Coburg
SPD

Wenn Norbert Tessmers Blutdruck steigt

OB-Kandidat Norbert Tessmer und Landrat Michael Busch sprachen beim Neujahrsempfang über gemeinsame Ziele und Ansprüche.
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Coburgs Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer (links) wurde beim Neujahrsempfang der SPD von Franziska Bartl und Bastian Schober zu allerhand Themen befragt. Fotos: Oliver Schmidt
Coburgs Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer (links) wurde beim Neujahrsempfang der SPD von Franziska Bartl und Bastian Schober zu allerhand Themen befragt. Fotos: Oliver Schmidt
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Statt langer Reden gab es einen Plausch. Und dank der guten, manchmal auch bewusst frechen Fragestellung der sozialdemokratischen Nachwuchstalente Franziska Bartl (Coburg) und Bastian Schober (Neustadt) ging das Konzept für einen kurzweiligen Neujahrsempfang der Coburger SPD auch auf. Bei drei Themen musste OB-Kandidat Norbert Tessmer allerdings den netten Plausch auch mal Plausch sein lassen und Klartext reden.

"Das ist nicht unverschämt!"

Erstens, bei der Gewerbesteuer: Nachdem die Stadt Coburg vor Jahren - in finanziell recht rosigen Zeiten - den Hebesatz auf sehr niedrige 275 Punkte gesenkt hat, ist für Tessmer nunmehr - in finanziell eher schwierigeren Zeiten - eine Erhöhung auf 300 sowie bis zum Jahr 2015 auf 320 unumgänglich. "Wir erhöhen ja nicht mit der Brechstange, sondern maßvoll", betonte er.
In Richtung IHK, die vor einer Erhöhung warnt, sagte Norbert Tessmer außerdem: "Eine solche Erhöhung ist nicht unverschämt!"

Zweitens, die Sache mit dem Geld für die Kultur: Pfiffige Köpfe hatten unlängst ausgerechnet, mit wie viel Euro aus öffentlichen Kassen zum Beispiel in Coburg eine Theaterkarte bezuschusst wird. "Solche Rechnungen kann man natürlich aufmachen", räumte Tessmer zunächst mit leiser Stimme ein, um dann aber lauter und deutlicher zu werden. Kultureinrichtungen könnten doch gar nicht kostendeckend arbeiten. Denn: "Die eigentliche Wertschöpfung von Kunst und Kultur ist doch der geistige Zins!" Speziell junge Menschen würden durch Kultur und Bildung geprägt. "Und das wollen wir jetzt aufrechnen? Mit mir nicht."

Drittens, der jüngst erst wieder von den Christlich-Sozialen Bürgern (CSB) geäußerte Vorwurf von zu viel Personal speziell in Tessmers Sozialreferat: Der OB-Kandidat berichtete von vielen "Überlastungsanzeigen" durch seine Mitarbeiter, weil allen voran der Gesetzgeber den Kommunen immer mehr Aufgaben delegiere, die dort von immer weniger Personal bewältigt werden müssten. Tessmer wörtlich: "Wenn ich deshalb diesen Vorwurfe einer ,aufgeblähten Verwaltung' höre, dann treibt das meinen Blutdruck ins Unermessliche." Und er stellte klar: "Ich kenne in unserer Verwaltung keine Kuschelecken!"

Begonnen hatte Bastian Schober den Plausch mit einer provokanten Frage, nachdem Tessmer vor Jahren seinen Posten als Kultur- und Sozialreferent als "Traumjob" bezeichnet hat: "Warum willst Du diesen Traumjob dann aufgeben?" Tessmer antwortete zunächst ganz diplomatisch: "Man muss sich immer fortentwickeln." Dann fügte er aber noch hinzu: "Was gibt es Schöneres, als in der Stadt, in der man geboren und aufgewachsen ist, Oberbürgermeister zu werden?"

"Wir-Gefühl" in der Region

Michael Busch hat bereits vor sechs Jahren den Sprung auf den Chefsessel geschafft - und er will am 16. März erneut zum Landrat gewählt werden. Er zog für sich eine positive Bilanz, vor allem auch in Sachen Wirtschaft. "Seit ich Landrat bin, hat sich die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis halbiert!" Gelungen sei es auch, so Buschs Überzeugung, die Bereiche Soziales und Wirtschaft zusammenzubringen. "Wir haben es geschafft, ein ,Wir-Gefühl' zu erzeugen!"

Wenig Hoffnung mache er sich allerdings, was große Neuansiedlungen von Firmen in der Region betrifft. "Wichtiger ist deshalb eine gute Bestandspflege." Norbert Tessmer zeigte sich da optimistischer. So könnte er sich etwa am geplanten "Band der Wissenschaft" auf dem Güterbahnhof-Areal Ansiedlungen sowie Ausgründungen von der Hochschule vorstellen.

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