Coburg
Experiment

Wie Klänge der Zukunft in der Hochschule Coburg zum Ereignis werden

Wie die Veranstaltungsreihe der Hochschule Coburg bei einem Konzert mit Live-Elektronik den Innenraum der Musik erkundet.
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Das Ensemble Experimental beeindruckte bei einem Konzert mit Live-Elektronik in der Hochschule Coburg.Foto: Jochen Berger
Das Ensemble Experimental beeindruckte bei einem Konzert mit Live-Elektronik in der Hochschule Coburg.Foto: Jochen Berger
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Der Komponist Klaus Ospald führt einen kompromisslosen Kampf. Er kämpft gegen die gnadenlose Dauerbeschallung, die den Menschen des 21. Jahrhunderts im schlimmsten Fall auch beim Gang zur Toilette verfolgt. Ospald, seit zwei Wochen als "Composer in Residence" zu Gast an der Hochschule Coburg, sucht als Komponist nach Klängen, die sich nicht benutzen, nicht korrumpieren, nicht missbrauchen lassen zur schnöden Beschallung. Ospald sucht und komponiert Klänge, die sich dem billigen Konsum entziehen.

Der Eindeutigkeit entziehen

Und er findet Klänge, die bewusst irritieren wollen, die sich der Eindeutigkeit entziehen. Klänge, wie sie sein "Quintett von den entlegenen Feldern" lebendig werden lässt, das in der Reihe "Sounds der Zukunft" in der Hochschule Coburg zu hören war.

Außergewöhnlicher Rahmen

Ospalds Klänge suchen den Dialog mit den Zuhörern auf ungewöhnlichen Wegen - unerhörte Klänge, die die Zuhörer in außergewöhnlichem Rahmen erleben: im Strömungslabor im Gebäude 3 der Hochschule Coburg. Außergewöhnlich in der Zusammensetzung die Schar der Mitwirkenden - das sechsköpfige Ensemble Experimental, drei Klangregisseure des SWR Experimentalstudios an Mischpulten und Reglern, dazu Peter Tilling am Dirigentenpult.

Verfremdet und verändert

Musiker an Geige, Violine, Viola, Violoncello, Klarinette und Klavier im Dialog mit drei Klangregisseuren, die die analog erzeugten Klänge nicht nur aufzeichneten, sondern aktiv veränderten, mit ihnen spielten, sie mit den Mitteln der Live-Elektronik verfremdeten und in Dialog mit den Musikern treten ließen.

Intensive Spannungskurven

Klaus Ospalds Quintett entwirft sehr intensive Spannungskurven - zerrissen zwischen eruptiven Ausbrüchen und ruhigen, nach Stille suchenden Passagen. Das Faszinierende an diesem Wechselspiel zwischen analogen und elektronischen Klängen ist das Verfließen, das Aufweichen der Grenzen. Was ist Klang und was ist elektronischer Nachklang? Was ist das Original und was sein akustisches Abbild?

Gelungenes Experiment

Peter Tilling, zwischen 2011 und 2012 Erster Kapellmeister am Landestheater Coburg, zeichnet die Spannungskurven der Partitur mit großer Intensität nach und kann sich dabei auf den unbedingten Ausdruckswillen des Ensembles Experimental verlassen. Der Lohn: vehementer Beifall der Zuhörer für ein gelungenes Experiment - Sounds der Zukunft, ein Projekt, das nach Fortsetzung ruft.

"Sounds der Zukunft" an der Hochschule Coburg

Experimentelles Hören und elektronische Klangerzeugung:

Konzerte und Workshops mit dem Komponisten Klaus Ospald, dem SWR Experimentalstudio und Coburger Wissenschaftlern und Musikern.

Klaus Ospald geboren 1956 in Münster/Westfalen, studierte Komposition an der Hochschule für Musik in Detmold und an der Hochschule für Musik in Würzburg, an der er das Studium mit dem Meisterklassendiplom abschloss. Für sein Schaffen wurden ihm zahlreiche Auszeichnungen verliehen.

Uraufführung Klaus Ospalds Rückert-Vertonung "Ungefroren ist die Erde" wurde im Juli 2016 in der Coburger Morizkirche uraufgeführt.red

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