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LKR Coburg
Kreistag

Warum nicht alle vom Bahn-Lückenschluss begeistert sind

Der Landkreis Coburg fordert Bayern auf, mit einem Raumordnungsverfahren die Machbarkeit einer Verbindung Richtung Thüringen zu prüfen.
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Noch ist hier Schluss: Wenn auch nicht geradewegs vom Bahnhof aus weiter, so bleibt ein Bahn-Lückenschluss Richtung Thüringen über Bad Rodach eine denkbare Variante. Ob die Sache wirklich machbar ist, soll bald ein Raumordnungsverfahren prüfen. Der Landkreis Coburg würde es sich wünschen, dass sich auch der Freistaat Bayern finanziell an dieser Untersuchung beteiligt.
Noch ist hier Schluss: Wenn auch nicht geradewegs vom Bahnhof aus weiter, so bleibt ein Bahn-Lückenschluss Richtung Thüringen über Bad Rodach eine denkbare Variante. Ob die Sache wirklich machbar ist, soll bald ein Raumordnungsverfahren prüfen. Der Landkreis Coburg würde es sich wünschen, dass sich auch der Freistaat Bayern finanziell an dieser Untersuchung beteiligt.
Der Bahn-Lückenschluss zwischen dem Coburger Land und Südthüringen lässt die Politik nicht los. Um endlich einmal Klarheit über Chancen und Möglichkeiten zu bekommen, hat sich auch der Kreistag bei seiner Sitzung am Donnerstag im Landratsamt hinter die Bestrebungen des Freistaates Thüringen gestellt, ein Raumordnungsverfahren zum Lückenschluss auf den Weg zu bringen. Ein mächtiges einstimmiges Signal wurde die Resolution des Kreistages aber nicht - es gab zwölf Gegenstimmen quer durch alle Fraktionen.
Viele Gegner der Resolution - in der der Freistaat Bayern gebeten wird, sich auch finanziell an einem Raumordnungsverfahren zu beteiligen - konnten sich wohl der Argumentation von Heidi Bauersachs (CSU/Landvolk) anschließen. "Was brauchen wir denn alles noch?" Diese Frage stellte die Kreisbäuerin in den Raum und verwies auf all die Verkehrs- und Infrastrukturprojekte der vergangenen Jahre, die mit großem Flächenbedarf einhergingen. Da jetzt noch eine Zugstrecke zu bauen, war für Bauersachs schon als bloße Vorstellung zu viel. Sie warnte deshalb davor, ein Raumordnungsverfahren zu beantragen - denn: "Wenn wir dem zustimmen, dann passiert auch was."


Busch versichert: Alle sitzen mit am Tisch

Der Landrat sah dies anders. Michael Busch (SPD) verwies auf die in der Petition verankerte Forderung nach einer Lenkungsgruppe für das Raumordnungsverfahren, in der auch Gruppen wie die Kommunen und der Bauernverband vertreten sein sollen. Nur so, heißt es in der Petition, sei eine vollständige Interessensabwägung schon früh zu gewährleisten. Busch findet ein Raumordnungsverfahren auch deshalb gut, weil ein Lückenschluss seiner Meinung zum Erhalt des ICE-Haltes in Coburg betragen könnte. Schließlich erhoffen sich die Befürworter des Bahnprojektes dadurch weitere Fahrgäste für den Coburger Haltepunkt.
Auf die Tagesordnung gebracht hatte das Raumordnungsverfahren die ÖDP/FDP. Fraktionssprecher Peter Jacobi erhoffte sich von einer ersten Bestandsaufnahme "handfeste und gut untermauerte" Zahlen, mit denen man über Sinn oder Unsinn eines Lückenschlusses diskutieren könne. Dass mit einem Raumordnungsverfahren auch gleich die Bestrebungen für einen Bau losgehen, befürchtete Landrat Michael Busch hingegen nicht. Für ihn bedeute ein solches Verfahren, dass alle möglichen Trassen auf ihre Machbarkeit - aber auch auf ihre Auswirkungen auf Mensch und Natur - geprüft würden. "Ob die Sache dann zusammen kommt, entscheiden am Ende auch die Finanzen", zeigte sich Busch überzeugt. Aber ein bisschen, das wurde im Laufe der Diskussion deutlich, konnte der Landrat die Bedenken aus der Landwirtschaft schon verstehen. Michael Busch räumte nämlich ein, dass die Beeinträchtigungen auf die direkte Umgebung beim Raumordnungsverfahren zum Verkehrslandeplatz "offensichtlich nicht so sehr" berücksichtigt worden seien. An einer Planungsgesellschaft beteiligen, werde der sich der Landkreis wohl kaum, deutete Busch an. Rainer Mattern (Sprecher von CSU-Landvolk) bezeichnete einen Lückenschluss als "von der Theorie her schlüssig". Doch dann kam auch schon das große Aber Matterns: "Es werden viele Bürger von einer zusätzlichen Bahntrasse betroffen sein." Durchs Lautertal sei deshalb für ihn ein Lückenschluss zum Beispiel schon einmal undenkbar, sagte der Fraktionsvorsitzende. Dennoch konnte auch Rainer Mattern mit einem Raumordnungsverfahren als Orientierungshilfe leben. Wobei er schon jetzt ein klares Ziel ausgab: "Was da heraus kommt, muss für die Bevölkerung erträglich sein."


Warum nicht ganz anders?

Einen Vorschlag, mit dem er auch beim Landrat Interesse weckte, brachte Thomas Kreisler (Die Grünen). Er schlug vor, den Lückenschluss nicht immer nur von Coburger Seite aus zu denken. Vielleicht ergebe sich ja auch von der Sonneberger Ecke aus die Möglichkeit, eine Anbindung direkt auf die ICE-Neubaustrecke zu bekommen. Man müsse halt die Frage klären, ob dies baulich möglich sei, meinte Kreisler. Und genau für die Beantwortung einer solchen Frage ist das Instrument eines Raumordnungsverfahrens geschaffen worden.

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