Coburg
Sammlungen

Wie Alberts Vorlieben in Coburg weiterleben

Das Coburger Naturkunde-Museum geht auf die beiden herzoglichen Prinzen Albert und Ernst zurück. Am Samstag wird die Einrichtung 175 Jahre alt.
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Das Palais am Ketschentor: Das Herzogliche Naturaliencabinet war im Südflügel des Gebäudes von 1845 bis 1863 untergebracht. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.  Quelle: Fotographie von Francis Bedford (1857), Kunstsammlungen Veste Coburg
Das Palais am Ketschentor: Das Herzogliche Naturaliencabinet war im Südflügel des Gebäudes von 1845 bis 1863 untergebracht. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Quelle: Fotographie von Francis Bedford (1857), Kunstsammlungen Veste Coburg
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Am 5. Oktober 2019 wird das Naturkunde-Museum Coburg 175 Jahre alt. Am selben Datum des Jahres 1844 setzte Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha seine Unterschrift unter die eine "Instruction", die das Herzogliche Kunst- und Naturalienkabinett als Museum im heutigen Sinn ausweist.

Seinen Ursprung hat das Museum im Kabinett der Prinzen Ernst von Sachsen-Coburg und Gotha (1818 - 1893) und Albert (1819 - 1861), die schon in Jugendjahren mit dem Aufbau einer naturkundlichen Sammlung beschäftigt waren. Von ihrem Taschengeld kauften sie zwischen 1832 und 1836 hauptsächlich Vogelbälge, die ihr Tanzlehrer Charles Boissier ausstopfen musste. Aber auch Mineralien, Konchylien und allerlei kunstgewerbliche Gegenstände bereicherten die Sammlung.

Im Jahr 1840 heirate Albert seine Cousine Victoria, Königin von Großbritannien und Irland. Trotzdem führte Albert von England aus die Geschäftes des Kabinetts bis zu seinem Tode im Jahr 1861 weiter. "Vergiss mir unser Kabinett nicht!", sagte Ernst bei Alberts Abreise 1840.

Im Jahr 1844 starb der Vater der Prinzen, Ernst I., und nach dem Amtsantritt seines Sohnes Ernst II. wurde aus dem privaten Cabinet der durchlauchtigsten Prinzen Ernst und Albert das Herzogliche Kunst- und Naturaliencabinet. Gleichzeitig wurde es durch verschiedene "Instructionen" und "Reglements" als Museum im heutigen Sinne ausgewiesen und erhielt zwei Direktoren, Hassenstein und Schauroth. Deren Aufgabe wurde so fomuliert: "Es ist eine Hauptverpflichtung der Directoren, unaufhörlich bemüht zu sein, daß das Museum nicht nur dem wissenschaftlich gebildeten Publikum den möglichst großen Nutzen gewähret, sondern auch im übrigen Publikum Kenntnis und allgemeine Bildung verbreite."

Damit haben Ernst und Albert schon damals die Aufgaben eines Museums so treffend beschrieben, wie es heute von Museumsverbänden in ganz ähnlicher Weise gemacht wurde. Außerdem erhielt es ab 1845 im kurz zuvor erbauten Palais am Ketschentor eigene Ausstellungsräume. Bis dahin waren die Sammlungen in mehreren Turmzimmern von Schloss Ehrenburg untergebracht. Die damals schon sehr umfangreiche Vogelsammlung erhielt einen großen Saal im Seitenflügel des Palais.

Kontinuierlich ausgebaut

Prinz Albert besuchte zusammen mit seiner Frau Victoria das neue Museum am 23. August 1845. In Victorias Tagebuch steht: " (...) we came to the "Kabinet", containing dear Albert's & Ernest's collection of stuffed birds, insects, minerals, all kinds of curious things, & autographs to which latter he is (& I have helped) continually making additions."

In den folgenden Jahren wurden die Sammlungen kontinuierlich ausgebaut. Ernst II. hatte eine Vorliebe für Vögel, bis 1861 wurden über 2500 Präparate angeschafft, und von 1847 bis 1860 hatte das Museum mit Friedrich Staude auch einen Ornithologen als Kustos.

Eine wichtige Veränderung brachte das Jahr 1855: Die kunstgewerblichen Gegenstände und die Autographen wurden mit den anderen Kunstgegenständen auf der Veste zum Kunstkabinett zusammengeführt. Fortan hieß das Museum nur noch "Herzogliches Naturaliencabinet".

Auch nach dem Tod von Albert (1861) führte seinen Sohn Alfred sein Erbe kontinuierlich fort. Eigentlich war schon von Beginn an klar, dass die Räume im Palais am Ketschentor zu klein waren, deshalb wurde auf Befehl von Ernst II. die ehemalige Kaserne auf der Veste umgebaut, und konnte ab 1863 als neues Ausstellungsgebäude bezogen werden. Den zentralen Teil bildete eine große Galerie mit Vogelpräparaten, weshalb das Gebäude im Volksmund auch Vogelhaus genannt wurde.

Nach dem Tod von Ernst II. (1893) gingen die naturwissenschaftlichen Sammlungen, wie sie nun hießen, ganz in den Besitz von Alfred über. Er war von 1893 bis 1900 Herzog in Coburg und bereicherte die Sammlungen mit wertvollen Mineralien, Muscheln und Vogelpräparaten.

Sein Neffe und Nachfolger Carl Eduard zeigte für die Naturkunde wenig Interesse und ließ die Sammlungen für den Umbau der Veste abbauen und auslagern (1908 - 1910). Er konnte aber dazu bewogen werden, im Hofgarten ein neues Museumsgebäude zu bauen (1912 - 1914).

1919 änderten sich die Besitzverhältnisse. Die Sammlungen wurden Teil der Coburger Landesstiftung, das Gebäude wird seitdem von der Bayerischen Schlösserverwaltung unterhalten.

Es folgten noch zwei weitere Namensänderungen: Naturwissenschaftliches Museum (1914 - 1967), Naturmuseum (1967 - 1992) und Naturkunde-Museum Coburg (ab 1992).

Die Sammlungstätigkeit der Prinzen Ernst und Albert hatte vielfältige Auswirkungen. Die Stadt Coburg kam so zu zwei großen Museen, die Kunstsammlungen der Veste Coburg und das Naturkunde-Museum im Hofgarten. Beide sind für Wissenschaft, Forschung und kulturelles Leben von überregionaler Bedeutung. Albert erwarb schon in Jugendjahren durch die Arbeit am Kabinett umfassende naturhistorische Kenntnisse und einen Sinn für systematisches Arbeiten, was ihn bei seinem Wirken im viktorianischen England maßgeblich beeinflusste.

Aktuelle Forschungsprojekte

Die Geschichte der Naturalienkabinette und naturkundlichen Sammlungen wurden in den vergangenen Jahren genauer untersucht. So erschien im Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 2018 ein Artikel von E. Mönnig über die Naturalienkabinette des Herzogs Franz Friedrich Anton und das Museum im Herzoglichen Gymnasium. Es folgt im Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 2019 ein großer Bericht über die Gründung des Herzoglichen Naturaliencabinets im Jahr 1844 unter besonderer Berücksichtigung des Zeitraums von 1830 bis 1861. Eckhard Mönnig wurde dabei auch von Jana Riedel vom Victoria & Albert Museum unterstützt.

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