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Coburg
Angemerkt

Was Barack Obama mit dem Wahlkampf in Coburg zu tun hat

Unser Redakteur Oliver Schmidt hat sich die Kandidatinnen und Kandidaten der insgesamt elf Listen, die zur Stadtratswahl in Coburg antreten, mal etwas genauer angeschaut. Er entdeckte viele illustre Menschen - und zwei tolle Slogans.
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Barack Obama, ehemaliger Präsident der USA, während seiner Eröffnungsrede auf der Bühne des Unternehmensgründer- und Investorentreffens "Bits & Pretzels" in München.Foto:  Sven Hoppe, dpa
Barack Obama, ehemaliger Präsident der USA, während seiner Eröffnungsrede auf der Bühne des Unternehmensgründer- und Investorentreffens "Bits & Pretzels" in München.Foto: Sven Hoppe, dpa

Das Christkind, die liebe Verwandtschaft und Barack Obama Seit dieser Woche ist es amtlich: Bei der Kommunalwahl in Coburg gibt es doch "nur" neun OB-Kandidaten und elf Stadtratslisten. Denn die Satirepartei "Die Partei" hat es nicht geschafft, die erforderlichen Unterstützer-Unterschriften für sich und ihren angedachten OB-Kandidaten Norbert Denninger zu sammeln. Vor 30 oder 40 Jahren hätte man dazu vielleicht noch gesagt: Schade, so ein spaßiger Farbtupfer hätte dem Stadtrat gar nicht mal geschadet. Heute jedoch muss man konstatierten: Zum Glück geht zumindest dieser Kelch am künftigen Stadtrat vorüber. Denn: Das 40-köpfige Gremium wird ohnehin sehr zersplittert sein, weil sich alle elf Gruppierungen berechtigte Hoffnungen auf zumindest einen Sitz machen dürfen.

An Farbtupfern dürfte es dem künftigen Coburger Stadtrat sowieso nicht mangeln. Denn wie ein Blick auf die verschiedenen Kandidatenlisten zeigt, tummeln sich da allerhand illustre Menschen.

Fangen wir mal mit jenen an, die einen besonderen Titel tragen: Die SPD hat mit Ramona Brehm die ehemalige "Miss Handwerk" auf Platz 2 gesetzt. Die Jungen Coburger (JC) schmücken sich auf Platz 3 mit dem Christkind der Stadt (Femke Flessa). Auch nach dem Rückzug von CSU-Stadtrat Hubertus Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha könnte weiterhin "Adel" im Stadtrat vertreten sein. Bei der SPD kandidiert die Stadtführerin Birgit Jäckel-Beck, die sich bei Kostümführungen regelmäßig als Queen Victoria verkleidet. Aber: Birgit Jäckel-Beck steht nur auf Platz 32. Bessere Chancen auf einen Einzug in den Stadtrat dürfte das aktuelle Prinzenpaar der Coburger Narrhalla haben: Anja I. (Antje König) steht bei der CSB auf Platz 2, Oli I. (Oliver Schneider) rangiert bei Pro Coburg auf 7. Antje König und Oliver Schneider sind übrigens auch im "richtigen Leben" ein Paar.

Und damit zum Thema "(verwandtschaftliche) Beziehungen" auf den Listen. Zum einen gibt's da etliche Kandidaturen auf ein und derselben Liste. Bei der CSU rangieren zum Beispiel Andreas Engel und seine Lebensgefährtin Antoinetta Bafas sogar einträchtig nebeneinander auf den Plätzen 8 und 9. Bei der neuen "Coburger Liste" nimmt mit Martina Benzel-Weyh und Wolf-Rüdiger Benzel ein Ehepaar sogar die beiden Spitzenplätze ein. Etwas weiter auseinander liegen bei der CSB die Eheleute Christian und Kerstin Müller (1/36) sowie Hans-Heinrich und Cornelia Ulmann (9/38). Von den Ulmanns kandidiert auch noch Tochter Claudia bei den CSB (Platz 22), womit wir kurz abschweifen zum Unter-Thema "Eltern-Kind-Beziehungen", das vor allem auf der SPD-Liste eine gewichtige Rolle spielt: Da kandidieren Vater und Tochter (Thomas und Lara Nowak auf 3 und 22), Vater und Sohn (Andreas und Lukas Gehring auf 11 und 34) sowie auch Mutter und Sohn (Sabine und Maximilian Kastner auf 14 und 27). Die besten Chancen, tatsächlich im Doppelpack den Einzug in den Stadtrat zu schaffen, dürften die Brüder Dominik und Stefan Sauerteig haben, die auf den Plätzen 1 und 5 rangieren.

Und was läuft beziehungstechnisch über Parteigrenzen hinweg? Außer auf das CSB/Pro Coburg-Prinzenpaar fällt da der Blick zum Beispiel auf die SPD-Stadträtin Gabriele Morper-Marr, die auf Platz 10 kandidiert - ihr Lebensgefährte Ulrich Eberhardt-Schramm steht bei Pro Coburg auf Platz 33. Von Pro-Coburg-OB-Kandidat Thomas Apfel wiederum gibt es eine Verbindung zu den Linken: Dort kandidiert auf Platz 20 seine Schwägerin Susann-Helen Reisenberger.

Interessant ist auch die blitzartige Versöhnung zwischen der CSU und den Jungen Coburgern (JC). Zu Erinnerung: Bei den JC handelt es sich zu einem gewichtigen Teil um Mitglieder der CSU-Nachwuchsorganisation Junge Union (JU); und obwohl der heutige CSU-Chef René Boldt die JC einst mitbegründet hat, gilt sein Verhältnis zum JC-Chef Max Forkel, der auch JU-Chef ist, als schwierig. Jetzt ziehen aber doch alle an einem Strang - das mag auch daran liegen, dass mit Philip Meyer der Bruder von CSU-OB-Kandidat Christian Meyer auf der JC-Liste auf 13 steht.

Von den Jungen zu den - mit Verlaub - alten Coburgern. Oder sagen wir lieber: altgediente Coburger. Noch-OB Norbert Tessmer hat sich bei der SPD auf Platz 39 setzen lassen; Ex-Landrat Michael Busch steht auf 40. Bei den Grünen ziehen zwei 90er-Jahre-Stadträte noch einmal in den Wahlkampf: Matthias Loßmann (14) und Michael Forkel (24). Auch Johanna Schilling hat bereits in den 1990ern Stadtratserfahrung bei den Grünen gesammelt - jetzt kandidiert sie für die Coburger Liste.

Apropos Alter: Die FDP-Nachwuchsorganisation JuLi hat eine Pressemitteilung verschickt. Darin wurde verkündet, dass bei der Kommunalwahl "eine neue Generation" zum "Sturm auf die oberfränkischen Rathäuser" blase. Es wurden mehrere Städte genannt, in denen JuLi-Kandidaten ganz vorne auf FDP-Listen kandidieren. Coburg war nicht dabei. Hier besteht das Spitzentrio aus Michael Zimmermann (Jahrgang 1967), Ulrich Herbert (Jahrgang 1952) und Hans-Heinrich Eidt (Jahrgang 1943) - ihr Durchschnittsalter liegt somit bei knapp 65 Jahren.

Zum Abschluss zu den beiden - bislang - pfiffigsten Wahlslogans. JC-Kandidat Florian Freytag wirbt für sich mit den Worten: "Freytag for future!" Auf den ersten Blick etwas abgedroschen mag der von Ex-US-Präsident Barack Obama übernommene Satz "Yes, we can!" klingen - wenn das allerdings der SPD-Kandidat namens Can Sadik sagt, bekommt das eine ganz neue Bedeutung.

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