Coburg
Museumsnacht

Wie Queen Victoria den Gospel für sich entdeckte

Im Burghof der Veste werden am 7. September "The Golden Voices of Gospel" ertönen. Sie erinnern so an die Geschichte hinter der bekannten afroamerikanischen Musik, die schon Königin Victoria zu Tränen gerührt hatte.
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"The Golden Voices of Gospel" treten in den Kostümen der "Fisk Jubilee Singers" bei der Coburger Museumsnacht auf. Foto: Ilia Haag
"The Golden Voices of Gospel" treten in den Kostümen der "Fisk Jubilee Singers" bei der Coburger Museumsnacht auf. Foto: Ilia Haag
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"Die Lieder klingen zwar oft heiter, handeln aber von tiefer Trauer", erklärt Ilia Haag von Black Artist Entertainment. Wenn Songs wie "When the Saints Go Marching In" ertönen, denken die wenigsten Zuhörer an die Geschichte, die hinter den sogenannten Negro Spirituals steckt. Bei der diesjährigen Museumsnacht am Samstag, den 7. September, treten "The Golden Voices of Gospel"auf der Veste auf. In Erinnerung an die "Fisk Jubilee Singers" verdeutlichen sie nicht nur die spirituelle Kraft der afroamerikanischen Musik, sondern schlagen damit auch eine besondere Brücke zur Stadt Coburg.

Die Liedgattung des Negro Spiritual entstand im 17. Jahrhundert in den USA und wurde bei der Arbeit auf den Plantagen von Sklaven gesungen. Die Spirituals, auch "work songs" oder "field songs" genannt, handeln von den Schmerzen und Qualen der Sklaven, vom Glauben an Gott und ihrer Hoffnung auf Befreiung. Später entwickelte sich aus dem Negro Spiritual schließlich der Gospel und gilt somit als Wurzel der "Schwarzen Musik".

Studenten touren durch Europa

Eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der Spirituals spielten die "Fisk Jubilee Singers". Um Geld für ihre Schule zu sammeln, reiste die Studentengruppe der "Fisk Freed Colored School" (heute: Fisk University), einer privaten Hochschule für Afroamerikaner in Nashville, Tennessee, Ende des 19. Jahrhunderts durch Europa.

Doch die Reise war mit Problemen verbunden. "Die afroamerikanischen Studenten durften keine Züge benutzen", erzählt Ilia Haag, "deshalb waren sie oft wochenlang zu Fuß oder auf Eseln unterwegs". Anfangs ließ der Erfolg auf sich warten. "Sie traten mit klassischen Werken auf, doch die waren in Europa schon bekannt", so Ilia Haag. Mit den Negro Spirituals allerdings, die ursprünglich nur als Zugabe gedacht waren, weckten sie das Interesse der Menschen, vor allem das einer ganz besonderen Frau: Queen Victoria.

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Victoria verhalf zum Erfolg

Begeistert und zu Tränen gerührt ließ Victoria ein bis heute weltberühmtes Gemälde der "Fisk Jubilee Singers" anfertigen und schickte die Sänger an sämtliche Königshäuser Europas. "Sieben Jahre dauerte die Tournee", erzählt Ilia Haag: "Die Sänger wurden zu Stars!"

Bis heute seien die afroamerikanischen Lieder in Deutschland bekannt: "Sie stehen in Schulbüchern, werden teilweise in Kirchen gesungen. Sie sind uns im Gedächtnis geblieben, aber die Geschichte ist in Vergessenheit geraten."

"The Golden Voices of Gospel", ein Team professioneller Künstler aus der amerikanischen Gospelszene, lassen diese Geschichte jedoch wieder aufleben und treten in Europa auf Bühnen, bei Festivals und in Kirchen auf. Auch in Coburg waren sie schon zu Gast. "Eine wirklich schöne kleine Stadt!", erinnert sich Chorleiter Reverend Dwight Robson. Besonders im Gedächtnis geblieben sei ihm die "hinreißende Morizkirche" mit der "fantastischen Orgel".

Gospel in Coburg

Im Jahr 2017 trat ein kleiner Teil der Musiker bei der damaligen Museumsnacht als "Luther Soulfully Sacred" im Gymnasium Casimirianum auf. Passend zum Reformationsjubiläum in jenem Jahr vertonten sie Luthers Lieder im Soul- und Gospelstil. Dieses Jahr liegt der Fokus natürlich auf einem ganz anderem Jubiläum: dem 200. Geburtstag von Albert und Victoria.

In Kostümen der "Fisk Jubilee Singers" präsentieren "The Golden Voices of Gospel" bekannte Songs wie "Swing Low Sweet Chariot", "Hold On", "I Got shoes, Ain't Got Time to Die", "Oh Freedom" und viele andere. So erinnern sie nicht nur an die Hintergründe der afroamerikanischen Kirchenmusik, sondern auch an die Verbindung zu Queen Victoria.

Negro Spirituals bei der Coburger Museumsnacht

Chor: Unter der Leitung von Musical Direktor Reverend Dwight Robson treten "The Golden Voices of Gospel" auf Bühnen, bei Festivals und in Kirchen auf. Die professionellen Künstler präsentieren dabei seit über 20 Jahren die afroamerikanische Kirchenmusik. Bei der Coburger Museumsnacht 2017 war ein Teil der Künstler bereits als "Luther Soulfully Sacred" vertreten.

Museumsnacht "The Golden Voices of Gospel" treten bei der Coburger Museumsnacht am Samstag, 7. September, um 22, 23 und 24 Uhr im Burghof der Veste auf. Karten für die Museumsnacht gibt es für sieben Euro im Vorverkauf bei der Geschäftsstelle des Coburger Tageblatts, Hindenburgstraße 3a, 96450 Coburg oder für neun Euro an der Abendkasse.

Hier gibt es weitere Informationen zur Museumsnacht: Gospels für Queen Victoria

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