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Natur

Was machen Coburgs Störche, wenn's kalt wird?

Nach 20 Grad am Sonntag kommt der Frost zurück. Während die Amphibienwanderung jäh unterbrochen wird, machen Minusgrade den Vögeln nicht viel aus.
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Futter  findet sich immer: Die beiden Störche aus Kaltenbrunn sind schon wieder vereint und  finden  in den Itzwiesen genügend, um über die Runden zu kommen.Hans-Peter Schönecker
Futter findet sich immer: Die beiden Störche aus Kaltenbrunn sind schon wieder vereint und finden in den Itzwiesen genügend, um über die Runden zu kommen.Hans-Peter Schönecker
Was ist denn bloß mit dem Wetter los? Am Sonntag noch frühlingshafte Fast-20-Grad und jetzt droht der Wetterbericht für das kommende Wochenende schon wieder mit satten Minustemperaturen. Da muss die Tierwelt doch durchdrehen? Nein, tut sie nicht, sagt Diplom-Biologe Frank Reißenweber auf verweist auf den doch noch frühen Zeitpunkt des Jahres: "Die Natur kommt noch gut mit den Minustemperaturen klar, denn sie hat noch nicht auf Frühlingsmodus umgestellt."
Wobei: Die zweistelligen Plusgrade am zurückliegenden Wochenende haben dazu geführt, dass sich bereits die ersten Amphibien auf den Weg zu ihren Laichgewässern gemacht haben. "Kröten und Molche sind schon unterwegs", weiß der Diplombiologe von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt. Schließlich ist warme und feuchte Witterung das Startsignal für Amphibien, sich aus ihrer Winterruhe zu begeben. Sollten sie nun am Wochenende vom Frost überrascht werden, bleiben die Tiere entweder in ihren Winterquartieren oder suchen vorübergehend Schutz. Das klappt, sogar auf der Wanderung, erklärt Frank Reißenweber: "Sie verstecken sich dann unter Blätterhaufen oder Baumstümpfen."
Als Vorsitzender der Coburger Kreisgruppe im Landesbund für Vogelschutz (LBV) weiß Reißenweber natürlich auch, wie es derzeit bei der Vogelwelt ausschaut. Da sind die ersten Kiebitze und Drosseln wieder in ihren Sommerquartieren im Coburger Land gesehen worden - auch sie können und werden eine temporäre Rückkehr des Winters aussitzen. "Zwei, drei Tage sind kein Problem", weiß der Diplombiologe und erklärt, dass zum Beispiel der relativ große Kiebitz mal gut eine Woche ohne Futter auskommen kann. Doch so weit dürfte es bei der bevorstehenden Frostperiode nicht kommen - taut nämlich der Boden tagsüber wieder auf, finden Drossel und Kiebitz auch Nahrung. Und wenn nicht, dann hauen sie eben wieder ab, erklärt Frank Reißenweber. Zugvögel seien schließlich in der Lage, binnen eines Tages zwischen 200 und 300 Kilometer zurück zu legen und sich ein wärmeres Eck zu suchen.


Wo kommen die vielen Stare her?

Noch gar nicht da sind die Zugvögel, die eine Frostperiode härter treffen würde: die Insektenfresser und Vögel, die über weite Strecken hinweg aus dem Süden nach Deutschland ziehen. Die kommen erst in ein paar Wochen an. Da sollte es dann aber kein Comeback des Winters mehr geben, sagt Frank Reißenweber und erinnert an das vergangene Jahr, als eine Spätfrostperiode sowohl der Tier- als auch der Pflanzenwelt gewaltig zusetzte.
Was Vogelfreunden im gesamten Coburger Raum aufgefallen ist: Die Tatsache, dass schon erstaunlich viele Stare unterwegs sind. Darüber wundert sich sogar der LBV-Kreisvorsitzende, zumal viele Stare offensichtlich nicht einmal mehr Hochwinter zum Zug Richtung Süden bewegte. Wahrscheinlich, vermutet Frank Reißenweber, ist es so, dass den Staren genug Fallobst oder Reste an Futterstellen zur Verfügung standen, um durch den Winter zu kommen.
Schon komplett wieder sind einige Storchenpaare im Coburger Land. Hans-Peter Schönecker, der Storchenbeauftragte beim Landesbund für Vogelschutz, ist in den zurückliegenden Tagen schon mit seiner Kamera unterwegs gewesen und hat dabei zahlreiche "alte Bekannte" getroffen: In Kaltenbrunn und Rossach haben die aus dem vergangenen Jahr bekannten Brutpaare ihre Horste schon wieder belegt, in Bad Rodach sind sich die beiden Störche sogar schon "näher gekommen". Hans-Peter Schönecker rechnet deshalb damit, dass auf dem Bad Rodacher Storchenschlot schon in gut zwei Wochen die Eier ausgebrütet werden - das wäre analog zum vergangenen Jahr.
Wenn es bis dahin noch einmal kälter werden sollte, bringt das die Störche nach Schöneckers Erfahrung nicht in Not - "so lange nicht noch einmal richtig Schnee fällt". Bleibt das Wetter trocken, schränken die großen Vögel eben ihre Aktivität ein bisschen ein und ducken sich in ihr schützendes Nest. Das dichte Gefieder, bei Bedarf auch aufgeplustert, trägt zudem seinen Teil dazu bei, dass Störche recht winterfest sind.
Beim Futter sieht Schönecker gar kein Problem. An den Hängen und den Gräben seien schließlich schon die ersten Mäuse aktiv, da finde ein Storch schon genug Nahrung. Zudem haben die großen Vögel den Vorteil, keinen besonders guten Geruchssinn zu haben. So haben sie auch kein Problem damit, sich tote Tiere von den teils schon mit Gülle gedüngten Wiesen zu schnappen.
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