Coburg
Ausblick

Stimmungsbild: Wer wird neuer Oberbürgermeister in Coburg?

Bei der OB-Wahl im März 2020 könnte es mehr als zehn Kandidaten geben. Unser Redakteur Oliver Schmidt wagt ein paar Prognosen.
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Blick aufs Coburger Rathaus: Auf dem dortigen Chefsessel sitzt seit 2014 Norbert Tessmer von der SPD. Ob er bei der OB-Wahl 2020 erneut antritt, ist noch nicht bekannt.Foto: Simone Bastian
Blick aufs Coburger Rathaus: Auf dem dortigen Chefsessel sitzt seit 2014 Norbert Tessmer von der SPD. Ob er bei der OB-Wahl 2020 erneut antritt, ist noch nicht bekannt.Foto: Simone Bastian
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Bis zur Kommunalwahl 2020 ist es nur noch ein knappes Jahr. Bei den Parteien und Gruppierungen läuft die Kandidatensuche längst auf Hochtouren. Und eines lässt sich bereits jetzt sagen: Der nächste Coburger Stadtrat wird sehr bunt werden. Gut möglich, dass es bei der Wahl zwölf Listen und fast ebenso viele OB-Kandidaten gibt. Wir wagen ein paar Prognosen:

1. SPD: Bei der SPD lautet die Frage: Tritt Oberbürgermeister Norbert Tessmer noch einmal an oder nicht? Das erinnert an vor sechs Jahren, als alle auf die Entscheidung warteten, ob Norbert Kastner weitermacht. Damals konnten die Genossen recht gelassen sein, denn mit Norbert Tessmer hatten sie ja eine Art Lebensversicherung in der Hinterhand - die dann auch notwendig wurde. Diesmal drängen sich allerdings kaum Alternativen auf. Deshalb spricht vieles dafür, dass sich der als "Parteisoldat" geltende Tessmer noch einmal zur Wahl stellt. Kurios: Obwohl er in der SPD gar nicht mal mehr unumstritten ist, würde er seiner Partei damit gehörig aus der Patsche helfen.

2. CSU: Kurios ist auch die Situation bei der CSU. Zwar wittert man seit der Wahl von Parteifreund Sebastian Straubel zum Landrat gehörig Morgenluft und will nun auch das "rote Rathaus" erobern. Aber mit wem bloß? Birgit Weber, die 2014 gegen Tessmer antrat, hat bereits abgewunken. Die jungen Stadträte Kurt Knoch und Maximilian Forkel dürften alleine schon deshalb ausscheiden, weil sie erneut mit einer eigenen Liste ("Junge Coburger") antreten und auch ganz grundsätzlich nicht auf einer Wellenlänge mit dem CSU-Vorsitzenden René Boldt liegen. Michael Schulz gilt als Option, über einen mysteriösen "Mister X" wird spekuliert - möglicherweise macht es Boldt aber auch einfach selbst. Übrigens: Die CSU muss künftig ohne ihren Stadtrat Frank Völker planen, der angekündigt hat, 2020 auf einer anderen Liste antreten zu wollen - vieles spricht dafür, dass dies die Liste der CSB sein wird.

3. CSB: Gerüchten zufolge hat die CSU bei Christian Müller vorgefühlt, ob er nicht zurück in seine alte politische Heimat möchte. Zwar hätte Müller größere Chancen, OB zu werden, wenn er das auf dem Ticket der CSU versucht - doch er wird der CSB treu bleiben und wohl auch wie 2014 wieder OB-Kandidat werden.

4. Grüne: 2008 trat Wolf-Rüdiger Benzel an, 2014 seine Frau Martina Benzel-Weyh. Beide haben die Partei verlassen. Deshalb wäre Ina Sinterhauf eine denkbare Kandidatin.

5. "Liste Benzel": Martina Benzel-Weyh und Wolf-Rüdiger Benzel wollen trotz Abschied von den Grünen weiterhin dem Stadtrat angehören. Klappen soll das bei der Kommunalwahl 2020 mit einer eigenen Liste. Ehe-intern wird wohl geklärt, wer diese neue Liste als OB-Kandidat anführt.

6. Linke: René Hähnlein, dem Einzelkämpfer der Linken, ist in der zu Ende gehenden Legislaturperiode ein echter Coup gelungen. Zusammen mit drei abtrünnigen SPD-Stadträten bildete er die Fraktion "Sozial und bürgernah für Coburg". Aus verschiedenen Gründen, zu denen auch traurige Schicksalsschläge gehören, hat diese Fraktion keine Zukunft. Hähnlein wird 2020 wohl wieder als Linker und wahrscheinlich auch als Linken-OB-Kandidat antreten.

7. FDP: Denkbare OB-Kandidaten bei der FDP sind der neue Vorsitzende Michael Zimmermann oder Jens-Uwe Peter, der bereits 2014 antrat.

8. AfD: Die AfD will 2020 erstmals in den Stadtrat. Über bekannte Köpfe verfügt sie derzeit allerdings noch nicht in der Stadt. Vielleicht übernimmt ja der in Coburg wohnende Landtagsabgeordnete Martin Böhm die Rolle des Zugpferds.

9. ÖDP: Die ÖDP wähnt sich seit dem Bienen-Volksbegehren bayernweit im Höhenflug. Aber in Coburg-Stadt fehlt es an bekannten Köpfen. Nur mal so als Idee: Vielleicht hat ja der Sonneberger Martin Truckenbrodt Zeit und Lust; 2018 hatte er bereits für das Amt des Coburger Landrats kandidiert, aktuell will er Bürgermeister der Gemeinde Frankenblick werden und parallel hat er sich auch noch als Kandidat für die Europawahl aufstellen lassen. Eine OB-Kandidatur fehlt ihm noch in seiner Sammlung.

10. FW: Die Freien Wähler basteln an einem Comeback. Denn seit sich große Teile der ehemaligen FW-Gruppierung als "Pro Coburg" neu formiert haben, gibt es die FW in Coburg quasi nicht mehr. Aber wer könnte das "Gesicht" eines FW-Neuanfangs werden? Vielleicht Maria Preißler. Die Rödentalerin, die 2018 Landtagskandidatin der Freien Wähler war, zieht nämlich nach Coburg und will sich auch weiterhin politisch engagieren.

11. Pro Coburg: Die Wählergruppierung Pro Coburg (WPC) erlebt derzeit einen bemerkenswerten Aufschwung. Viele neue Mitglieder wurden gewonnen, und zur Veranstaltungsreihe "Zukunft Coburg" kamen jüngst fast hundert Zuhörer. Moderiert wird diese Veranstaltungsreihe von WPC-Neumitglied Thomas Apfel, der sich aktuell bereits ehrenamtlich als Coburger Kinderbeauftragter engagiert. Ob er sich ab 2020 ein noch größeres Engagement in der Politik vorstellen könnte? Vielleicht sogar als OB? Nicht ausgeschlossen - schließlich ist ein anderer ehemaliger Radiomoderator unlängst auch Landrat geworden. Apfel selbst sagt allerdings, sich derzeit einfach nur inhaltlich bei Pro Coburg einbringen zu wollen.

12. Junge Coburger: "Jungwild statt Platzhirsche" hieß 2014 der Slogan der Jungen Coburger (JC). 2020 wird sich zeigen, ob sie aber nicht "einen Bock geschossen haben", als sie im Stadtrat eine Fraktionsgemeinschaft mit der CSU eingegangen sind. Das lag zwar nahe, weil viele JC-Mitglieder auch bei der CSU und/oder deren Nachwuchsorganisation Junge Union sind. Aber wie soll dem Wähler erklärt werden, dass man bei der Wahl wieder mit einer eigenen Liste antritt (in Konkurrenz zur CSU!), obwohl man mit der CSU gemeinsame Sache macht? Ein eigener OB-Kandidat würde dem ganzen die Krone (oder das Geweih) aufsetzen. Deshalb: Liste ja, OB-Kandidat nein.

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