Neustadt bei Coburg
Medizinische Versorgung

Wie das Neustadter Krankenhaus eine Zukunft haben kann

Für das bayerische Gesundheitsministerium steht es außer Frage, dass auch Krankenhäuser in der Größenordnung von Neustadt erfolgreich sein können.
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Wackelkandidat: Derzeit ist von Regiomed nichts  davon zu hören, dass das  Krankenhaus im Seilgersgründchen geschlossen wird. Allerdings gehen  Fachleute davon aus, dass eine Einrichtung mit 73 Betten  nicht mehr alle medizinischen Behandlungen anbieten kann, wenn sie wirtschaftlich  und medizinisch erfolgreich sein will.Berthold Köhler
Wackelkandidat: Derzeit ist von Regiomed nichts davon zu hören, dass das Krankenhaus im Seilgersgründchen geschlossen wird. Allerdings gehen Fachleute davon aus, dass eine Einrichtung mit 73 Betten nicht mehr alle medizinischen Behandlungen anbieten kann, wenn sie wirtschaftlich und medizinisch erfolgreich sein will.Berthold Köhler

Wenn es nach dem bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege geht, haben kleine Kliniken eine Zukunft. Dies geht aus einer Stellungnahme des Ministeriums zur Diskussion um den Erhalt des Neustadter Krankenhauses hervor. Auf die Frage, ob der Freistaat die Schließung kleinerer Standorte grundsätzlich befürwortet, schreibt Margarete Binsack (stellvertretende Pressesprecherin des Ministeriums) klar: "Definitiv nein."

Für die Staatsregierung sei eine qualitativ hochwertige, flächendeckende stationäre Versorgung ein Anliegen von hoher Bedeutung. "Ziel ist und bleibt ein flächendeckendes Netz einander ergänzender Krankenhäuser verschiedener Versorgungsstufen - von der wohnortnahen Grundversorgung bis zur Spitzenmedizin", schreibt Binsack auf Tageblatt-Nachfrage.

Fakt ist nach Ansicht des Ministeriums allerdings, dass bundesrechtliche Bestimmungen und insbesondere die Vergütung nach Fallpauschalen tendenziell zur Bildung größerer Einheiten sorgen. Relevant sei dabei jedoch weniger die Größe eines Krankenhauses insgesamt, sondern die Größe der einzelnen Abteilungen. Auch kleinere Krankenhäuser mit wenigen, hinreichend großen Abteilungen könne man wirtschaftlich und medizinisch leistungsfähig betreiben. Dafür sei es noch mehr als früher nötig, dass Krankenhausträger Versorgungsangebote abstimmen und nicht an jedem Standort alle Versorgungsformen anbieten. Zur Sicht des Ministerium schreibt die Sprecherin: "Ziel ist insgesamt ein angemessener Ausgleich zwischen Wohnortnähe, Qualität und Wirtschaftlichkeit der Versorgung. Dazu bedarf es ohne Zweifel auch kleinerer Krankenhäuser im ländlichen Raum."

Nähere Informationen zu einer im Raum stehenden Schließung des Neustadter Krankenhauses beim Neubau einer neuen Klinik in Coburg hat man in München offensichtlich nicht. "Die Schließung eines Standortes wird grundsätzlich vom Krankenhausträger beschlossen", betont Margarete Binsack. Dem Gesundheitsministerium seien die aktuellen und konkreten Pläne von Regiomed als Krankenhausträger nicht bekannt. In München geht man aber davon aus, das Regiomed ursprünglich eine Schließung des Neustadter Krankenhauses geplant hatte, nun aber wieder von dieser Vorstellung wieder abgerückt ist.

Knackpunkt Fördermittel?

Eine Schließung des Neustadter Krankenhauses könnte für Regiomed gravierende finanzielle Folgen haben - schließlich sind in den vergangenen Jahren erhebliche Fördermittel in die Gebäude im Seilersgründchen geflossen. "Anlagegüter, die nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz gefördert wurden, sind über die übliche Nutzungsdauer hinweg dem Förderzweck entsprechend zu verwenden", heißt es dazu aus den Ministerium. Scheiden Anlagegüter vor Ablauf der durchschnittlichen Nutzungsdauer aus der mit der Förderung bezweckten Nutzung aus, müsse über einen Widerruf der Förderbescheide und die Rückforderung noch nicht abgeschriebener Fördermittel entschieden werden. Im Klartext: Regiomed müsste eventuell an Neustadt überwiesene Zuschüsse wieder zurückzahlen. Die Entscheidung darüber trifft die jeweilige Bezirksregierung und als Ressort das Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat. "Abhängig von der Form einer etwaigen Nachnutzung kann im Einzelfall auch vom Widerruf abgesehen werden", schreibt Binsack aber auch.



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