Coburg
international

"Wertvoller geistiger Gewinn"

Am Studienkolleg in Coburg lernen zur Zeit 140 Schüler aus 40 Nationen. Seit 50 Jahren werden in Coburg Hemmschwellen abgebaut.
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Fernanda, Harold (aus Kolumbien) und Natalie aus Guatemala präsentierten ihren traditionellen kolumbianischen Tanz "Cumbia". Fotos: Manja von Nida
Fernanda, Harold (aus Kolumbien) und Natalie aus Guatemala präsentierten ihren traditionellen kolumbianischen Tanz "Cumbia". Fotos: Manja von Nida
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"Mit dem Studienkolleg blicke ich noch nicht ganz richtig durch. Aber das geht den anderen Studenten auch nicht anders. Wenn jemand aus dem Ausland in Deutschland studieren möchte, dann schicken dich die Behörden erst einmal zum Studienkolleg. Dort sollen wir dann alles nachholen, was wir scheinbar zu Hause nicht gelernt haben. Coburg ist keine Universitätsstadt wie ihr sie kennt, mir kommt Coburg wie ein Dorf vor. Die Leute sind sehr freundlich, aber meistens schon sehr alt." Diesen Brief würde Zineb Agouzoul in ihre Heimat Marokko schicken, damit sich ihre Familie ein Bild von einem Studienkolleg machen könnte. Charmant und augenzwinkernd verlas Zineb ihren Brief als Grußwort der Studierenden und erntete dafür nicht nur viel Beifall vom Festpublikum, vielmehr auch gute Ratschläge.
Mit einem bunten, internationalen Festprogramm feierte das Studienkolleg Coburg mit zahlreichen Gästen in der Aula der Hochschule seinen 50. Geburtstag. Eigentlich hätte das Studienkolleg sogar doppelten Grund zur Freude, meinte Studiendirektorin Katja Wagner. Im März konnte sogar das 100. Semester beginnen.
"Rund 2000 Studierende aus aller Welt haben seit 1963 hier in Coburg ihre Prüfungen abgelegt, die ihnen den Weg zum Studium eröffneten", erinnerte Wagner. "Derzeit lernen am Studienkolleg 140 junge Leute aus 40 Nationen, von Peru bis Indonesien, von Russland bis Namibia."

Respekt und Unterstützung

Der Besuch von Staatssekretär Bernd Sibler unterstreiche, wie wichtig das Studienkolleg dem Bayerischen Staatsministerium sei, betonte Wagner. "Die Studierenden kommen oft von weit her. Sie haben nicht nur unseren Respekt verdient, sondern auch unsere Unterstützung", sagte Wagner.
Yutian Zheng aus China hatte bereits im vergangenen Jahr das Studienkolleg abgeschlossen, seitdem studiert er erfolgreich. "Die Zeit vergeht so schnell. Noch vor zwei Jahren hatte ich keine Ahnung wie die westliche Welt ist. Pünktlichkeit ist die erste und wichtigste Sache." Jedoch habe Yutian sowohl den deutschen Lebensstil als auch die deutsche Tischkultur samt Klößen, Weißwurst und Bier kennengelernt. "Für mich war Coburg ein wertvoller, geistiger Gewinn, ich bedanke mich für den schönen Aufenthalt als Student in Coburg", schloss Yutian.

International verflochten

Michael Pötzl, Präsident der Hochschule Coburg meinte, die Doppelhaushälfte sei fertig, auf der einen Seite die Hochschule, auf der anderen das Studienkolleg. Damit verdeutlichte Pötzl die gegenseitige Nähe und Verbindung sowie die Zusammenarbeit. Früher sei eine Internationalisierung kaum Thema gewesen, "heute ist sie ein Hauptthema, weil wir langfristig in Deutschland Fachkräftebedarf haben werden", betonte Pötzl.
Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer meinte, der Blick über den Tellerrand schade nie. Tessmer zollte Respekt für diese mutige Entscheidung. "Wir sind eine bunte und weltoffene Stadt. Hier leben Menschen aus über 100 verschiedenen Nationen. Sie bereichern unsere Stadt." Staatssekretär Sibler sagte, der Freistaat wolle seine Studienkollegs in der gegenwärtigen Form erhalten und stehe dazu. Zentrale Aufgaben der nächsten Jahre sei die Internationalisierung. In Bayern werde das Studienkolleg weiterhin als wichtige Einrichtung bleiben, um Hemmschwellen und Sprachbarrieren abzufedern und weitere Angebote anzubieten.



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