Coburg
Altenpflege

Warum eine Ausbildung zur Altenpflegerin so erfüllend ist

Franziska Goihl ist im dritten Ausbildungsjahr zur Altenpflegerin bei der Caritas. Es geht um so viel mehr als um waschen und füttern...
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Auch das gehört für Franziska Goihl dazu: Zusammen mit den Patienten und Bewohnern Zeitung lesen und lachen. Einer, der sich besonders darüber freut, ist Gerhard Wöhner, der sich  gerade zur Kurzzeitpflege  im Caritas-Seniorenheim befindet.Christiane Lehmann
Auch das gehört für Franziska Goihl dazu: Zusammen mit den Patienten und Bewohnern Zeitung lesen und lachen. Einer, der sich besonders darüber freut, ist Gerhard Wöhner, der sich gerade zur Kurzzeitpflege im Caritas-Seniorenheim befindet.Christiane Lehmann
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Sie ist ehrgeizig und wollte aus ihrem Leben etwas machen. Soweit ihre Motivation. Gepaart mit großer Empathie und dem Drang anderen Menschen helfen zu wollen, ist Franziska Goihl genau da angekommen, wo sie sich wohlfühlt und ihre Ziele erreichen kann: In der Altenpflege. Die 26-Jährige ist mittlerweile im dritten Ausbildungsjahr zur Pflegefachkraft im Caritas Alten- und Pflegeheim St. Josef und mit ihrer Wahl total glücklich. "Später könnte ich mir vorstellen Praxisanleiterin zu machen oder einen Wohnbereich zu leiten", sagt sie.

"Unsere Auszubildenden haben gute Chancen, das zu erreichen, was sie sich vornehmen", betont Margarete Pult, die Pflegedienstleitung in St. Josef. Die Caritas ist - wie alle Träger sozialer Einrichtungen - stark daran interessiert, Fachkräfte zu halten.

30000 Pflegende fehlen

Der Fachkräftemangel in der Pflege ist im ganzen Land spürbar. Bundesweit fehlen 30 000 Pflegende. "Diese Situation wird sich zuspitzen, denn der demografische Wandel trifft die Pflegebranche doppelt", heißt es in einer Pressemitteilung des Caritasverbandes für die Diözese Regensburg. Es gebe immer weniger Fachkräfte und gleichzeitig immer mehr Pflegebedürftige. Grund für die Personalnot sei mitunter das schlechte Image des Berufes. Wer in die Altenpflege gehe, erntet zwar auch häufig Respekt, aber viele sagten doch: "Da wirst du schlecht bezahlt! Da hebst du dir den Rücken krumm! Da siecht das Leben vor sich hin!"

Das sieht Franziska Goihl ganz anders. Die 26-Jährige steht mitten im Leben und ihre alltägliche Arbeit dreht sich nicht um Siechtum und krumme Rücken. Natürlich ist ein Pflegeberuf anstrengend - auch körperlich. Aber das, was die Menschen zurückgeben, wiege das alles auf. "Ein Lächeln zu bekommen, auch wenn der Patient nicht mehr sprechen kann, ist so ein schönes Gefühl."

Geduld und Empathie

Der jungen Frau mit den roten Haaren, gepiercten Lippen und einer ganzen Reihe von Tattoos macht es Spaß, alten Menschen zu helfen. Sie arbeitet zur Zeit auf einer Station mit 18 an Demenz erkrankten Menschen. Da braucht es Geduld und Einfühlungsvermögen. Beides bringt Franziska Goihl mit. Schon als Kind begleitete sie ihre Mutter hin und wieder zur Arbeit in einer Behinderteneinrichtung. "Ich wusste immer: Ich möchte etwas mit Menschen machen", erinnert sich die Auszubildende. Als sie sich für die Altenpflege entschied, freuten sich ihre Eltern - wohlwissend, dass die Dankbarkeit, die Pflegende vom Patienten bekommen, ein bereicherndes Geschenk ist.

Die Arbeit ist abwechslungsreich, weil die Bedürfnisse des Menschen immer im Mittelpunkt stehen. "Da hat sich in den letzten Jahren viel verändert", stellt Margarete Pult fest. "Wir passen uns an den Bewohner an, nicht der Bewohner an unsere Struktur." Im Klartext bedeutet das: "Wenn der Bewohner möchte, dass wir uns ein bisschen Zeit für ihn nehmen statt zu duschen, nehmen wir uns die. Die Tage, an denen morgens und abends das große Waschprogramm durchgezogen wurde, weil es so vorgesehen war, sind vorbei", sagt die Pflegedienstleiterin.

Die Grundpflege sei natürlich wichtig und werde auch durchgeführt, aber auf das Wohlbefinden des Bewohners werde sehr geachtet. Wer beispielsweise nachts um 3 partout nicht mehr schlafen kann, darf aufstehen und sich in den Sessel setzen. Ihn immer wieder zurück ins Bett zu schicken, sei sinnlos.

Franziska Goihl ist stolz darauf, was sie schon alles gelernt hat und was sie auch darf. Spritzen geben zum Beispiel. "Das hat etwas mit Vertrauen und Wertschätzung zu tun", sagt sie.

Interesse fürs Leben

Zu ihrem Tagesablauf gehört aber natürlich auch all das, was man meint, dass es den Beruf Altenpflegerin ausmacht: Den Bewohner waschen, anziehen, zur Toilette begleiten oder Windel wechseln, Betten machen und das Essen reichen. Das Gespräch mit den Angehörigen oder den Ärzten, die Dokumentation sind ebenfalls feste Bestandteile der Arbeit.

Der Kontakt und Austausch mit den alten Menschen ist es aber, der die Arbeit in ein anderes Licht taucht. Immer wieder gern geben die Hochbetagten Lebensweisheiten weiter oder fragen Franziska interessiert nach ihren Tattoos. Warum sie sich eins hat stechen lassen, was es bedeutet, ob es weh getan hat.

Zu sehen, wie glücklich und entspannt ältere Menschen sein können, wenn man ihnen hilft, sei ganz wunderbar. "Ich erinnere mich noch an eine Situation, in der ich einer Frau die Hand massieren sollte. Die aber so verkrampft und zur Faust geballt war. Als sie die Hand plötzlich geöffnet hat und ganz entspannt in meine fallen ließ, war ich total beseelt", erinnert sich die angehende Altenpflegerin.

Nach ihrem Hauptschulabschluss lernte sie zunächst Beiköchin, machte dann eine Ausbildung zur Köchin, wechselte in die Pflegeassistenz, wo sie eine Fortbildung zur Demenzbetreuerin machte, um schließlich - endlich angekommen - die Ausbildung zur Pflegefachkraft bei der Caritas anzutreten.

Neben der Arbeit auf Station im Früh- oder Spätdienst (Nachtschicht ist während der Ausbildung ausgeklammert), muss ein Auszubildender 200 Stunden im Bereich Geriatrie leisten und 400 Stunden beim ambulanten Pflegedienst der Caritas. "Das fand ich noch spannender und abwechslungsreicher, weil man ja nie weiß, was einen erwartet", sagt Franziska Goihl.

Die zuständige Pflegedienstleiterin Carolin Becker gibt ihr recht. Die Behandlungspflege steht da meist im Vordergrund. Also Wunden verbinden, spritzen und Grundpflege. "Wir dringen da ganz stark in die Privatsphäre der Menschen ein. Da gehört viel Sensibilität dazu", sagt sie. Auch hier gilt: Die Menschen buchen Zeitkontingente. Ein Gespräch auf der Bettkante sei manchmal viel wichtiger als die abendliche Dusche.

Tipps zur Berufswahl

Was würde Franziska Goihl Schulabgängern raten, die sich für eine Lehre interessieren?

Wichtig sei auf jeden Fall, dass man gern mit alten Menschen zusammen ist, dass man Menschen mag. Von Vorteil sei es, wenn man keine Probleme mit unangenehmen Gerüchen hat - wobei sich die Nase sehr schnell daran gewöhne, dass es manchmal einfach nicht so gut riecht.

Margarete Pult empfiehlt bei Interesse unbedingt ein Schnupperpraktikum. Gerade für Jugendliche, die den M-Zweig absolvieren, biete die Caritas die Möglichkeit eines einwöchigen Praktikums. "Danach weiß man, ob das zu einem passt", sagt die Pflegedienstleiterin. "Nicht jede oder jeder ist für diesen Beruf geeignet." Es erfordere Mut, Ausdauer und Empathie, sich auf Themen wie Altersschwäche, Sterben und Tod einzulassen. Und trotzdem sei in einem Altenheim jeden Tag Leben und Bewegung.

Für Franziska Goihl passt alles. Auf ihrem Arm prangen die drei magischen Wörter, die ihr im Leben wichtig sind: "Freiheit, Kraft und Liebe". Mit ihrem Beruf kann sie das wunderbar vereinbaren.

Mehr über die Ausbildung und das Gehalt eines Altenpflegers gibt's unter

www.azubiyo.de/berufe/

altenpfleger/gehalt/

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