Coburg
Landestheater Coburg

"Wir brauchen mehr Einfühlungsvermögen"

Der neu Intendant Bernhard F. Loges nutzte die Mitarbeiterbegrüßung zur neuen Saison auch zur gesellschaftspolitischen Standortbestimmung.
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Viele neue Gesichter am Landestheater Coburg.  Landestheater Coburg
Viele neue Gesichter am Landestheater Coburg. Landestheater Coburg
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Neustart am Landestheater Coburg, auch wenn noch immer nicht wirklich klar ist, in welchem konkreten Rahmen die bevorstehende Zeit der Generalsanierung bewältigt werden soll. Zum Arbeitsauftakt nach der Sommerpause gab es gleich richtig Jubel über und für den neuen Intendanten. Bernhard F. Loges, Nachfolger des ans Staatstheater Saarbrücken gezogenen Bodo Busse, betrat die Bühne im Großen Haus souverän und locker zur Mitarbeiterbegrüßung, die stets auch ein symbolischer Akt in erster Linie nach innen, mit einer betont gesellschaftspolitischen Botschaft aber auch "nach außen" ist.

Tatsächlich war Bernhard F. Loges, bisher Musiktheater-Dramaturg an der Deutschen Oper am Rhein, während des Interimsjahres mit Viererdirektorium aus den verbliebenen Führungskräften schon sehr präsent am Landestheater und in der Stadt. Entsprechend "heimisch" bewegt er sich bereits, hat seinen Umzug samt Familie von Düsseldorf ins Coburger Land, nach Mönchröden, nun auch gänzlich vollzogen und sich "gut eingelebt".

In ganz Deutschland sehen sich die Theater derzeit berufen, politisch in besonderem Maße Stellung zu beziehen. So auch Bernhard Loges. In seiner Begrüßungsrede ging es ihm nicht nur um die Motivation seiner Mitarbeiter, sondern, gerade "nach den Ereignissen der letzten Wochen", darum zu sagen, wofür Theater an sich zu stehen hat und speziell auch das Programm des Coburger Landestheaters in der Saison 2018/2019, dem ersten von Loges komplett verantworteten. Stimmen der öffentlichen Diskussion zitierend, gehe es ihm vor allem um "Empathie-Bildung", um die Ausbildung und Erweiterung des Einfühlungsvermögens. Mozarts "Zauberflöte" zum Saisonauftakt (Premiere am 29. September) sei dafür geradezu paradigmatisch. Alles andere als ein Kinderstück, vollziehe es verschiedene Entwicklungsstufen des Individuums zu größerer Reife nach, dabei auch die Schatten akzeptierend.

Ja, es sei ein problembewusster Spielplan, den das Landestheater in dieser Saison biete. Es gehe darum, dem Besucher zu helfen, seinen "eigenen moralischen Kompass zu finden". Nur wenn man das Dunkle zeigt, könne man auch das Licht sehen. Außerdem sei tatsächlich auch viel Spaß und Unterhaltung vorgesehen, wobei Entspannung ja nicht wegdösen heiße. Auch das Landetheater wolle eine Flagge gegen Hass und Hetze hissen, zumal man am Beispiel dieser Institution, an der eine sehr große Zahl unterschiedlichster Nationalitäten versammelt sind, sehen könne, was alles in Solidarität machbar ist.

Loges selbst sieht sich als Leiter eines Teams, dessen Ziel es sein müsse, "dass die Leute von jedem Abend etwas mitnehmen." Belehrt werden - im Sinne von Schillers moralischer Lehranstalt - könne man im übrigen auch, wenn man viel lacht.

Großen Dank und großen Jubel hatte es bereits eingangs für das Schauspielensemble gegeben, das in den Theaterferien, man könne es nicht anders sagen, so Loges, "München gerockt hat" mit der "Spider Murphy Story", was von sämtlichen Medien bis zur Süddeutschen Zeitung gewürdigt worden sei. Es gebe bereits Anfragen nach weiteren Engagements.

Der namentliche Aufruf aller Neuen im Ensemble beendete den Begrüßungsakt. Vor allem im Musiktheater-Ensemble gibt es größere Veränderungen. Das Coburger Tageblatt wird die Neuen am Landestheater in nächste Zeit vorstellen.



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