Coburg
Augenzwinkern

Was sind das nur für Leute..., die zum Coburger Schlossplatzfest gehen

"Umsonst und draußen" heißt es seit Donnerstag zum 33. Mal auf dem Coburger Schlossplatz. Sehen und gesehen werden, lautet die Devise. Wir haben mal genauer hingeschaut und konnten uns ein Augenzwinkern nicht verkneifen.
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Der Echte...
... ja, der echte Coburger geht am Donnerstag und am Montag auf alle Fälle. Denn Donnerstag und Montag sind die einzig wahren Schlossplatzfesttage. Das weiß er. Oder besser: Sie weiß das und hat den Mädelsabend schon ausgemacht. Am Eröffnungsabend treffen sich alle, die etwas auf sich halten, die einfach nie fehlen. Es sind immer die gleichen, die unter ihresgleichen am liebsten sind. Treffpunkt Metternichstand, dann eine Runde - schnell an der Showbühne vorbei, hinten durch den Schatten , um dann ganz schnell sonnenbebrillt noch einen Stehtisch vorne zu ergattern. Am Freitag und Samstag kommt auch die Landbevölkerung. Das überlegen sich die "echten" dann immer noch mal und entscheiden spontan.

Der Standhafte...
...bleibt stehen und lässt alles, was kommt, an sich vorüberziehen. Ob er etwas wahrnimmt oder nicht, weiß er selbst nicht, aber eben dieser unbestimmte Zustand gefällt ihm sehr. Denn hier muss er schließlich gar nichts, hier darf er sein. Hauptsache, die Leute sehen ihn, was auf jeden Fall der Fall ist. Denn er steht hartnäckig mitten im Weg. Viele sind froh, wenn er sich endlich an seinen im Traube-Zelt reservierten Tisch setzt.

Die Genießer...
...freuen sich das ganze Jahr auf den Riesen-Detsch mit Lachs, das spektakuläre Merchschnitzel und natürlich Crepes als krönenden Abschluss. Es schmeckt da einfach anders! Oder darf es doch lieber ein zartes Roastbeef aus Seßlach oder ein Sternesteak vom Meisterkoch sein? Wie wäre es heuer mal mit Sushi oder Quiche mit Flußkrebsen. Die Entscheidung fällt schwer. Gut, dass die Schlossplatzfest-Genießer für gewöhnlich an mehreren Tagen vorbeikommen und sich einfach treiben lassen: heute hier, morgen dort. Satt werden die nie!

Der Rundläufer...
... ist den ganzen Abend unterwegs, will nichts verpassen, probiert überall mal was, lässt sich berieseln und will gesehen werden. Er sieht und erfährt eine ganze Menge, was er sofort weitergibt an weitere Rundläufer und an die Verwirrten, die froh sind, wenn sie selber nicht so viel reden müssen. Der eine Teil der Rundläufer dreht im Laufe des Abends immer weiter auf. Der andere ist irgendwann fertig mit der Bereifung.

Der Heimkehrer...
... hat sein Kreuzchen im Kalender längst gemacht. Das Schlossplatzfest ist ein Muss für ihn - egal, wohin es ihn verschlagen hat, am dritten Wochenende im Juli ist er in Coburg. Alte Schulfreunde treffen - wo könnte das besser, unverbindlicher gelingen als rund ums Rondell. Er melancholisiert ja so gerne über "unner schöss Coborch". Dass er dabei ein Kulmbacher in der Hand halten muss, verkraftet er gerade so. Sein Scheidmantel fehlt ihm schon. Dennoch: Fest verwurzelt steht er da und wartet bis die Lichter wieder ausgehen. Bis zum nächsten Mal.

Der Fan...
... ist ein begeisterter und sehr bewusster Showbühnen-Besucher. Er studiert schon im Vorfeld ausgiebig das Programmheft, war selbst schon auf der Bühne gestanden, oder die Kinder oder Enkel sind dabei. Oder natürlich die Konkurrenz. Der Fan ist wirklich wichtig für das Coburger Sozialgefüge und Kulturleben. Denn er sammelt viele Anregungen, die er im Laufe des Jahres auf Vereins- und sonstigen Ebenen weitergibt oder selbst umsetzt. Coburg, was willst Du mehr von Deinen Bürgern.

Die Tussi...
... die echte Coburger Tussi, sieht sich als zur Hautevolee gehörig, von der Coburg selbstverständlich eine ganz erlesene hat.Fünf Tage am Stück auf zehn Zentimeter hohen Pumps, eine großes Repertoire an Mimik und Gestik, virtuos und blitzartig gewandelt, ist sie sich und "der Stadt" schon schuldig. Sie steht gebräunt bis gegerbt, dafür aber absolut im Mittelpunkt. Das Bühnenprogramm braucht sie nicht weiter zu interessieren, ihre Rolle ist eine andere. Die hat sie bei geschlossenem Landestheater zwischen Schmetternich-Stand und Schubart-Zelt zu erfüllen. - Jetzt aber Beeilung, sie hat schon längere Zeit nicht mehr im Traube-Zelt vorbeigeschaut. Tschüssiiii.

Der Andere...
... hält sich mehr auf der Schattenseite auf. Er sitzt am Tisch und kommt meist in der Gruppe. Wichtig ist ihm ein gutes Essen und gute Gespräche unter Freunden.Früher war er ein großer Fan der hinteren Musikbühne, fernab von Schickmicki-Residenzlern. Die sind ihm eher peinlich. Er vermisst den Guinessstand , ist aber auch so ganz zufrieden. Er beobachtet nicht und lästert auch nicht. Er bleibt auch nicht so lange. Holt sich lieber noch ein Eis im Steinweg - wo es ruhiger ist.

Der Motzer...
... hält das ganze Fest für einen vollkommen überflüssigen Schickimicki-Zinnober, konnte sich aber nicht entziehen, weil er wahlweise von einer Tussi, den Arbeitskollegen oder einem tatsächlich Wohlmeinenden mitgeschleppt wurde. Warum man in Lärm und Getöse und zwischen all dem Getrappel Speisen zu überhöhten Preisen dann auch noch in schlechterer als der gewohnten Qualität zu sich nehmen soll, ist ihm vollkommen unerklärlich. Ach könnte er doch nur zu denen gehören, die in der Lage sind, dieses "Event" souverän zu ignorieren.
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