Coburg
Mindestlohn

Weniger Preiskampf: Coburger Friseure zahlen jetzt Mindestlohn

Friseurmeisterin Julia Göring bezahlt ihren Angestellten schon immer mehr als 8,50 Euro in der Stunde. Die neue gesetzliche Regelung, die seit Beginn dieses Jahres gilt, könnte sie also völlig kalt lassen. Tut es aber nicht. Sie sagt auch, warum.
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Die Friseure Bianca Baumann (links) und Tom Ruddigkeit sind mit Kunden beschäftigt, während die Auszubildende Madeleine Helmut an einem Übungskopf trainiert.  Foto: Helke Renner
Die Friseure Bianca Baumann (links) und Tom Ruddigkeit sind mit Kunden beschäftigt, während die Auszubildende Madeleine Helmut an einem Übungskopf trainiert. Foto: Helke Renner
Julia Göring ist froh, dass ab Januar auch in der Friseur-Branche Mindestlohn gezahlt werden muss. "Haare schneiden ist ein Handwerk, das einen Wert hat. Leider ist das seit einigen Jahren durch die Billig-Friseure etwas in den Hintergrund gerückt", sagt sie. Inzwischen laufe die Entwicklung aber wieder in eine andere Richtung. Sie hofft nun auf ein Ende des oft ruinösen Preiskampfes. "Natürlich geht immer alles auch noch billiger. Aber alles Gute hat seinen Preis." Und damit meint die Friseurmeisterin auch all ihre Kollegen, die in ihren Salons solides Handwerk anbieten.

Seit 2006 betreibt Julia Göring ihren Friseursalon und 2011 schaffte sie es, in die weltweite Vereinigung der Top-Friseure, Intercoiffure, aufgenommen zu werden. In Deutschland gehören ihr rund 300 Salons an. Das ist eine Verpflichtung und Herausforderung, der die Friseurmeisterin sich jedes Jahr von Neuem stellen muss.

Der Empfang der Kundinnen und Kunden, der Service, die Atmosphäre, das Betriebsklima, die fachlichen Leistungen und das Preis-Leistungs-Verhältnis werden immer wieder geprüft. Das heißt, das gesamte Team muss fit sein und sich fortbilden. Julia Göring hat fünf Angestellte: drei Frauen und zwei Männer. "Sie werden regelmäßig geschult - in der Regel am Wochenende in ihrer Freizeit", erzählt die Chefin. Einmal in der Woche gibt es einen Schulungsabend vor Ort für die drei Lehrlinge.

Dafür, dass ihre Leute viel leisten und in guter Qualität arbeiten, zahlt sie ihnen ein übertarifliches Entgelt. Das schlägt sich allerdings auch in den Preisen nieder, die ihre Kunden zahlen. Nur selten ernte sie dafür jedoch Unverständnis, sagt Julia Göring. "Die meisten schätzen unsere Arbeit und wissen, dass das etwas mehr kostet."

So sieht das auch Franziska Lind: "Ich finde eine passable Entlohnung extrem wichtig - vor allem für die Motivation der Mitarbeiter", betont sie. "Ich wünsche mir eine gute Beratung, wenn ich unschlüssig bin und komme gern zum Verwöhnen und Verändern hierher. Dafür bezahle ich auch mehr." Bei so viel Zuspruch könnte sich Julia Göring entspannt zurücklehnen. Sie stört aber, dass die gesamte Branche durch die Billiganbieter in Verruf geraten ist. "Wer eine sehr gute Leistung von seinen Mitarbeitern erwartet, muss sie auch anständig bezahlen."


Fit für acht Kunden am Tag

Durchschnittlich acht Kundinnen und Kunden frisiert Bianca Baumann täglich. Alle möchten sie individuell bedient werden. Der 22-Jährigen macht das Spaß, sie liebt ihren Beruf. Seit sechseinhalb Jahren arbeitet sie in der Branche - zuerst bei Olaf Krebs in Feucht und seit November 2014 bei Julia Göring in Coburg. 2013 nahm sie an einem Symposium für Friseure in Las Vegas teil. Unbescheiden macht sie das nicht. Für die junge Frau stehen nach wie vor die Kunden im Vordergrund. Sie versteht sich als Dienstleisterin im besten Sinne. Das beginnt schon zu Hause vor der Arbeit. "Mein Erscheinungsbild, also Kleidung, Make-up, Frisur, ist mir wichtig." Zwischen 8.30 und 8.45 Uhr ist Bianca Baumann zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen dann im Salon. "Wir stellen die Schilder auf, legen den Teppich raus, stellen die Heizung hoch, schauen, ob alles sauber ist, schalten Kaffeemaschine und Musik ein und fahren den Computer hoch", erzählt sie. Dann werden der Terminplan durchgeschaut, die Karteien der Kunden herausgesucht und die Arbeitsplätze vorbereitet.

Um 9 Uhr öffnet sich die Tür des Friseursalons und die ersten Kunden kommen. Bis 18 Uhr sind Bianca Baumann und ihre Kollegen für die Kunden da - auch am Samstag. Dabei beschränken sie sich nicht aufs reine Frisieren. "Wir beraten, informieren, was gerade in ist, machen aber auch Vorschläge, welcher Haarschnitt typgerecht wäre", erläutert Bianca Baumann. Erkennt sie krankhafte Veränderungen an Haar und Kopfhaut, kann sie spezielle Pflegemittel empfehlen oder - im Extremfall - auch den Gang zum Arzt.

Die Fähigkeiten erwerben sich alle Friseure in drei Jahren Ausbildung und wiederholten Schulungen. Und das sollte durch eine faire Entlohnung honoriert werden, findet Julia Göring.
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