Sanierung

Warum es mit der Kaltenbrunner Itzgrundhalle so lange dauert

Die markante Dachkonstruktion der Kaltenbrunner Itzgrundhalle mit ihren vier Giebeln wird nach dem Umbau Geschichte sein - und da liegt das Problem.
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Da ist das Sorgenkind: Erst beim Blick hinter die Dachverkleidung stellte sich für Dieter Scherbel und Werner Thomas (rechts) heraus, dass die Statik des Daches der Itzgrundhalle für eine energetische Sanierung total ungeeignet ist.Foto: Berthold Köhler
Da ist das Sorgenkind: Erst beim Blick hinter die Dachverkleidung stellte sich für Dieter Scherbel und Werner Thomas (rechts) heraus, dass die Statik des Daches der Itzgrundhalle für eine energetische Sanierung total ungeeignet ist.Foto: Berthold Köhler
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Zwei Jahre schon liegt der Förderbescheid zur energetischen und behindertengerechten Sanierung der Itzgrundhalle im Rathaus. Getan hat sich - zumindest von außen gesehen - seitdem noch nicht viel. Eine endlose Geschichte wird das Projekt dennoch nicht, versichert Werner Thomas (SPD). Denn der Bürgermeister ist seit kurzem in der Lage, einen verlässlichen Zeitplan zu präsentieren: "Nach dem Winter können und werden wir hier richtig loslegen."

Hier lesen Sie, wofür die Itzgrundhalle auch schon benötigt wurde

Der Hauptgrund für die starke Verzögerung sitzt ganz oben auf der Itzgrundhalle und ist eines der prägenden Elemente für das Kaltenbrunner Ortsbild: das Dach. Weil bei diesem gravierende statische Probleme zutage traten, musste der wichtigste Bauabschnitt komplett neu überdacht werden. Ergebnis: Die Itzgrundhalle wird voraussichtlich ein flaches Schleppdach bekommen, drei der vier alten Giebelspitzen werden verschwinden. Durchgewunken ist das Alu-Flachdach zwar noch nicht, aber Gemeindegeschäftsleiter Dieter Scherbel geht davon aus: "Das Dach wird nach der Sanierung ein völlig neues Aussehen haben." Innen vielleicht sogar ein erst einmal gewöhnungsbedürftiges. Aber, Stand jetzt, nicht wieder einen Preisschock im Rathaus einlösen.

Alles auf Anfang!

Denn so einen gab es schon: bei der Ausschreibung der Zimmerer-Arbeiten. Neun Firmen schrieb die Verwaltung an, am Ende blieb ein Angebot übrig. Das war aber so hoch, dass die Gemeinde die Ausschreibung neu aufrollen musste. Besser lief es für den Block Heizung/Sanitär/Lüftung: Da ist der Auftrag vergeben, die Firma rückt demnächst an. Nur von außen sehen wird man da nichts.

So glücklich wie er angesichts des dicken staatlichen Zuschusses eigentlich sein müsste, ist Dieter Scherbel bei der Hallensanierung über Mittel des bayerischen kommunalen Investitionsprogramms (KIP) nicht. Schließlich sind es derzeit nicht nur die niedrigen Zinsen, die für Schwung im Bausektor sorgen - die vielen milliardenschweren staatlichen Förderprogramme kommen noch dazu. Die Folgen: ausgelastete Firmen, monatelange Wartezeiten, hohe Preise.

Wie es mit der Sanierung der Itzgrundhalle angefangen hat, lesen Sie hier

Inzwischen hat der Freistaat Bayern die Problematik erkannt und die Fristen für die Kommunen geändert. Normal hätte ein KIP-Projekt wie die Itzgrundhalle laut Bewilligungsbescheid am 31. Dezember fertig sein müssen. Inzwischen wurde der Termin für den bürokratischen Abschluss aufs Jahr 2021 verschoben. So lange wollen sie in Kaltenbrunn aber nicht mehr warten. Der Bürgermeister geht davon aus, "dass 2019 der Großteil der Arbeiten passieren wird". Ob er die Sache vor Ende seiner letzten Amtszeit (Stichtag: 30. April 2020) einweihungsreif bringen wird, will Werner Thomas aber sicherheitshalber nicht versprechen.

Natürlich sind im Rathaus auch die kritischen Stimmen am Millionenaufwand für die Sanierung der Itzgrundhalle angekommen. "Zwangsläufig", versichert Geschäftsleiter Scherbel, "haben wir auch über einen Abbruch und einen Neubau nachgedacht". Dabei wäre es auf einen doppelten Neubau hinaus gelaufen, denn: Kaltenbrunn braucht ein Feuerwehrhaus und Kaltenbrunn braucht eine geeignet große Veranstaltungshalle.

"Bei allen anderen Varianten wäre der Eigenanteil der Gemeinde größer als jetzt gewesen", erklärt Werner Thomas. Das heißt: Einfach den Saal abtragen und nur den Rest sanieren wäre Quatsch gewesen. "Kein Saal, keine KIP-Förderung", sagt Dieter Scherbel und verweist auf rund eine halbe Million Euro, die dann fehlen würde.

So läuft die Sanierung der Kaltenbrunner Itzgrundhalle

Geschichte Die Halle wurde im Winter 1981 eingeweiht, bei Großveranstaltungen durfte der Saal von bis zu 500 Personen genutzt werden. Diese Zulassung bleibt auch nach dem Umbau bestehen. Finanzierung: 1,06 Millionen Euro soll der Umbau kosten, im Haushalt stehen samt einem Puffer 1,34 Millionen Euro. Bezuschusst wird das Projekt über das kommunale Investitionspaket (500 000 Euro) und die Dorferneuerung (150 000 Euro), weil die Halle vom Amt für ländliche Entwicklung (AlE) als Gemeinschaftshaus anerkannt wurde. Eigenleistung: Die Feuerwehr und andere örtliche Vereine haben bereits zugesichert, verschiedene Arbeiten selbst auszuführen. Damit könnte insgesamt ein bis zu fünfstelliger Betrag eingespart werden.

Komfort: An der Vorderseite des Gebäudes wird ein Außenaufzug angebaut, um einen behindertengerechten Zugang aller Stockwerke zu erreichen. Sicherheit: Um einen zweiten Rettungsweg zu schaffen, wird eine Fluchttreppe vom Saal hinunter auf die Fläche der heutigen Kegelbahn führen. Die Kegelbahn wird abgerissen, ist vorübergehend aber immer noch nutzbar.



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