Coburg
Streit

Wirbel um "Geheimakte" in der Schublade des Bürgermeisters

Was würde es kosten, die marode Angerhalle vielleicht doch noch mal auf Vordermann zu bringen? Die CSU wollte ein Gutachten - doch das gibt es bereits. Seit Dezember. Aber der OB wusste bis vor zwei Tagen gar nichts davon.
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Die marode Angerhalle.
Die marode Angerhalle.
Ein Dringlichkeitsantrag des CSU-Fraktionsvorsitzenden Hans-Herbert Hartan sorgte am Donnerstag in der Stadtratssitzung für Aufregung. Doch noch mehr ging es plötzlich drunter und drüber, als Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) als Reaktion auf den Antrag ein Gutachten präsentierte, von dessen Existenz er, Kastner, angeblich bis vor einem Tag selbst gar nichts wusste - und das den Hartan-Antrag quasi überflüssig machte.
Aber der Reihe nach: Mit Blick auf die Entscheidung, wo eine neue Dreifachturnhalle errichtet werden soll, hatte Hartan beantragt, die jetzige Angerhalle von einem unabhängigen Bausachverständigen untersuchen zu lassen. Denn wenn sich das marode Gebäude mit einem "vertretbaren Aufwand" doch wieder auf einen einigermaßen modernen Stand bringen ließe, könnte man über den Neubau einer Halle noch einmal "in Ruhe" nachdenken - und müsste nicht in der "aufgeheizten Stimmung eines sich anbahnenden Wahlkampfs" eine Entscheidung treffen.

Zumal, so Hartan, doch auch bestimmt niemand wolle, dass die Halle erneut ein Wahlkampfthema werde.
Kastner reagierte erstaunt: "In Ruhe nachdenken? Das Thema ist doch schon so etwas von durchgelutscht!" Außerdem sei er im Zuge der Bearbeitung des Hartan-Antrags auf ein Gutachten gestoßen, dass im Dezember 2012 von einem unabhängigen Bausachverständigen zur Angerhalle angefertigt worden sei. Die Kernaussage, wonach eine Sanierung rund vier Millionen Euro kosten würde, sei aber letztlich gar nichts Neues. Auf ähnliche Zahlen sei man bereits zwei Jahre zuvor bei einer Berechnung gekommen.

Die Zahlen selbst mögen in der Tat nichts Neues gewesen sein. In Rage kam allen voran Max Beyersdorf (CSU) wegen etwas ganz anderem: "Wir sitzen alle vier Wochen im Bausenat zusammen - und dann liegt zu diesem sensiblen Thema ein Geheimgutachten im Schrank des Baubürgermeisters, von dem wir nichts erfahren!" Hans-Herbert Hartan bezeichnete es als "vorsichtig ausgedrückt: erstaunlich", dass es ein Gutachten gebe, von dem noch nicht einmal der Oberbürgermeister wisse.

Hans-Heinrich Ulmann (CSB), also der direkt angesprochene Baubürgermeister, ließ übrigens wissen, dass er das Gutachten just in der März-Sitzung des Bausenats präsentieren wollte. Die Aufregung konnte er deshalb gar nicht verstehen: "Die Verwaltung prüft laufend den Zustand der städtischen Hallen, und das war hier auch der Fall."
Christian Müller (CSB) warf Hans-Herbert Hartan vor, eine "Rolle rückwärts" zu vollziehen, die "wahrscheinlich dem herannahenden Wahlkampf geschuldet" sei. Mit dem Wunsch, das Thema noch einmal in Ruhe anzugehen, würde der CSU-Fraktionsvorsitzende unnötig "Sand ins Getriebe" streuen.


Kastner: Unfug!

Hans-Herbert Hartan zog schließlich - angesichts des ja bereits existierenden Gutachtens - seinen Dringlichkeitsantrag zurück. Norbert Kastner hatte zuvor deutlich gemacht, dass er rein gar nichts davon hält, noch Geld in die marode Angerhalle zu stecken: "Jeder Euro, den wir in dieses alte Gebrück hineinschießen, ist Unfug!" os
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