Coburg

Wie sich Coburgs CSU Mut macht für den Wahlkampf

So wird Bayerns Staatsministerin Kerstin Schreyer beim Neujahrsempfang der CSU Coburg Stadt zur Wahlkampfhelferin von OB-Kandidat Christian Meyer.
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Hoffnungsträger: Christian Meyer (rechts) soll für die CSU (links: Kreisvorsitzender Coburg Stadt René Boldt) den Oberbürgermeister-Sessel erobern.Foto: Jochen Berger
Hoffnungsträger: Christian Meyer (rechts) soll für die CSU (links: Kreisvorsitzender Coburg Stadt René Boldt) den Oberbürgermeister-Sessel erobern.Foto: Jochen Berger
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Politikerbesuche können Geschenke sein. Wahlkampfgeschenke, die Lokalpolitiker besonders in Zeiten von Kommunalwahlkämpfen meist gerne annehmen - umso lieber, je prominenter der jeweilige Gast ist. Politikerbesuche können Geschenke sein - wie jener Besuch von Staatsministerin Kerstin Schreyer beim traditionellen Neujahrsempfang des CSU-Kreisverbandes Coburg-Stadt.

Ordentlicher Andrang im Gemeindesaal von St. Marien in der Spittelleite.

Mit dem Sektglas in der Hand warten

Drinnen die lokale Polit-Prominenz mit CSU-Parteibuch, aber auch einige Gäste aus anderen politischen Lagern - erwartungsvoll wartend mit Sektglas in der Hand beim Empfang. Mag die bisherige Ministerin für Familie, Arbeit und Soziales auch nicht die prominenteste Vertreterin im Kabinett von Ministerpräsident Markus Söder sein - für OB-Kandidat Meyer ist sie selbstredend ein hochwillkommener Gast.

Was sich Coburg von München wünscht

Nach der angekündigten Kabinettsumbildung umso mehr. Denn künftig ist Schreyer für die Themen Wohnen, Bau und Verkehr zuständig - Themen, bei denen auch die Coburger CSU viele Wünsche in Richtung München formulieren kann.

Mediale Aufmerksamkeit

Eine Ministerin in Coburg - das garantiert wenige Wochen vor der Kommunalwahl mediale Aufmerksamkeit, auch wenn Schreyer tatsächlich ein wenig auf sich warten lässt. Meyer kann diese Aufmerksamkeit natürlich gut brauchen. Schließlich soll aus dem CSU-Hoffnungsträger Meyer der Gewinner Meyer werden. Ein Gewinner im zweiten Anlauf - gewissermaßen. Denn vor einigen Jahren wurde Meyer bereits einmal als Hoffnungsträger gehandelt und avancierte dann doch nicht zum Gegenkandidaten für den damaligen SPD-Rathaus-Chef Norbert Kastner.

Längst ist Kastner von der großen lokalen Politik-Bühne abgetreten - in wenigen Wochen wird es sein Nachfolger Norbert Tessmer ebenso tun. Zeit also für Hoffnungsträger Christian Meyer, die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Also lächelt Meyer, der seit kurzer Zeit auch in den sozialen Medien rege aktiv ist, an diesem Abend fleißig - nicht nur von den eifrig aufgestellten Plakatträgern, sondern auch in Natura.

Fleißig Hände schütteln

Fleißig schüttelt er Hände. Blickt sich im gut gefüllten Gemeindesaal von St. Marien suchend um. Nur niemanden vergessen - so kurz bevor der Wahlkampf in seine heiße Phase kommt. Während alle im Saal auf die Ankunft der Staatsministerin warten, testet Meyer schon mal das Rednerpult, geht noch einmal kurz seinen ausgedruckten Redetext durch - lautlose Trockenübungen, während im Saal noch munteres Plauder-Durcheinander herrscht.

Vom ICE-Takt bis zur Generalsanierung des Landestheaters

Dann geht's los. Endlich. Die Einstimmung übernimmt auch an diesem Abend in bekannter Manier Kreisvorsitzender Coburg Stadt René Boldt. Ausweitung der ICE-Taktung für Coburg, Schienenlückenschluss nach Südthüringen, Generalsanierung des Landestheaters, Ausweitung der Hochschule im medizinischen Sektor - Boldt zählt der künftigen Bauministerin des Freistaats schon mal eine lange Coburger Wunschliste für die Zukunft auf.

"Ich freue mich, dass sich alle Parteien auf eine faire Auseinandersetzung eingeschworen haben", sagt Boldt mit Blick auf den anstehenden Kommunalwahlkampf, schränkte aber zugleich ein: "Ich hoffe sehr, dass sich einige Ausrutscher der letzten Tage nicht wiederholen."

Zugleich hatte Boldt einen griffigen Slogan für den Wahlkampf parat: "Coburg braucht eine Kompetenzoffensive."

Dem Landkreis Coburg nacheifern

Der Kreisvorsitzende Coburg-Stadt weiß ganz genau, was bei seinem Auditorium ankommt. "Der Landkreis hat es uns vorgemacht, arbeiten wir daran, dass ich im nächsten Jahr Christian Meyer als Oberbürgermeister der Stadt Coburg begrüßen kann", sagt Boldt und erntet dafür den erwartbaren Applaus.

Dann ist Meyer an der Reihe. Erklimmt das Podium, legt sich sein Skript zurecht. Lächelt. Und wirkt doch irgendwie angespannt - wohl auch deshalb, weil sein Redebeitrag zwar schlicht als Grußwort angekündigt ist, irgendwie aber doch auch eine Grundsatzerklärung sein soll für das, was er in Coburg politisch in Angriff nehmen will. Also packt Meyer ein dickes Bündel an Themen in seine Ansprache. Meyer spricht von Coburg als Familienstadt und davon, den Kinderpass nicht erst ab dem dritten Kind verteilen zu wollen. "Ich möchte, dass alle Coburger Familien mit Kindern - egal wie viele - die Vorteile des Familienpasses nutzen können." Er spricht vom gesellschaftlichen Klima in der Stadt und "besten Bedingungen", die für Erzieherinnen und Erzieher zu schaffen seien. Immer wieder gibt sich Meyer betont populär. Coburg solle eine "Stadt für Jung und Alt" bleiben, "eine Stadt mit einem sozialen Herzen und einer starken Wirtschaft in den Adern".

Doch obwohl Meyer viele wichtige Themen anspricht und vollmundige Versprechen formuliert ("Ich will Arztpraxen in allen Stadtteilen") - allzu heftigem Applaus sieht er sich nicht immer ausgesetzt.

Wie sich Wahlkampf-Botschaften so transportieren lassen, dass der erhoffte Beifall auch wirklich bei den richtigen Stichworten einsetzt, demonstrieren dann Coburgs Landrat Sebastian Straubel ebenso wie Landtags-Abgeordneter Martin Mittag und Routinier Hans Michelbach als altgedienter Bundestagsabgeordneter.

Als designierte Bauministerin spricht Staatsministerin Kerstin Schreyer gleichwohl noch von den Herausforderungen ihres aktuellen Ministeriums für Familie, Arbeit und Soziales. Sie spricht von der Herausforderung, beispielsweise die Öffnungszeiten von Kitas an die Lebensbedingungen Alleinerziehender anzupassen.

Sie spricht aber auch davon, nicht alle Anforderungen an Institutionen zu delegieren, sondern auch die Eltern in die Pflicht zu nehmen. "Mir ist wichtig, dass Kinder auch in Zukunft Bücher nicht nur wischen, sondern blättern können", sagt Schreyer und fordert zugleich Ihre Zuhörer dazu auf, sich zu hinterfragen: "Wie nutzen wir selber die digitalen Medien?" Mit Blick auf die Entlohnung von Pflege- und Erziehungskräften fragt sie mahnend: "Was ist uns die Arbeit am Menschen wert?"

Ausdrücklich nimmt Michelbach die Fülle von insgesamt zehn Kandidaten für die Coburger Oberbürgermeister-Wahl ins Visier: "Ich weiß nicht, ob jeder weiß, wie schwierig diese Aufgabe ist." Auch Michelbach hat für den mit Erwartungen kräftig beladenen CSU-OB-Kandidaten einen Slogan mitgebracht: "Wir machen mit Christian Meyer ein gutes Angebot für Coburg." Da lächelt natürlich auch Meyer drunten im Saal - ein Lächeln, das mit seinem Plakat-Lächeln wetteifert.

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