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Landwirtschaft

Was sich die Coburger Bauern von der Politik wünschen

Die Bauern aus dem Coburger Land vermissen Transparenz bei der Messung der Nitratwerte im Grundwasser.
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Sie haben bei der "Politischen Schlachtschüssel"   jede Menge Themen geschaufelt: (von links) Heidi Bauersachs, Wolfgang Schultheiß, Martin Flohrschütz, Michael Busch, Martin Mittag, Hans Michelbach und Sebastian Straubel.Berthold Köhler
Sie haben bei der "Politischen Schlachtschüssel" jede Menge Themen geschaufelt: (von links) Heidi Bauersachs, Wolfgang Schultheiß, Martin Flohrschütz, Michael Busch, Martin Mittag, Hans Michelbach und Sebastian Straubel.Berthold Köhler

Die massiven Probleme bei der Genehmigung neu gebauter Fahrsilos und Güllegruben sowie die Einstufung des Coburger Landes als "Rotes Gebiet" mit auffällig hoher Nitratbelastung im Trinkwasser sind es, die die Landwirte umtreiben. Das ist gestern bei der "Politischen Schlachtschüssel" des Kreisverbandes Coburg im Bayerischen Bauernverband (BBV) deutlich geworden.

Die Landwirte und die Politiker, die mit ihnen zu tun haben, müssen heutzutage mehr denn je einen schier unmöglichen Spagat bewältigen. Auf der einen Seite, das machte MdB Hans Michelbach (CSU) klar, steht das "gesellschaftliche Klima", das dem Umweltschutz ein hohes Gewicht einräumt. Auf der anderen Seite steht der Druck auf die Landwirtschaft, zu einem niedrigen Preis möglichst hochwertige Lebensmittel zu produzieren.

Wolfgang Schultheiß (stellvertretender BBV-Kreisobmann) sah gravierende Veränderungen auf Landwirte zukommen, wenn - wie bald zu erwarten ist - noch einmal die Vorgaben der Düngeverordnung verschärft werden. Warum weit über die Hälfte des Coburger Landes als "Rotes Gebiet" eingestuft wurde, erschließt sich Schultheiß heute noch nicht: "Transparenz gab es bei den Messungen gar nicht." Das bestätigte Hans Rebelein. Ihm als BBV-Kreisgeschäftsführer sei nicht bekannt, an welchen Stellen die Messungen für die Nitratbelastung im Grundwasser stattgefunden habe. Wenn man Verbesserungen erreichen wollte, forderte Rebelein, müsse man betroffene landwirtschaftliche Flächen gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt in Augenschein nehmen und offen über die Möglichkeiten der künftigen Bewirtschaftung reden.

Es müsste halt mehr regnen

"Unser Problem ist es, dass es hier zu wenig regnet", hatte der ebenfalls von den Ergebnissen überraschte Harald Weber (Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) einen Lösungsansatz. Bei gerade einmal 300 Litern an manchen Stellen lag das Coburger Land 2018 weit hinter seinem 30-jährigen Mittel von 710 Litern - von oberbayerischen Regionen mit 1200 Litern ganz zu schweigen. Dennoch: Ein "Weiter so" könne es auch nicht geben, warf Hans Michelbach ein. Alleine schon deshalb, weil die EU-Kommission bei der Nitratbelastung gewaltigen Druck auf Deutschland ausübe. "Der Schutz des Grundwassers geht uns alle was an", sagte der Bundestagsabgeordnete und kündigte an, sich gemeinsam mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium und den Landwirten auf die Suche nach "einem gemeinsamen Weg der Vernunft" zu machen.

Mindestens genau so hohen Gesprächsbedarf wie bei der Düngeverordnung scheint es bei der Anlagenverordnung zu geben - und da noch quer über die Grenzen der Institutionen. BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz berichtete, dass es im Landkreis Coburg aus Sicht der Landwirtschaft "massive Probleme" bei der Genehmigung neuer Bauvorhaben gibt. Zwar steht den Bauern laut Gesetz zu, zum Beispiel beim Bau von Fahrsilos "eigene Sicherheitskonzepte" zu entwerfen - doch müssen die bis ins Detail von Sachverständigen bestätigt werden. Das führt, berichtete Harald Reblitz (Herreth) aus eigener Erfahrung, zu großer Rechtsunsicherheit bei Haftungsfragen. Zudem scheint das Coburger Landratsamt extrem genau auf die Einhaltung der Vorschriften zu schauen, wie Harald Roth (Beiersdorf) zu berichten wusste: Als er sein Fahrsilo asphaltieren lassen wollte, habe er von mehreren Fachfirmen aus der Branche eine Absage bekommen. Begründung: Im Coburger Land gebe es zu oft Ärger.

Hans Rebelein sah in diesem Punkt die Bauverwaltungen mehr in der Pflicht: "Sie müssen mehr Verantwortung übernehmen." Eine Eigenüberwachung durch die Bauherren sei heutzutage aus technischen und rechtlichen Gründen kaum machbar. Das sah auch Monika Hohlmeier (CSU), Mitglied des Europäischen Parlaments, so: "Wenn heute jemand baut, dann muss er auch Rechtssicherheit haben."

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