Coburg

Weg vom Frauenklischee: Im Jugendzentrum Domino wird am Boys´ Day gekocht

Emilian und Abdullah standen am Boys´ Day in der Küche. Zwei Nachwuchsreporterinnen besuchten die beiden und schrieben darüber ihren ersten Zeitungsbericht.
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Abdullah holt gerade den Apfelstrudel aus dem Ofen. Nach getaner Arbeit "verputzten" die neun Jungs ihre selbst zubereiteten Speisen.  Fotos: Sarah Weiß/Amelie Babuke
Abdullah holt gerade den Apfelstrudel aus dem Ofen. Nach getaner Arbeit "verputzten" die neun Jungs ihre selbst zubereiteten Speisen. Fotos: Sarah Weiß/Amelie Babuke
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Schon seit 2008 findet jährlich bayernweit der ,,Boys´ Day" statt, der Jungen die Möglichkeit geben soll, einen Einblick in typische "Frauenberufe" zu gewinnen. Dabei wird ihnen die Chance gegeben, aus mehreren Bereichen einen Beruf zu wählen. Zum fünften Mal in Folge hat daran auch das Jugendzentrum Domino teilgenommen, indem sie neun Jugendlichen zeigen, dass Kochen nicht nur Frauensache ist.

Bereits beim Betreten des Gebäudes riecht man, dass gekocht wird. Die Jugendlichen erzählen stolz, dass sie ein Drei-Gänge Menü mit Suppe, Kartoffelpuffern und Apfelstrudel zubereiten. Die Idee, beim Boys`Day teilzunehmen, hatten sie aus der Schule. "Jeder hat seine eigenen Aufgaben und einen Vorteil für die Zukunft", erklärt der 13-jährige Abdullah, der auch Zuhause mit seinem Bruder schon öfter selbst gekocht hat.

Auch der zwölfjährige Emilian bereut die Teilnahme nicht und würde definitiv öfter an Kochkursen teilnehmen. Er könnte sich auch vorstellen selber einmal Koch zu werden.

Beim Zubereiten haben alle Jugendlichen ihren Spaß und können es kaum erwarten, die selbstgekochten Gerichte zu verkosten. Ihnen allen gefällt die Vorstellung in Zukunft öfter mal beim Kochen daheim mitzuarbeiten. Dass Kochen eine typische Frauenaufgabe ist, findet keiner der Jungen zutreffend. Laut Emilian ist es "egal wer kocht, Hauptsache, es wird etwas leckeres zubereitet". Auch die Betreuer waren positiv überrascht, als die Jungen erklärten, dass sie nicht hinter klischeehaften Frauenbildern stehen.

Geschlechterrollen aufweichen

"Wir wollen, dass die typischen Geschlechterrollen aufgeweicht werden", erklärt Mark Ritschel, der das Projekt im Jugendzentrum leitet. In seinen Augen ist es pädagogisch wertvoll, den Kindern beizubringen, dass die Geschlechterbilder größtenteils veraltet sind. In einem Theorieteil haben sie mit den Teilnehmern die Männerbilder durchgesprochen und mit ihnen darüber geredet, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen und wie sie ihre Rolle in einer zukünftigen Familie sehen.

Daraus ging laut Ritschel hervor, dass auch Väter öfter in Elternzeit gehen und sich alle Aufgaben mit den Müttern teilen sollten. Der Grund warum sie mit den Jugendlichen kochen, ist, dass es dabei nicht auf Dinge wie Geschlecht, Bildungsgrad oder Nationalität ankommt. Alle können gleichberechtigt teilnehmen und keiner wird ausgegrenzt. Die Jungen legen damit auch ein bisschen sowas wie einen Grundstein für ihre Zukunft. Deshalb werden auch Dinge wie ein angebrannter Apfelstrudel oder das Backblech, das falsch herum in den Ofen geschoben wurde, mit Humor genommen, denn das Projekt soll die Selbstständigkeit der Jungen fördern und ihnen in erster Linie Spaß machen.melie Babuke und Sarah Weiß

Amelie Babuke und Sarah Weiß

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