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Coburg
Jubiläum

Wenn in Coburg Mett-Schweine auf OB-Kandidaten treffen

Die Coburger Wohnbau feierte ihren 70. Geburtstag. So mancher der geladenen Gäste hatte sich im Stil des Gründungsjahres gekleidet. Überschattet wurde der Abend von einem Zwischenfall. - Ein Stimmungsbericht.
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Die Wohnbau der Stadt Coburg wurde 1950 gegründet - und an dieser Zeit orientierte sich auch das Büfett beim Jubiläumsabend. Deshalb gab es unter anderem Mett-Schweine.Foto: Oliver Schmidt
Die Wohnbau der Stadt Coburg wurde 1950 gegründet - und an dieser Zeit orientierte sich auch das Büfett beim Jubiläumsabend. Deshalb gab es unter anderem Mett-Schweine.Foto: Oliver Schmidt
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Am 9. März 1950 wurde die Wohnbau der Stadt Coburg gegründet. Das sei gleich vorneweg gesagt, um zumindest mit einem Vorurteil auszuräumen: Nein, der heutige Geschäftsführer der Wohnbau (beziehungsweise der "WSCO", wie sie sich inzwischen nennt) hat die Feier zum 70-jährigen Bestehen nicht aus taktischen Gründen so kurz vor die OB-Wahl gelegt. Andererseits: Dass die Wohnbau zuletzt mit sehr viel mehr Aktionen und Sponsoringmaßnahmen in die Öffentlichkeit gedrängt hat als in den 69,8 Jahren zuvor, dürfte sehr wohl ein bisschen damit zu tun haben, dass WSCO-Chef Christian Meyer bei der Wahl am 15. März 2020 als OB-Kandidat antritt. Ebenfalls bestimmt kein Zufall: Auch der zurzeit beurlaubte Radiomoderator Thomas Apfel schaute am Montagabend bei der Jubiläumsfeier vorbei - genauso wie die Stadträte Dominik Sauerteig, Christian Müller, Martina Benzel-Weyh sowie die Noch-Nicht-Stadträtin Ina Sinterhauf. Kurzum: Es war das letzte große Schaulaufen vor der Wahl am kommenden Sonntag. Sechs OB-Kandidaten! Die einzige Gattung, die am Montagabend noch stärker vertreten war, dürfte die der Mett-Schweine gewesen sein.

"Wir feiern im Stil des Gründungsjahres 1950", hieß es in der Einladung. Und: "Wir laden dazu ein, sich gerne entsprechend zu kleiden." Vor allem bei den jungen Mitarbeitern der WSCO kam dieser Aufruf gut an. "Ich finde das cool", erzählte Julia Zimmermann, die sich einen schwarzen Rockabilly-Rock mit weißen Punkten besorgte. "Das ist mal was anderes", sagte Nicole Müller, die sozusagen das rote Pendant zu ihrer Kollegin war - Schleife im Haar inklusive. Auch Annette Vogel und Andrea Wank, die schon etwas länger bei der Wohnbau sind, sowie Iris Kroon-Lottes waren in ihren Outfits Hingucker. Iris Kroon-Lottes führte als Moderatorin durch den offiziellen Teil des Abends - im geselligen Teil gab es dann (unter anderem) die Mett-Schweine, die eigentlich als Mett-Igel gedacht waren. Doch auf die dazu erforderliche Salzstangen-Deko wurde verzichtet.

Christian Meyer dankte in seiner Rede der gesamten "Wohnbau-Familie". Dazu zählte er neben den 82 Mitarbeitern plus fünf Azubis auch alle Mieter sowie die für die WSCO verantwortlichen Politiker. Namentlich erwähnte Meyer außer dem "Wohnbau-Gründungsvater" Dr. Walter Langer auch den Alt-OB Norbert Kastner (SPD), der viele "wichtige Weichen zur Sanierung der Stadt" gestellt habe. Viel Beifall gab es, als Meyer seinen Vorgänger Willibald Fehn würdigte, der die Wohnbau von 1988 bis 2013 als Geschäftsführer prägte. Meyer zog Bilanz: "Wir geben fast jedem fünften Bürger in Coburg ein Zuhause!" Eine gut 50-jährige Frau, die plötzlich am Eingang des Wohnbau-Foyers auftauchte, konnte mit solchen Zahlenspielen wohl wenig anfangen. Doch zunächst blieb sie ruhig.

Norbert Tessmer ist der fünfte OB in der nunmehr 70-jährigen Wohnbau-Ära. "Sechs Jahre lang durfte ich als Oberbürgermeister die Arbeit der Wohnbau begleiten - und ich muss sagen: es war 'ne geile Zeit!" War das wirklich Norbert Tessmer, der das gesagt hat? Den Un-Ruhestand vor Augen, wird der Noch-OB immer lockerer. Kurzzeitig ins Stocken kam Tessmer lediglich, als die gut 50-jährige Frau am Eingang plötzlich ihrem Unmut laut Luft machte: Seit drei Jahren warte sie nun bereits auf eine Wohnung - warum nur, so ihre Klage, helfe ihr die Wohnbau nicht? Allen voran die Stadträte Max Beyersdorf, Pit Kammerscheid und Jürgen Oehm versuchten die Frau zu besänftigen. Auch Christian Meyer eilte herbei. Der Oberbürgermeister überbrückte derweil mit einem Sprichwort: "Jedem Menschen Recht getan, ist ein Kunst, die niemand kann." Womit wiederum eindrucksvoll bewiesen war: Ja, es war Norbert Tessmer, der da geredet hat! - Max Beyersdorf begleitete die Frau schließlich nach draußen und ließ sich von ihr auch den Namen geben, damit die Wohnbau ihr vielleicht doch noch helfen kann. Bewiesen, dass sie das kann, hat sie in den vergangenen 70 Jahren auf sehr beeindruckende Weise. Über 3000 Mietwohnungen und mehr als tausend Eigentumswohnungen sowie Einfamilienhäuser zählen heute zu ihrem Bestand. Wobei Tessmer noch zu bedenken gab: "Die sogenannten ,vier Wände‘ sind mehr als nur Küche, Wohnzimmer und Bad - es sind Räume fürs Leben und der Mittelpunkt fürs Familienleben."

Weitere Grußwortredner waren Tobias Straubinger vom Verband bayerischer Wohnungsunternehmen sowie Uwe Friedrich vom Coburger "Verein". Uwe Friedrich erklärte noch einmal, wie es dazu kam, dass der "Verein" 1950 sein gesamtes Kapital für einen guten Zweck (konkret: für sozialen Wohnungsbau) einsetzen wollte und auf diese Weise zu einem Mitbegründer der Wohnbau wurde. Außerdem warf Uwe Friedrich schon mal einen Blick aufs Jahr 2023, wenn der "Verein" seinen 150. Geburtstag feiern wird. Im Vergleich dazu hatte die Wohnbau ja regelrecht zu einem Kindergeburtstag geladen. Wann gibt's denn jetzt endlich die Mett-Schweine?

Letzter Redner war schließlich Klaus Schönfelder für den Wohnbau-Betriebsrat. Er dankte seinen Chefs für die "gute und meistens konstruktive Zusammenarbeit".

Der gesellige Teil

Das Büfett wurde eröffnet! Zu den Speisen im Stil der 1950er Jahre wurde unter anderem Bluna gereicht - die Kult-Limo aus jener Zeit. Wer es nicht ganz so nostalgisch wollte, konnte auch zu Rot- oder Weißwein greifen. Oder aber zu Gampertbräu, dass es 1950 immerhin auch schon gab. Wer nicht so sehr das Deftige bevorzugte, für den wurde später noch eine dreistöckigen Geburtstagstorte präsentiert. Als Norbert Tessmer und Christian Meyer sie gemeinsam anschnitten, wurde gespottet: "Bei einer Hochzeitstorte würde man jetzt genau schauen, wessen Hand sich am Messer oben befindet - derjenige hat in der Ehe die Hosen an!" Nun, die Antwort lautete: Meyers Hand war unten, dann folgte die von Tessmer - doch Meyer legte seine zweite Hand noch ganz oben drauf. Hatte was von "Butter Butter Stampfer". Kindergeburtstag! Oder, in Zeiten von Coronavirus: lässig!

Die Feier klang bei vielen guten Gesprächen aus. Hauptthema war da aber - um ganz ehrlich zu sein - nicht die 70-jährige Wohnbau, sondern die bevorstehende OB-Wahl.