Coburg
Kompetenzgerangel

Was wird bloß aus dem Bürglaßbrunnen?

Keiner fühlt sich in Coburg zuständig für den trocken gelegten Brunnen am Unteren Bürglaß. Aber er ist ein großes Ärgernis.
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Für den Bürglaßbrunnen fühlt sich keiner so recht zuständig. Bürgermeisterin Birgit Weber hat das Thema jetzt zur Chefsache gemacht. Foto: Oliver Schmidt
Für den Bürglaßbrunnen fühlt sich keiner so recht zuständig. Bürgermeisterin Birgit Weber hat das Thema jetzt zur Chefsache gemacht. Foto: Oliver Schmidt
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Ist ein Brunnen, in dem kein Wasser fließt, überhaupt noch ein Brunnen? Der im Unteren Bürglaß ist eine Geruchsbelästigung, ein Verkehrshindernis, ein Abfalleimer und seit gestern ein weiterer Punkt auf der Agenda von Zweiter Bürgermeisterin Birgit Weber.

Stein des Anstoßes war ein Schreiben von Christina Holzinger an den Vorsitzenden von Stadtbild Coburg, Hans-Heinrich Eidt, in dem sie auf den verschmutzten und verwahrlosten Brunnen aufmerksam machte. Sie schlug vor, dass sich der Verein um den Brunnen kümmern sollte - wenn es denn die Stadt nicht tue.

Eigeninitiative gefordert

Eidt, der aktuell 130 Sanierungsobjekte in Coburg bearbeitet, leitete das Problem an die Stadt Coburg und an die örtlichen Medien weiter - nicht ohne Christina Holzinger zu antworten: "Frage nicht, was Stadtbild für Dich tun kann, sondern frage Dich, was Du für Dein Stadtbild tun
kannst."

Mittlerweile rollt der Stein quer durch die Stadt. Harald Reißenweber, zuständig beim Hochbauamt für die baulichen Belange an dem Brunnen, ist ein erster Ansprechpartner. Er macht sehr schnell deutlich, dass es sich bei dem trocken gelegten Brunnen um ein Kompetenzproblem in der Stadt handle. Eigentlich wäre ja das Grünflächenamt zuständig für die Pflege. Da aber kein Wasser darin fließt, bleibt es außen vor. Die Coburger Entsorgungswerke (CEB), erste Adresse in Sachen Müll, haben keinen Auftrag für die Coburger Brunnen.

Ein Anruf von Citymanagerin Julika Gerlach genügte allerdings, und die Männer des CEB säuberten am Dienstag den verschmutzten Brunnen innerhalb von einer halben Stunde. Da es jedoch nicht in ihrem offiziellen Aufgabengebiet liegt, will man sich von dort jetzt an die Städtischen Überlandwerke (SÜC) wenden.

Gerlach, die das Problem selbst gar nicht so prekär sieht, hat sich dennoch an die Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber gewandt. Es stellt sich nämlich die Frage, ob der Brunnen an der Stelle, an der er steht, überhaupt stehen bleiben sollte. Vielleicht wäre ja auch eine Umsetzung möglich?

Tatsache ist, dass der Brunnen immer wieder mal angefahren wird, weil ein Lkw nicht daran vorbeikommt. Auch ist der Anschluss an den Kanal zu aufwendig, weshalb er dort nicht bewässert werden kann. Die Citymanagerin könnte sich vorstellen, den Brunnen zu bepflanzen - damit lägen die Zuständigkeiten beim Grünflächenamt - aber eine Entscheidung darüber müsse wohl von oberster Stelle getroffen werden.

Birgit Weber hat sich mit der Problematik bereits vertraut gemacht. Sie weiß, dass der Brunnen eigentlich seit etwa zwei Jahren abgedeckt war. Der Brunnen wurde still gelegt, nachdem ein Hauseigentümer seinen Kanal dafür nicht mehr zur Verfügung stellen wollte. Ein Anschluss ans städtische Netz kommt zu teuer, da ist sich die Zweite Bürgermeisterin sicher. Deshalb trifft sie sich jetzt erst mal mit Bernhard Ledermann, dem Leiter des Grünflächenamtes. Mit ihm will sie über eine neue Abdeckung oder eine Bepflanzung sprechen. Ob eine Umsetzung überhaupt möglich ist, weiß Birgit Weber nicht. Da müsste die Statik geprüft werden.

Früher mal aus Quellen gespeist

Geschichte: I m Jahr 1610 wurde der Bürglaßbrunnen aus Holz errichtet. Ab 1616 speisten ihn Quellen im Hörnleins- und Kürengrund. 1707 folgte ein Neubau mit Steinen aus einem Steinbruch bei Füllbach. Da der Brunnen ein Verkehrshindernis war, veranlasste die Stadt 1953 den Abbruch des achteckigen Kastenbrunnens mit einem Brunnenstock und zwei Brunnenröhren. Im Jahr 1954 schuf der Bildhauer Hans Kohler einen Ersatz an gleicher Stelle.

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