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Weitramsdorf
Engagement

Weitramsdorfer Schule soll zur Inklusion-Schule werden

Die Rektorin der Hermann-Grosch-Volksschule in Weitramsdorf hofft für die Schule das Profil "Inklusion" zu bekommen. Gelebt wird die Idee der Inklusion schon seit zwei Jahren.
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Die Tischplatte ist abgesenkt. Robert, der sich beim Schreiben anstrengen muss, weil seine Hände spastisch sind, fühlt sich in seiner Klasse sichtlich wohl. Seit zwei Jahren rollt er bereits durch die Volksschule Weitramsdorf.  Fotos: Beate Deuerling
Die Tischplatte ist abgesenkt. Robert, der sich beim Schreiben anstrengen muss, weil seine Hände spastisch sind, fühlt sich in seiner Klasse sichtlich wohl. Seit zwei Jahren rollt er bereits durch die Volksschule Weitramsdorf. Fotos: Beate Deuerling
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Wenn Robert durchs Schulhaus rollt, tut er das aus eigener Kraft. Keiner seiner Schulkameraden schiebt seinen Rollstuhl oder hilft ihm, schneller vorwärts zu kommen. Im Unterricht braucht Robert etwas länger als die anderen, wenn er seine Antwort formuliert. Seine Mitschüler sind das gewohnt und warten geduldig, ohne zu Drängen.

Gelebte Inklusion nennt Beate Deuerling diese Beispiele. Die Rektorin der Hermann-Grosch-Volksschule in Weitramsdorf ist stolz auf ihre Schule, die sich seit mehr als zwei Schuljahren intensiv mit dem Thema auseinandersetzt. Ihr angestrebtes Ziel ist es, für die Volksschule Weitramsdorf das Schulprofil "Inklusion" zu bekommen.

Nachdem sie in einer harten, aber fairen Auseinandersetzung das Konzept der Schule im Gemeinderat vorgestellt hat und die Gemeinderäte überzeugen konnte, wartet die Rektorin nun täglich auf die Anerkennung durch das Kultusministerium. Elternbeirat, Schulamt und Kollegium stehen hinter der ehrgeizigen Idee und freuen sich auf die neuen, besseren Rahmenbedingungen.

Zusätzliche Kraft und Stunden

Konkret geht es dabei um eine zusätzliche Sonderschulpädagogin, die für 13 bis 16 Stunden in Weitramsdorf eingesetzt wird und zum Kollegium der Volksschule gehört. Außerdem bekommt die Schule zehn zusätzliche Stunden im Regelschulbereich bewilligt. "Da habe ich die Möglichkeit, schwache Schüler gezielt zu fördern", sagt Deuerling und denkt dabei an die Kinder, die zusätzlichen Lernbedarf haben und dann gemäß ihres Leistungstands in Zusatzstunden unterrichtet werden können.

Grundlage für das Schulprofil ist die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die allen Kinder das Recht auf Besuch der Regelschule ermöglicht. Neben den in Bayern bereits langjährig erfolgreich durchgeführten Formen der Inklusion (Außenklassen, Kooperationsklassen und Einzelintegration) wurde nun angedacht, Schulen mit Ausprägung Inklusion einzurichten, die eine Umsetzung der UN-Konvention möglichst rasch als gesamtkonzept verwirklichen können.

"Diese Schulen sind Regelschulen, die sich besonders der Inklusion von Menschen mit Behinderung verpflichten und zu Motoren für ein neues Miteinander von jungen Menschen mit und ohne Behinderung werden sollen", heißt es in der Aussage des Kultusministeriums.

Die Volksschule Weitramsdorf ist dafür wie geschaffen, ist sich die Rektorin sicher. "Wir haben eine barrierefreie Schule, einen Aufzug und unterrichten bereits 15 Kinder mit erhöhtem Förderbedarf in den Schwerpunkten Lernen, körperlich-motorische Entwicklung und sozial-emotionale Entwicklung", erläutert Beate Deuerling. Es gibt ausreichend Räume für die Differenzierung und Einzelbetreuung. Die enge Zusammenarbeit mit der Schule am Hofgarten, wo Beate Deuerling selbst ein Rollstuhltraining absolviert hat, mit dem Jugendamt, dem ISPG (Institut für psychisch-soziale Gesundheit) und den Schulpsychologen und Sonderschulpädagogen ist für die Weitramsdorfer Lehrer längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden.

Auch Schulbegleiter, also Betreuer von behinderten Schülern, sind im Unterricht nichts besonderes mehr. Drei Kinder in Weitramsdorf haben ständig einen solchen Begleiter neben sich. "Dabei geht es in erster Linie um pflegerische Tätigkeiten oder um kleinere Hilfestellungen", erläutert die Rektorin.

Gute Nerven

"Das ist deswegen nicht immer einfach und problemlos", gibt Deuerling zu. "Es werde viel diskutiert und manch ein Fall kostet uns schon auch Kraft und Nerven", sagt die engagierte Pädagogin. "Aber es lohnt sich." Der Umgang der Schüler untereinander, die gegenseitige Wertschätzung und die Toleranz, die positive Entwicklung der schwierigen Kindern zu sehen, mache einfach große Freude.

Und gleich erzählt Beate Deuerling von einem Erlebnis im Sportunterricht. Robert, der kein guter Werfer ist, weil seine Hand-Arm-Koordination nicht richtig funktioniert, bekommt immer den Ball zugespielt - auch, wenn die Ehrgeizigen der Mannschaft wissen, dass damit das Spiel wohl verloren ist. Aber schließlich ist er einer von ihnen. Er gehört zum Team.


Schulprofil:
Schulen mit dem Schulprofil "Inklusion" verfolgen das Ziel, beispielhaft Schülerinnen und Schüler mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf zu unterrichten - und dadurch auch Erfahrungen für den inklusiven Unterricht an allen Schulen in Bayern zu sammeln. Darüber hinaus besteht an diesen Schulen die Möglichkeit, Klassen mit einem festen Lehrertandem zu bilden, also Klassen mit einer Lehrkraft der allgemeinen Schule und einer Lehrkraft für Sonderpädagogik. Zusammen mit den neu ernannten Profilschulen gibt es im Schuljahr 2012/13 in Bayern nun bereits insgesamt 86 Schulen mit dem Schulprofil "Inklusion". Die Weitramsdorfer Volksschule wäre die erste Inklusionsschule in der Region. Inklussionsschulen erhalten bessere Rahmenbedingungen, sind aber auch gefordert ein Konzept zu erarbeiten, wie Inklusion gelingen kann.

Grundlage:
Die inklusive Förderung von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist eine der zentralen Herausforderungen des bayerischen Schulwesens. Grundlage dafür ist das im Juli 2011 von allen Fraktionen des Bayerischen Landtags beschlossene Gesetz zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Demnach ist jede Schule zur Inklusion verpflichtet und muss behinderte Kinder aufnehmen.

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