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Coburg
Kommunalwahl

Wie Claudia Roth Coburgs Grüne einstimmt auf den Wahlkampf-Endspurt

Beim Auftritt im "Schwarzen Bären" in Beiersdorf leistet Claudia Roth Wahlkampf-Hilfe für die Coburger OB-Kandidatin der Grünen.
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Kämpferisch: Claudia Roth beim Wahlkampfauftritt im "Schwarzen Bären" in BeiersdorfFoto: Jochen Berger
Kämpferisch: Claudia Roth beim Wahlkampfauftritt im "Schwarzen Bären" in BeiersdorfFoto: Jochen Berger
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Die Stimmung im großen Saal des "Schwarzen Bären" pendelt an diesem Abend zwischen Klassentreffen und großer Familienfeier. Ganz vorne in der ersten Reihe sitzt Claudia Roth, langjährige ehemalige Parteivorsitzende der Grünen und seit 2013 Vizepräsidentin des Bundestags, im angeregten Gespräch.

Gut gefüllter Saal

Der Saal ist gut gefüllt - Parteimitglieder, Sympathisanten und interessierte Bürger, aber auch kommunalpolitische Verantwortungsträger ohne Grünen-Parteibuch. Coburgs Grüne erhoffen sich vom prominenten Gast medienwirksame Unterstützung für den Endspurt zur Kommunalwahl.

Verkehr und Energiewende

Bevor Roth, die am Vortag noch bei einer großen Kundgebung gegen AfD und rechten Terror neben Bayern Ministerpräsident Markus Söder und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter auf dem Max-Joseph-Platz stand, das Wort ergreift, darf Ina Sinterhauf als Coburger OB-Kandidatin der Grünen im Schnelldurchlauf nochmals Eckpunkte ihres Wahlprogramms verkünden.

Den Verkehrssektor und die Energiewende stellt sie ins Zentrum. In einem gut zehnminütigen Stakkato verweist sie darauf, dass Coburgs Städtische Werke (SÜC) noch nicht annähernd bei 100 Prozent regenerativer Energieversorgung seien. Nachdrücklich wirbt sie für das Fahrrad als Fortbewegungsmittel und für mehr Sicherheit für Radfahrer. Weil das Fahrrad freilich nicht das Allheilmittel sei, müsse auch der ÖPNV gestärkt werden. Während sie dafür wirbt, zunächst die Taktzeiten der Stadtbus-Verbindungen auszuweiten, bevor über neue Buslinien geredet werde, studiert Roth nochmals ihre Rede.

"Die Erde brennt"

Claudida Roths mehr als einstündige Ansprache ist dann Motivationsrede, Grundsatzerklärung und Rückblick auf vier Jahrzehnte grüner Politik gleichermaßen. EU-Außenpolitik und Klimakrise, Menschenrechte und kommunale Verantwortung bei der dringlich angemahnten Klimawende - Claudia Roth packt viele Themen in ihren Auftritt. Bunt und farbenfroh ist ihr Outfit, kämpferisch der Gestus ihrer Rede. Selbstbewusst spricht sie von einem Wahlkampf auf Augenhöhe mit der CSU in Bayern.

"Kein Hollywood-Film"

Immer wieder findet sie lautstarke Zustimmung bei ihren Zuhörern - auch wenn sie von der kommunalen Verantwortung beim Kampf gegen die Klimakrise spricht. Drastisch ist das Szenario des Klimawandels, das sie beschreibt: "Die Erde brennt - wie in einem Hollywoodfilm, aber es ist kein Hollywood-Film". Vehement brandmarkt sie das Verhalten der Europäischen Union beim Thema Flüchtlingspolitik. Das Verhalten der EU sei "beschämend und nicht hinnehmbar", die "Lager auf Lesbos sind die Hölle auf Erden".

Vehement bezieht sie auch im "Schwarzen Bären" Position gegen "Hasser und Hetzer". Eindringlich fordert sie: "Wir sollten sie benennen, die Stichwortgeber, wir sollten ihnen widersprechen, selbst wenn sie nur in Nebensätzen rassistisch reden." Denn für Roth ist die Strategie dieser Hetzer klar: "Sie wollen, dass wir uns gewöhnen an ihre Sprache."

Rassismus

Claudia Roth kennt sich aus mit der Macht der Sprache, mit ihren subtilen Mitteln ebenso wie mit ihren plakativen Aspekten. Das ist sicher kein Zufall, schließlich sammelte sie vor ihrer politischen Karriere Erfahrungen als Dramaturgin an Theatern. Präzise Benennungen sind ihr deshalb wichtig - besonders dann, wenn es um Ausgrenzung und Rassismus geht. Bei dem Terroranschlag in Hanau solle man nicht von Fremdenfeindlichkeit reden: "Die Opfer waren keine Fremden, sondern unsere Mitbürger." Roths Position ist unmissverständlich: "Wir haben es mit Rassismus zu tun."

Kampf gegen Rassismus

Beim Kampf gegen Rassismus, beim Kampf gegen den Klimawandel dürfe man freilich nicht der Versuchung erliegen, auf komplexe Fragen einfache Antworten zu geben. Entscheidend sei vielmehr, "relevante Antworten" zu geben - oder durchaus auch zuzugeben, vielleicht bei manchen Themen noch keine Antworten zu kennen.

Zum Schluss wird Roth dann ganz entschieden zur Wahlkampf-Mutmacherin für Coburgs Grüne: "Die letzten Tage sind die wichtigsten", sagt sie - auch mit Blick auf Ina Sinterhauf, die OB-Kandidatin der Grünen.

Mit Hinweis auf ihre tags darauf in Würzburg anstehenden nächsten Wahlkampfauftritte bittet Roth um Entschuldigung, dass sie sich gleich nach ihrer Rede auf den Weg machen müsse. Für ihre Fans aber nimmt sie sich dann doch noch Zeit. Erinnerungsfotos mit Claudia Roth jedenfalls stehen an diesem Abend im "Schwarzen Bären" hoch im Kurs. Neben stehenden Ovationen kann sie dann auch noch diese Erfahrung mit auf den Weg nach Würzburg nehmen: Eine Zuhörerin unterschreibt noch im Saal ihren Aufnahmeantrag bei den Grünen.

Aus dem Leben einer Politikerin

Claudia Roth, 1955 in Ulm geboren, war von 2001 bis 2002 sowie von 2004 bis 2013 eine von zwei Bundesvorsitzenden der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Seit Oktober 2013 ist sie Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Zuvor war Roth von 1989 bis 1998 Mitglied des Europäischen Parlaments, wo sie ab 1994 Vorsitzende der Grünen-Fraktion war. 1998 wurde sie erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt.