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Wegen Andrea Nahles Abschied von der SPD?

"Wählt Simone Lange": Das forderten Coburger Genossen am Freitag. Der Sonntag hat sie ernüchtert - manche sogar sehr.
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Andrea Nahles stößt bei den Genossen im Coburger Land nicht auf viel Gegenliebe. Foto:  Bernd von Jutrczenka/dpa
Andrea Nahles stößt bei den Genossen im Coburger Land nicht auf viel Gegenliebe. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Stefan Hinterleitner postete seine Entscheidung auf Facebook: "... ob dieser neuen Vorsitzenden an der Spitze der SPD" werde er künftig parteilos sein, schrieb er am Sonntag - und löste eine heftige Diskussion unter (ehemaligen) SPD-Mitgliedern in der Region aus.
Hinterleitner, seit über 30 Jahren in der SPD, hatte 1994 Renate Schmidt im Landtagswahlkampf unterstützt und einige Jahre das Abgeordnetenbüro von Heinz Köhler geleitet, als dieser im bayerischen Landtag saß. Nach etlichen Jahren als Chef des Oberbürgermeisterbüros im Coburger Rathaus ist er nun Regionalmanager für Stadt und Landkreis Coburg.
Seine Parteimitgliedschaft sei Privatsache, betont Hinterleitner. "Andrea Nahles ist demokratisch gewählt und ich wünsche ihr eine gute Hand. Aber ich habe eine andere Vorstellung, mit welchen Worten und welcher Kommunikation man Politik macht als Andrea Nahles. Den Weg, den sie gegangen ist und auch weiterzugehen gedenkt, will ich nicht mitgehen", sagte Hinterleitner dem Tageblatt.
Stefan Sauerteig, Vorsitzender des SPD-Stadtverbands und selbst Delegierter beim Sonderparteitag, appelliert an seine Genossen, bei der Stange zu bleiben. "Mit sich kämpfen ist ja auch gut, wichtig und richtig. Eine Partei wie die SPD verlässt man nicht durch Austritt. Wir sind nicht für uns in der SPD, sondern für die Idee und für die Menschen, die zurecht von uns erwarten ihr Leben zu verbessern. Also Mund abwischen und einbringen. Ich zähle auf Euch!"
Sauerteig schon am Freitagabend angekündigt, beim Parteitag für Simone Lange zu stimmen. Die Flensburger Oberbürgermeisterin war an diesem Tag auf Einladung von Landrat und Landtagskandidat Michael Busch gekommen. Ihr Auftritt in Rödental war der einzige in Bayern. Lange war beim Parteitag gegen Andrea Nahles angetreten.
Dass die neue SPD-Vorsitzende Nahles nicht viele Fans unter den Genossen in Coburg hat, war allerdings schon vorher klar. Wiederholt hatte Michael Busch das "Ätschi-Bätschi-Pippi-Langstrumpf-Auf-die-Fresse-Image" von Andrea Nahles kritisiert. Doch er mahnt nun seine Genossen, der Partei nicht den Rücken zu kehren: "Was passiert, wenn jetzt alle, die die SPD erneuern wollen, austreten? Dann überlassen wir alles denen da oben in Berlin. Meines Erachtens funktioniert Demokratie anders."
Ähnlich äußert sich Carsten Höllein, Vorsitzender des Kreisverbands und ebenfalls Delegierter am Parteitag: "Wenn man überzeugt ist von der Partei, hat das nichts mit der Person vorne dran zu tun, sondern mit den Inhalten. Einen Austritt halte ich für den falschen Weg." Höllein vermutet, dass Andrea Nahles ihre Unterstützer vornehmlich unter den Funktionsträgern in der Partei hat. Mit einer gewissen Süffisanz weist er darauf hin, dass auch ein "Seeheimer" wie der ehemalige Coburger Bundestagsabgeordnete Carl-Christian Dressel für die frühere "Linke" Andrea Nahles stimmt. Trotz allemerhofft sich Höllein Veränderungen in der SPD: "Nun müssen die handelnden Personen das umsetzen, was sie versprochen haben." sb


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