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Weidach
Prunksitzung

Weidach: Fünfeinhalb Stunden im Karnevalsrausch

Bei der ersten Prunksitzung des Weidacher Karnevalsvereins war auch das Engagement der vier Bürgermeisterkandidaten gefragt.
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Die lokale Politik lieferte dem "Karneval in Weidach" viele Steilvorlagen. Ob amtierende, kommissarische oder ehemalige Bürgermeister oder gleich vier Bewerber für den Chefsessel im Rathaus: Sie alle bekamen bei seiner ersten Prunksitzung am Samstag in der vollbesetzten Weidacher Turnhalle ihr Fett ab. Dabei war nur eines klar: "Der neue Bürgermeister sitzt bereits im Saal", wie Sitzungspräsident Christian Brettschneider mit Blick auf die vollständig versammelten Kandidaten feststellte.

Nicht anwesend war Bürgermeister Wolfgang Bauersachs, der sich noch immer im Krankenstand befindet. "Das macht nichts, seine Zeit ist eh abgelaufen", kommentierte Brettschneider zu Beginn der 26 Programmpunkte. "Mein alter hat es nicht mehr ausgehalten", bestätigte Christoph Goer-Denninger als "Glöckner vom Wasserturm", "es ist halt anstrengend, das Verwalten!" Nun ist der Büttenredner, selber Gemeinderat (ÜPWG), auf der Suche nach einem "neuen Meister". Der Noch-Amtsinhaber zeigte für den "Glöckner" mit Blick auf die Neuwahlen durch Sperrung der Schulstraße noch "überraschend großen Handlungsdrang", allerdings "ohne nachzudenken". Ansonsten sei Weitramsdorf "bei der Außenwirkung unter die Räder geraten" und werde bald "ausradiert, weil hier schon lange nichts mehr passiert". Ob "Selfie-Star" Dominic Juck (SPD), der "Traum aller (Schwieger-)Mütter" Max Kräußlich (FW-BV/ÜPWG), der "Immobilien-Mann im Naturschutzwahn" Harri Schleifenheimer (CSU) oder das "Next-Bürgermeister-Model" Andreas Carl (DGN), der "noch nicht mal im Amt mit seinem Banner die Ortsmitte verschönt", dies verhindern können?

"Wir sind Oberfranken, dafür können wir uns im Himmel bedanken", sang das Weidacher "Dreigestirn" (mit "Grande Dame" Ulla Goer, Sabine Och und Christian Koch), bevor sich nach zwei Jahren Pause Matthias "Matze" Köhler alias "Daphne von Vogelherd" zurückmeldete. Mit spitzer Zunge kritisierte er u.a. die ÜPWG, weil sie als "Auffangbecken für gescheiterte Bürgermeister" diene (auf deren Liste, nicht auf den beiden der Freien Wähler, kandidiert Ex-Bürgermeister Christian Gunsenheimer erneut für den Gemeinderat). Als ausländischen Beitrag hatte sich der KVW heuer den Badener Alex Lang eingeladen. Der Rheinstettener, selber 25 Jahre lang Sitzungspräsident, entdeckte viele Parallelen zwischen den Franken und Badenern: Beide hätten "schöne Mädchen und guten Wein", beide wären gern autonom und hätten lieber "ihr eigenes Geld und eigenen Strom". Langs Credo: "Wir müssen nur dran glauben, wir schaffe" das!"

Als "Dr. Humor" empfahl Flo Mueck in seiner Bütt "Lachen auf Rezept" als beste Medizin der Welt. Die beste Therapie sei die Selbstironie, meinte das Weidacher Urgestein, das wieder extra aus Barcelona angereist war. Dann ging es gleich mehrfach himmlisch zu: Als "Venus" war Sybille Schlücke nach Weidach gekommen, um gemeinsam mit Götterboten Mercurius (Christian Koch), Harfenspieler (Jürgen Schlücke) und "Sklaventreiberin" (Sabine Och) das einfache Volk zu unterhalten. Als Verstärkung holten sie sich als "Sklaven" die Kandidaten Kräußlich und Schleifenheimer auf die Bühne. Letzteren ließ die Venus mit den Worten "Du bist mir zu alt!" abblitzen. Politiker hätten sie als "Weidacher im Himmel" dort noch keine angetroffen, berichteten Alexander Klug und Stephan Machinek. Engel buchstabierten "Alex und Machi" mit "Erotisch, Nymphoman, Graziös, Elegant und Liebevoll". Immer wieder ließen die Himmlischen ihr Publikum "frohlocken", was dieses mit zwei "Halleluja" auch tat.

Wahlkampf als Kasperltheater betrieben die "Dorfleut" mit Angelina Heinlein, Sabine Och, Christian Koch und Matthias Goer. Als Krokodil holten sie sich SPD-Kandidat Dominic Juck auf die Bühne, der beim Zulosen der Parteien ausgerechnet die Grünen abbekam. Eine neue Perspektive? Denn mit Blick auf sein rotes Gummibärchen fragte Koch: "Gibt es die SPD überhaupt noch?" Heinlein brachte den "Wexit" ins Gespräch, die Loslösung Weidachs von den ungeliebten "Zürdeln" in Weitramsdorf. Als blauer "Opferrollen-Schlumpf" der AFD fungierte Goer ("Von den blauen Bergen kommen wir, unsere Wähler sind genau so dumm wie wir!")

Rund 70 TänzerInnen brachte der KVW auf die Bühne. Für die durchweg perfekt einstudierten und auch originellen Darbietungen der Garden zeichneten sich die Trainerinnen verantwortlich (Katja Sollmann, Alina Schwab, Marlene Dill, Jennifer Höhn, Amona Dürr, Sandra Braun, Lisa Funk, Mandy Falk, Sophia Pschirrer und Julia Hauck). Die Bühne zum Beben brachten besonders die Vampire der Showtanzgruppe "Emotion Dance" (rote plus blaue Garde). Dass sie es immer noch drauf haben und nach Verlassen der blauen Garde nicht am Stock oder Rollator gehen, zeigte die neue Gruppe "A.L.T.". Als Tanzpaar glänzten Joline Brettschneider und Phil Pekusa. Nicht im Regen stehen mussten die Elferräte bei ihrer Tanzeinlage, die sie als Greise begannen. Von Jessi Boge und Susanne Goer trainiert, präsentierte sich das Männerballett der Elferräte mit Sitzungspräsident Brettschneider und dem kommissarischen Vorsitzenden Matthias Goer gegen alle Unbillen gewappnet. Die Stimmung im Publikum heizte Günthers Musik-Express zusätzlich an. So stieg eine Stimmungsrakete nach der anderen gen Hallendach.

Zu Ehrungen des Fastnachtsverbands Franken war Bezirkspräsident Norbert Greger nach Weidach gekommen. Die Ehrennadel in Gold erhielt Mandy Falk, in Silber ging sie an Tanja Krautwurst, Ronja Humburg und Christoph Goer-Denninger. Die Jugendauszeichnung nahmen Mara Felgenhauer, Joline Bretschneider, Nelly Pekusa, Kim-Nadia Reuther, Laura Schramm und Saskia Steinert entgegen. Den Verbandsorden bekamen Elke und Dietmar Knabner.

Mit dem "Weidach-Lied" endeten beim großen Finale fünfeinhalb unterhaltsame Stunden. Die 2. Prunksitzung des KVW am kommenden Samstag, den 8. Februar ist ebenfalls bereits ausverkauft.

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