Coburg
Präsentation

Was alles im Coburger Artilleriemuseum ist

Das neue Jahrbuch der Coburger Landesstiftung bringt den vollständigen Katalog und weitere interessante Beiträge.
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Den vollständigen Katalog zum  neuen Artilleriemuseum auf der Veste, hier ein Bild  von der Eröffnung im letzten Jahr,  liefert das 61. Jahrbuch der Coburger Landesstiftung.Carolin Herrmann
Den vollständigen Katalog zum neuen Artilleriemuseum auf der Veste, hier ein Bild von der Eröffnung im letzten Jahr, liefert das 61. Jahrbuch der Coburger Landesstiftung.Carolin Herrmann
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Kein Relikt aus alter Zeit, sondern "aktuell und innovativ": Das ist die Coburger Landesstiftung, wie ihr Vorsitzender Oberbürgermeister Norbert Tessmer betonte. Das 61. Jahrbuch, das n in der Coburger Hauptverwaltung vorgestellt wurde, belegt, dass hier "geforscht, erhalten, initiiert wird". Das Jahrbuch wiederum dient neben der Veröffentlichung der Jahresberichte der Kunstsammlungen auf der Veste und des Naturkundemuseums dazu, wesentliche Themen zur Geschichte des Coburger Landes wissenschaftlich zu dokumentieren und der Öffentlichkeit darzulegen.

In diesem Jahr konnte Herausgeber und Redakteur Alfred Geibig, Oberkonservator für Waffen, Wagen, Orden Medaillen und Münzen in den Kunstsammlungen auf der Veste, thematisch breitgefächerten Lesestoff anbieten. Dieses Jahrbuch hat dabei besondere Bedeutung, weil es den kompletten Katalog zum neuen Artilleriemuseum auf der Veste liefert.

Waffenspezialist Geibig stellt dazu unter dem Titel "Gebt Feuer!" auf allein 150 Seiten nicht nur jedes einzelne Ausstellungsobjekt auf der Gedeckten Batterie vor. Es ging ihm auch darum, grundsätzliche allgemein interessierende Fragen zur Artilleriegeschichte zu beantworten: Seit wann gibt es Kanonen? Wie wurden sie transportiert...

Das im letzten Jahr eröffnete Artilleriemuseum auf der Veste ist mit seinen historischen Geschützen und Feuerwaffen samt Zubehör und Darstellung der Hintergründe eindrucksvoll. Wissenschaftlich bedeutender sind allerdings "die eher kleinen unauffälligen Objekte, die bis ins 15. Jahrhundert zurückweisen und mitunter extrem selten, aber wichtig für die historische Entwicklung sind", stellt Alfred Geibig klar.

Ist das Fake oder echt?

Hans Uwe Trauthans Beitrag "Zwei Gläser - ein fürstliches Geschenk" führt in die schwierige analytische Arbeit zur Feststellung der Echtheit von historischen Objekten. "Man will ja als Verantwortlicher nicht Fakes für viel Geld anschaffen", sagt Alfred Geibig zu dieser speziellen Thematik. Mit den heutigen technischen Möglichkeiten können in vielen Bereichen wunderbare Fälschungen hergestellt werden. Die zu entlarven, bedarf es detektivischer Analysen.

Die Werke der Malerin Marie Ellenrieder (1791 - 1863) in der Sammlung der Herzogin Alexandrine von Sachsen-Coburg und Gotha, Ehefrau von Ernst II., stellt die aus Coburg stammende Kunsthistorikerin Natalie Gutgesell in ihrem Beitrag zum Jahrbuch der Coburger Landesstiftung vor.

Die Hofmalerin Ellenrieder

Ellenrieder war Hofmalerin am Badischen Hof und laut Stefanie Knöll, der Leiterin des Kupferstichkabinettes auf der Veste, eine spannende Persönlichkeit. Sie war die erste deutsche Frau, die an einer Kunstakademie studierte, unternahm, wie es sich damals gehörte, eine Romreise und war, was in vielen ihrer Werke zu sehen ist, den Nazarenern eng verbunden. Ellenrieder war die Zeichenlehrerin von Alexandrine und ihr lebenslang eng verbunden. Über die Vermittlung ihrer "geliebtesten Prinzessin Alexandrine" arbeitete Ellenrieder auch für Queen Victoria.

Coburger Landesstiftung (Hrsg.): Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 2017. Redaktion Alfred Geibig. 282 Seiten, 26 Euro. Erhältlich in der Hauptverwaltung der Landesstiftung in der Ehrenburg sowie im örtlichen Buchhandel.

Otto Waldrich

D er in diesem Jahr aus dem Amt geschiedene Direktor der Kunstsammlungen Klaus Weschenfelder hat das Wirken des für Coburg bedeutenden, im letzten Jahr verstorbenen Sammlers und Mäzens Otto Waldrich detailliert nachvollzogen. Weschenfelder ging biografisch vor. Im Zentrum steht dabei vor allem Waldrichs nachhaltige Arbeit für die Landesstiftung, so die Anschubfinanzierung für die Erweiterung des Naturkundemuseums und der Neubau des Europäischen Museums für Modernes Glas.

"Mit der gebotenen Dezenz" habe er auch die Hintergründe und Unstimmigkeiten im Zuge der zögerlichen Einstellung der bayerischen Landesregierung zum Neubau des Glasmuseums dargestellt. "Das muss ja mal festgestellt werden", so Weschenfelder. Es ist Waldrichs hartnäckigem Intervenieren zu danken, dass das Glasmuseum in der heutigen Form in der Rosenau steht.

Ein wichtiger Coburger Gelehrter namens Johann Faccius

K ennt jemand den fränkischen Gelehrten Johann Faccius? - Nicht verwunderlich, er veröffentlichte anonym oder unter Pseudonym, was in dieser Zeit lebenserhaltend war. Faccius (1698 - 1775), "ein Prediger im Coburgischen", lieferte aber einen wertvollen Beitrag im Streit um einen heute kaum mehr beachteten Universitätslehrer und Universalgelehrten, Christian Wolff (1679 - 1754). Der war aber für zwei Generationen deutscher Philosophen sehr prägend, einer der wichtigsten Philosophen der Aufklärung zwischen Leibnitz und Kant.

Stefan Borchers, Literaturwissenschaftler mit Schwerpunkt Philosophiegeschichte des 18. Jahrhunderts, beschäftigte sich mit der spektakulären Vertreibung Wolffs im Jahr 1723 aus Halle, nachdem man ihm atheistische Tendenzen unterstellt hatte.

Ein wieder zu entdeckender Autor

In den 30er Jahren habe es eine zweite Welle der Hetze gegen Wolff gegeben. Borchers stieß auf eine anonyme, sehr substanzielle und heute in allem als richtig zu belegende Verteidigungsschrift und später durch Glück auf Johann Faccius als deren Verfasser, der auch weitere interessante Schriften veröffentlicht habe. "Hier ist nach 300 Jahren ein vergessener Autor wiederzuentdecken", so Borchers.

Faccius hat nach seinem Theologiestudium auch bei Christian Wolff in Halle studiert und muss danach eine Anstellung im Herzogtum Sachsen-Coburg gefunden haben. Stefan Borchers identifiziert ihn über die Predigergeschichte zum Coburger Land von Johann Erasmus Schirmer (1743 - 1788) als Johann Faccius, der von 1736 bis zu seinem Tod 1775 Pfarrer in Weißenbrunn vorm Wald war. Seine Erstberufung hatte er 1728 nach Schottenstein, zuvor war er wohl auch Lehrer am Casimirianum in Coburg gewesen.

Johann Erasmus Schirmer bezeichnet Faccius als einen "der gelehrtesten Land-Priester, derer wir in unserem Herzogthum uns rühmen und erfreuen können", einer, "der die gantze gelehrte Welt kennet und ehret". C.H.



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