Welsberg
Fasching

Was Oma Leni und die anderen Narren in Welsberg zu sagen hatten

Die Gaudi in Welsberg war weit mehr als ein schlichter Kappenabend.
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Sie gehört schon zum Welsberger Fasching, wie das Salz in die Suppe: Oma Lina (Helene Melber aus Ebelsbach, die als Zwiebelfrau  auftrat und von einem gestohlenen Fahrrad sowie von einem Brief an den lieben Gott berichtete. Foto: Michael Stelzner
Sie gehört schon zum Welsberger Fasching, wie das Salz in die Suppe: Oma Lina (Helene Melber aus Ebelsbach, die als Zwiebelfrau auftrat und von einem gestohlenen Fahrrad sowie von einem Brief an den lieben Gott berichtete. Foto: Michael Stelzner
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Die Welsberger und die Mitglieder des SC Holzwurm sind sehr bescheiden! Mit kleinen Plakaten haben sie wieder zu ihrem Kappenabend eingeladen. Doch es war wieder weit mehr als nur ein schlichter Kappenabend, was bei dieser Faschingsveranstaltung im höchsten Dorf im Itzgrund geboten wurde. Die Veranstaltung glich schon einer Faschingssitzung und sie hat im gesamten Landkreis schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt, was die vielen Besucher, darunter auch einige aus Unterfranken verdeutlichten. Fünf Stunden lang wurde ein lockeres, aber sehr anspruchsvolles Programm geboten, das einer großen Sitzung in nichts nachstand.

Eine Rakete nach der anderen wurde in der Holzwurmhalle gezündet, eigentlich hätte der Himmel über Welsberg hell erglühen müssen. Auch der Schlachtruf "Welsberg, helau, Holzwurm, helau" war bis in die frühen Morgenstunden zu hören.

Wilfried Steinert, der auch als Conférencier durch das Programm führte, schaffte es mithilfe seines Akkordeons wieder ziemlich schnell, die richtige Faschingsstimmung in die Halle zu zaubern. Er bedauerte, dass es der Bürgermeister wieder nicht geschafft habe, nach Welsberg zu kommen und schlug vor: "Die Welsberger Narren wollen dem Gemeindeoberhaupt einmal den Weg zeigen." Die Tanzgruppe "Emotion" aus Weidach eröffnete den Abend mit einem flotten Tanz auf der Bühne. Die beiden Opas (Stefan Herr und Bernd Wittmann) sprachen über ihr Liebesleben und über die Erlebnisse in einer Kur.


Oma Leni ist nicht mehr wegzudenken

Aus dem Welsberger Fasching nicht mehr wegzudenken ist Helene Melber aus Ebelsbach, wohl eine der ältesten Büttenrednerinnen in Franken. Trotz ihrer fast 79 Jahre braucht Oma Leni, wie sie in Welsberg liebevoll genannt wird, kein Manuskript, die Reime hat sie auswendig gelernt. Als "Zwiebelfraa" gab sie bei ihrem ersten Auftritt den Narren so manchen Ratschlag rund um die Zwiebel: "Esst Zwiebel von spät bis früh und dazu einen Sellerie. Wollt ihr mein Rezept verwenden, so könnt ihr 100 Jahr alt werden." In ihrer zweiten lustigen Rede sprach die Oma von einem "gestohlenen Fahrrad" und von einem "lieben Brief an den lieben Gott".


Noch eine Oma

Christoph Dinkel schlüpfte in die Rolle einer Oma und sprach über seine Enkelkinder, auf die er lange warten müsse. "Wenn wir nicht bald Enkel kriegen, dann machen wir sie uns eben selbst", sagte er zu seiner Frau. Die bekannte Sendung "Bauer sucht Frau" kam mit einer Spezial-Edition nach Welsberg, wie das Männerballett des närrischen Holzwurms, das mit einer Gabel auf die Bühne kam, in einem Tanz bewies. Am Schluss bekam "Bauer Klaus" schließlich seine Traumfrau.

Auch international ging es beim Welsberger Fasching zu. Filiz Kusin zeigte auf der Bühne einen flotten Flamenco. Die blonde Heidi (Heidi Wittmann) schimpfte ein wenig über ihre Schwiegermutter und gab ein paar Abnehmtipps weiter. "Mein Wintergemüse ist die kleine Marzipankartoffel", sagte die blonde Frau.

Drei Frauen und zugleich die Trainerinnen unterstützten das Männerballett seinem zweiten Auftritt als Nonnen. Zur Musik von "Sister Act" marschierte das Ballett in die Halle ein. Danach wurde es immer fetziger, zu verschiedenen bekannten Melodien. Dabei war auch viel Haut zu sehen, und es gab auch einen Luftballonregen auf der Bühne. Das Publikum war rücksichtslos und forderte gnadenlos - Zugaben, und das so lautstark, dass diese schließlich auch gewährt wurden.


Markenzeichen des Welsberger Faschings

Mit großer Spannung wurden die beiden Tratschtanten erwartet, ein Markenzeichen des Welsberger Faschings: Erna (Gerold Dinkel) aus Welsberg und Babett (Hans-Eduard Dinkel) aus Schottenstein. Die beiden nahmen wieder das Orts- und Vereinsgeschehen aufs Korn. Aber sie konnten auch so manches berichten, was sonst noch so in der Gemeinde passiert ist. In ihrem Vortrag kamen neben den ICE-Tunnel auch die Windräder zur Geltung, die "in der Nacht schöner blinken als jedes Silvesterfeuerwerk. Dass das Sägewerk in Welsberg jetzt geschlossen sei, müsste eine Welsbergerin eigentlich freuen. Aber nun könne sie nicht mehr schlafen, weil sie sich so an den Lärm gewöhnt hatte. Auch vom Ausflug der "Holzwürmer" erzählten die Tratschtanten gemäß ihres Mottos: " Me secht ja nix, me meet ja blous".

Die Vorsitzende Yvonne Dinkel war, nachdem alles über die Bühne gegangen war, sichtlich stolz auf ihre Truppe, die wieder ein sehr abwechslungsreiches und kurzweiliges Programm mit relativ einfachen Mitteln auf die kleine Bühne gezaubert hatte. An Gerold Dinkel, der schon seit vielen Jahren die Reden für "Frieda und Babette" schreibt, wurde der seltene Holzwurmorden verliehen. Noch bis zum frühen Morgen herrschte in der Halle eine ausgelassene Stimmung.
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