Lahm im Itzgrund
Forstwirtschaft

Was der Schwammspinner im Wald bei Lahm angerichtet hat

Weil nicht weit weg Fledermäuse leben, kann der Schwammspinner im Wald bei Lahm (Landkreis Coburg) nicht von der Luft aus bekämpft werden. Noch nicht.
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Richard Elflein hat im vergangenen Jahr schier der Schlag getroffen, als er im Frühsommer seinem Eichenwald oberhalb des Lahmer Friedhofes einen Besuch abstattete. "Überall sechs bis sieben Zentimeter lange Raupen, kaum mehr grüße Blätter", sah er da. Der Schwammspinner hatte zugeschlagen, er wird es dort wohl auch heuer tun. "Man muss um diesen Wald Angst haben", sagt Wolfgang Schultheiß, der Vorsitzende der forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken.

Schultheiß ist mit seiner Angst nicht alleine. Gut 30 Waldbesitzer, Forstwirte und Förster stehen mit ihm in Richard Elfleins Wald und schauen nachdenklich nach oben. Dort hängen an den Ästen der Bäume massenhaft Gelege des Schwammspinners. Nicht nur an Eichen, auch paar Meter weiter an Kiefern krabbeln die Raupen herum. "Der Schwammspinner ist nicht sehr wählerisch", erklärt Joachim Eßlinger, der Leiter des Forstreviers Bad Staffelstein, das zum Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Coburg gehört.

Wenn es nach Eßlinger - nach Richard Elflein und Wolfgang Schultheiß sowieso - gegangen wäre, hätte der Schwammspinner schon im vergangenen Jahr vom Hubschrauber aus mit einem Pflanzenschutzmittel bekämpft werden können. Doch da legte das Landesamt für Umwelt (LfU) sein Veto ein: Weil anderthalb Kilometer Luftlinie entfernt in der Eggenbacher Kirche das "Graue Langohr" (eine Fledermausart) lebt, gab es keine Genehmigung zur Schädlingsbekämpfung aus der Luft. Wobei Joachim Eßlinger klarstellt: "Dieser Wald hätte die Kriterien für eine Bekämpfung erfüllt."

Dem Forstrevierleiter sieht man beim Ortstermin an, dass er hin und her gerissen ist. Einerseits teilt er die Sorge, dass der Schwammspinner heuer totalen Kahlfraß in dem Waldstück zwischen Eggenbach und Lahm anrichtet. Andererseits betont er: "Ich trage die Entscheidung des LfU mit, man hat es sich dort nicht leicht gemacht." Dass dabei Umweltschutz Vorrang vor Waldschutz eingeräumt wurde, bereitet Wolfgang Schultheiß Sorge. Der Waldbauern-Vorsitzende verweist darauf, dass man die Wälder gerade in Zeiten des Klimawandels erhalten müsse.

Erst schauen, dann fliegen

Der reinen Lehre nach ist die Zeit, um dem Schwammspinner von der Luft aus zu Leibe zu rücken, eigentlich schon vorbei: Anfang Mai gilt als letzter sinnvoller Termin. Aber so ganz ist die Sache für Joachim Eßlinger noch nicht durch, noch sind die Raupen klein. Er will noch einmal mit dem LfU Kontakt aufnehmen und erneut über den 50 Hektar großen Wald, in dem auch Richard Elfleins Bäume stehen, zu reden. Bleibt der Wunsch fast aller Eigentümer nach einer Befliegung unerfüllt, greift das Notprogramm: regelmäßige Beobachtung, 14-tägige bis monatliche Kontrollen mit Drohnenf lügen und lückenlose Dokumentation. Sollte aus dem Lichtfraß von 2018 heuer Kahlfraß werden, könnte es 2020 den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln geben. "Wenn der Wald bis dahin nicht komplett abgestorben ist", brummelt Wolfgang Schultheiß.

Manch Teilnehmer an dieser Diskussionsrunde sieht schon das Ende der Eichenbestände kommen. Für Teile des Coburger Landes wäre das eine dramatische Sache, sagt Manfred Herter, der Geschäftsführer der hiesigen Waldbauernvereinigung: "Im südlichen Landkreis Coburg ist die Eiche die häufigste Baumart." Es gibt aber auch Stimmen, die zu Gelassenheit mahnen. Michael Kreppel vom Bamberger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten rät den Waldbauern: "Sie müssen jetzt nicht die Flinte ins Korn werfen." Wenn von mehreren Tausend Hektar Wald gerade einmal 50 massiv vom Schwammspinner bedroht seien, könne das Problem auch nur eine Frage des Standorts sein.

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