Neustadt bei Coburg
Weihnachten

Warum ist das Christkind ein Engel und kein Baby?

Warum sieht das Christkind aus wie ein Engel und nicht wie ein Baby? Die Antwort findet Pfarrerin Romina Rieder im Weihnachtslied "Alle Jahre wieder".
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Auf zahlreichen Weihnachtsmärkten wird das Christkind als Engel verkörpert. Foto: Wolfgang Desombre
Auf zahlreichen Weihnachtsmärkten wird das Christkind als Engel verkörpert. Foto: Wolfgang Desombre

"Wieso sieht das Christkind am Nürnberger Christkindlesmarkt eigentlich wie ein Engel aus? Das Jesuskind war doch ein Baby? Das ist voll unlogisch!" So fragte mich ein aufgewecktes Mädchen aus meiner Kindergruppe vor ein paar Jahren kurz vor Weihnachten. Bis heute erinnere ich mich noch daran. Damals war ich völlig überrumpelt von der Frage. Mir selbst ist das Nürnberger Christkind schon seit meiner Kindheit vertraut und ich hatte bis zu diesem Tag sein Erscheinungsbild nie infrage gestellt. Aber nüchtern betrachtet hat das Mädchen schon recht. So richtig zusammenpassen will es nicht. Woher kommt es, dass wir uns das Christkind als eine Art Rauschgoldengel vorstellen?

Warum ist das Christkind ein Engel und kein Baby?

Ein Hinweis findet sich in einem bekannten Weihnachtslied: "Alle Jahre wieder kommt das Christuskind auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind." Alle Jahre wieder kommt das Christkind zu uns nach Hause und bringt die Geschenke. Wie sollte es das anders schaffen als mit einem aerodynamisch angepassten weißen Engelskleid und schönen windschnittigen goldenen Engelsflügeln, die es geschwind durch die Heilige Nacht tragen? Ist das Christkind also doch eine Art Rauschgoldengel, wie sie gerade im Moment auf den Weihnachtsmärkten allgegenwärtig sind?

Aber das Weihnachtslied geht noch weiter: "Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus, geht auf allen Wegen mit uns ein und aus." Dieses Christuskind ist mehr als ein Weihnachtsengel, der uns Geschenke unter den Christbaum legt, wenn wir brav waren. Es kommt mit seinem Segen zu uns nach Hause und geht mit auch dann, wenn die Rauschgoldengel schon längst wieder von den Marktplätzen unserer Städte verschwunden sind. In der letzten Strophe heißt es schließlich: "Ist auch mir zur Seite still und unerkannt, daß es treu mich leite an der lieben Hand." Selbst wenn ich es gar nicht merke, ist es bei mir - das Christkind bzw. der, an dessen Geburt wir uns jedes Jahr an Weihnachten erinnern. In Jesus Christus kam Gott selbst in diese Welt als kleines Baby. Aus Liebe zu uns wurde er Mensch, lernte das Leben in all seinen Facetten kennen und kann uns deshalb auch treu durchs Leben begleiten. Denn er kennt die Herausforderungen, die ein Leben in dieser Welt mit sich bringen. Das ist für mich das eigentliche Geschenk, das das Christuskind uns Menschen bringt - und zwar alle Tage wieder.

Ein Beitrag von Romina Rieder, Pfarrerin in Haarbrücken

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