Kinderhort

Weidhäuser Kinderhort-Zuschuss nur ein Wahlkampfmanöver?

Die Aussicht auf ein zusätzliches Förderprogramm weckt beim überraschten Gemeinderat Weidhausen (Landkreis Coburg) neue Hoffnung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Da wäre noch ein Plätzchen frei:  Der Weidhäuser Bürgermeister Markus Mönch wüsste schon, wo der neue Kinderhort hinkommen könnte.Foto: Berthold Köhler
Da wäre noch ein Plätzchen frei: Der Weidhäuser Bürgermeister Markus Mönch wüsste schon, wo der neue Kinderhort hinkommen könnte.Foto: Berthold Köhler

Eigentlich war die Sache klar. Der Gemeinderat sollte/wollte sich am Montagabend vom Bauprojekt für einen neuen Kinderhort verabschieden. 1,765 Millionen Euro Baukosten bei fast einer Million Euro Eigenanteil der Gemeinde wären nicht zu stemmen gewesen. Doch am Montagnachmittag fiel Bürgermeister Markus Mönch (parteilos) eine Überraschung ins Mailpostfach, die den Kinderhort doch Wirklichkeit werden lassen könnte.

Offensichtlich gibt es im bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales Überlegungen, den Bau von Betreuungsplätzen für Grundschulkinder in Zukunft stärker zu fördern. Bis zu 85 Prozent könnten am Ende als Zuschuss fließen. "Da kämen wir auf einen Eigenanteil von 420 000 Euro", rechnete der Bürgermeister bei der Sitzung im Feuerwehrhaus hoch. Das wäre eine Summe, die vielleicht doch zu stemmen wäre.

Lesen Sie hier, warum Weidhausen überhaupt einen Kinderhort braucht

Deshalb wurde der Beschluss über den (Nicht-)Bau des Kinderhorts auf Eis gelegt - zumindest so lange, bis die Verwaltung verlässliche Informationen über die für 2020 in den Raum gestellte Neuausrichtung bei der Bezuschussung vorliegen hat. Bis zur Novembersitzung dürfte das zu schaffen sein, versicherte Markus Mönch.

So ganz geheuer war dem Gemeinderat die Sache mit der Förderung sowieso nicht. Für Thomas Carl (Freie Bürger) waren "schon ein bisschen viele Vielleichts" im Schriftstück des Ministeriums. Zudem komme ihm der Zeitpunkt der Ankündigung wenige Tage vor der Landtagswahl schon ein bisschen seltsam vor, sagte Carl. Der Bürgermeister wollte ihm da nicht widersprechen. Es mache Sinn, erst dann erneut über den Kinderhort zu reden, wenn es klare Richtlinien gebe.

Wo es keine Alternative gibt

Wobei es bei einem Punkt auch im Gesamtgremium keine zwei Meinungen gab: 1,765 Millionen Euro für einen Kinderhort sind für eine Gemeinde in der Größenordnung von Weidhausen kein Pappenstiel. Zumal der Bürgermeister den Neubau als "nicht alternativlos" bezeichnete und eine Offene Ganztagsschule als andere Möglichkeit der Schülerbetreuung nannte.

Keine Alternative hat die Gemeinde angesichts der Buchungszahlen, was eine zweite Krippengruppe für die Kindertagesstätte "Oase" angeht. Manfred Künzel (FB) fasste die Sache nach der Vorstellung der Pläne durch Architekt Karl-Heinz Höfner einfach zusammen: "Der Raum ist notwendig, aber die Kosten sind für mich nur sehr schwer zu verstehen." 199 000 Euro präsentierte Höfner dem Gemeinderat als Kosten für den Umbau des Handarbeitsraumes in eine Krippe - samt Toiletten und Schlafraum. 97 Quadratmeter Nutzfläche umfasst die Erweiterung im Gebäude, wobei der Bürgermeister bei der Ausstattung (Ansatz: 28 000 Euro) durchaus noch Luft nach unten sah: "Da lässt sich vielleicht was machen."

Hier lesen Sie, was zuletzt in der Kindertagesstätte "Oase" gebaut wurde

Und ganz auf den Kosten bleibt die Gemeinde ja auch nicht sitzen. "Der Zuschuss macht die Sache erträglich", sagte Michael Hofmann, der Vorsitzende der CSU-Fraktion. Über ein Sonderinvestitionsprogramm kann die Gemeinde mit rund 120 000 Euro vom Freistaat Bayern rechnen - also dürften am Ende knapp 80 000 Euro an Eigenanteil für die Gemeinde werden. Nicht zuletzt deshalb brach Michael Werner (SPD) eine Lanze für den Architekten - dieser habe für die Erweiterung keine Luxuslösung entworfen, das Bauen sei derzeit einfach so teuer wie bei der neuen Krippengruppe dargestellt.

Wo die Weidhäuser Bürger künftig weniger zahlen

Abwasser: Die Bürger der Gemeinde Weidhausen müssen ab dem 1. Januar weniger für ihre Abwasserentsorgung bezahlen. Wie Kämmerer Gerhard Friedrich erläuterte, kam bei der Neukalkulation für die kommenden vier Jahre eine Gebühr von 2,93 Euro pro Kubikmeter heraus. Das sind 24 Cent weniger als in den zurückliegenden vier Jahren.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren