kenne "sich keiner der Kandidaten so gut aus". Darüber hinaus sei der gebürtige Nürnberger in der Region verwurzelt, vielseitig engagiert (vom Vorstand der Bürgerenergiegenossenschaft über Krankenpflegeverein Weitramsdorf-Seßlach, Freiwillige Feuerwehr Weitramsdorf bis zum Verein Sonderpädagogik, Waldbauernvereinigung Coburger Land und Mentor am Gymnasium Ernestinum), aber auch ein "normaler" Familienmensch und Nachbar, wie sein Einsatz für die Backhausfreunde Schlettach, als Kirchenvorstand oder Elternbeirat in Weitramsdorf beweise. "Trotz seines jungen Alters hat Christian bereits viel Lebenserfahrung gesammelt", betonte Steiner.

Strabs wurde zum Verhängnis

Dazu gehörten auch Niederlagen: Gunsenheimer habe als Weitramsdorfer Bürgermeister "über zwölf Jahre eine gute, erfolgreiche und sachbezogene Arbeit abgeliefert" und vieles bewegt. "Ehrlich und geradlinig", wie er sei, habe er jedoch ein "falsches Thema zur falschen Zeit" angepackt. Es war die Strabs, auf die Steiner abzielte und an der Gunsenheimer beharrlich festhielt. Sie vor allem kostete ihn 2014 die Wiederwahl.

"Ich bin auf viele Dinge in den zwölf Jahren sehr stolz, aber es waren auch Dinge dabei, die zur Unzufriedenheit der Leute führten", gab sich der 44-Jährige in seiner ansonsten selbstbewussten und angriffslustigen Bewerbungsrede an dieser Stelle selbstkritisch. Reaktionen wie "Den abgehalfterten Ex-Bürgermeister von Weitramsdorf brauchen wir nicht", könne er deshalb nachvollziehen. Damals, mit 27 Jahren, habe er gedacht, es reiche, alle Fakten zu sammeln und sachbezogene Politik zu machen, "das muss doch jeder verstehen". Heute wisse er: "Menschen haben nicht nur einen Verstand, sondern auch ein Herz". Eine Erkenntnis, die für ihn nach über vier Jahren nicht zu spät komme, versicherte Gunsenheimer. Den "Berg an Aufgaben", der auf den neuen Landrat wartet, habe er im Blick. Viele der kommenden Herausforderungen seien obendrein noch gar nicht absehbar.

"Wir können mehr": Dieser Untertitel seiner Kampagne zielt laut Gunsenheimer darauf ab, Potenziale zu identifizieren und auszuschöpfen. Drei Themen liegen dem Landrats-Kandidaten besonders am Herzen: der Fachkräfte- und Auszubildenden-Mangel, die Nachhaltigkeit und die Pflege. Mit den "Pfunden unserer Region" möchte der Schlettacher nicht nur um Gäste, sondern verstärkt in den Metropolregionen um Arbeitskräfte werben. Weiter gelte es, alle Kräfte zu bündeln, von den Wirtschaftsförderern in Stadt und Land bis zur IHK und HWK. Mit betreuten Wohnformen könnten auch Jugendliche zur Ausbildung ins Coburger Land gelockt werden. Durch Schaffung einer "innovativen Sonderwirtschaftszone" inklusive Entbürokratisierung und Hilfsangeboten möchte Gunsenheimer es Gründern ermöglichen, sich auf ihre Innovationen zu konzentrieren.

Stingl war er Einladung gefolgt

Nachhaltigkeit bedeutet dem Bewerber "mehr als Ökologie": Einerseits liegen ihm der "Schutz unserer Natur- und Kulturlandschaft" und der Kampf gegen die Stromtrassen am Herzen ("Dafür spricht alles, was ich bisher gemacht habe"). Andererseits geht es Gunsenheimer um gegenseitigen Respekt sowie den Aufbau von Beziehungen, zu den Bürgern ebenso wie zu den Mandatsträgern in den Kommunen, in Bezirk, Land und Bund: "Die Botschaft muss lauten: Wir im kleinen Coburger Land sind auch wichtig!" Den Landrat sieht der Freie Wähler hier als "obersten Lobbyisten". Der Einladung an seine Mitbewerber war SPD-Kandidat Martin Stingl (Neustadt bei Coburg) gefolgt. "Weil ich den Ansatz Politik auf der Basis von Anstand, Aufrichtigkeit und Seriosität zu machen, unterstütze", so Stingl. Er fügte hinzu: "Alle weiteren Interpretationen meiner Anwesenheit wären Unfug."

Um die Bedingungen derjenigen zu verbessern, "die sich um unsere Mitmenschen kümmern", forderte Gunsenheimer mehr Mitarbeiter in der Pflege. Die Qualität der Versorgung bis zum letzten Tag bringe dem Coburger Land "echten Wohlstand und Lebensqualität", anders als vorhandene Freizeiteinrichtungen. Beispielhaft dafür stehe die positive Entwicklung der Diakoniestation Weitramsdorf-Seßlach, so Gunsenheimer. Er erinnerte daran, dass die Freien Wähler im Kreistag die Einrichtung eines Pflegekompetenzzentrums zur Gewinnung von Fachkräften beantragten und zuvor bereits das Stipendiatenprogramm für angehende Ärzte anregten. Dieses gelte es weiter auszubauen. Neben Hausärzten fehle es auch an Fachmedizinern. Um die Kliniken auch zukünftig in der Hand der Kommunen zu belassen, müsse dort die Qualität gesteigert werden, forderte der 44-Jährige. Gunsenheimer: "Das ist eine Heidenaufgabe!"

Vor dem Landratskandidaten der Freien Wähler liegt nun zunächst die Aufgabe, in nur in 80 Tagen die Wahlberechtigten von seiner "Wir können mehr"-Kampagne zu überzeugen. Dazu appellierte Gunsenheimer an die rund 90 Anwesenden, Geschlossenheit zu zeigen: "Das Ziel Landratsamt schaffen wir als Freie Wähler nur gemeinsam!"

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