Ebersdorf
Bürgerfest

Warum Bürgermeister Bernd Reisenweber eine Sau spendierte

Landrat Michael Busch und Bürgermeister Bernd Reisenweber hatten es versprochen: Wenn Ebersdorf bei Coburg eine Umgehung hat, gibt's eine große Fete.
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Ein Leckerbissen zur Feier des Tages: Bernd Friedrich junior, Michael Busch, Bernd Reisenweber und Bernd Friedrich senior sorgten gemeinsam mit dem  Kameradschaftsverein dafür, dass niemand hungrig vom Bürgerfest in Friesendorf nach Hause ging.
Ein Leckerbissen zur Feier des Tages: Bernd Friedrich junior, Michael Busch, Bernd Reisenweber und Bernd Friedrich senior sorgten gemeinsam mit dem Kameradschaftsverein dafür, dass niemand hungrig vom Bürgerfest in Friesendorf nach Hause ging.
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Die offizielle Freigabe der Ebersdorfer Umgehung für die Kreisstraße CO 13 liegt schon weit über ein halbes Jahr zurück. Aber das mit rund 22 Millionen Euro Kosten größte Straßenbauprojekt, das der Landkreis Coburg jemals auf die Beine gestellt hat, darf man gut und gerne auch zweimal feiern. Gestern haben Landrat Michael Busch (SPD) und Bernd Reisenweber (BG) als Ebersdorfer Bürgermeister ihr Versprechen eingelöst: Wenn die Straße mal fertig ist, dann gibt es eine große Sause für all die, die jahrzehntelang unter den teils chaotischen Verkehrsverhältnissen auf der Ortsdurchfahrt oder zuletzt unter den umfangreichen Bauarbeiten zu leiden hatten.

Hier lesen Sie, wie im Dezember die Straße freigegeben wurde.

Es waren aber mehr als nur die Friesendorfer und Ebersdorfer, die zum Fest auf den Dorfplatz kamen. Auch alle, die am Projekt beruflich beteiligt waren, setzten dem Bau ein würdiges Ende. Wobei: So ganz fertig ist der Gesamtkomplex der Umgehung noch gar nicht. Jürgen Alt, im Landratsamt für die Tiefbaumaßnahmen zuständig, zeigte seinem Amtsvorgänger Hans-Joachim Knauer an einem Plan, dass noch ein dicker Brocken fehlt: die Fußgängerunterführung der Garnstadter Straße. Die wird nämlich auf ausdrücklichen Wunsch der Deutschen Bahn irgendwann einmal an den Bahngleisen enden, die Autofahrer sollen schließlich auf der Umgehung fahren.
"Zweieinhalb Millionen Euro", schätzte Alt im Gespräch unter Bauspezialisten, "wird das Bauwerk kosten." Ursprünglich mal, vielleicht sogar noch zu Knauers Zeiten, stand da eine viel größere Summe um Raum, weil die Unterführung rollstuhlgerecht mit flachen Rampen vorgesehen war. Diese Bauweise hätte aber derart große Ausmaße angenommen, dass sich Landkreis, Bund und Bahn (die Partner beim Bau der Umgehung) auf eine Alternative einigten: Es werden Aufzüge eingebaut. Wann die Unterführung für Fußgänger und Radfahrer gebaut wird, steht noch nicht fest. Wie Jürgen Alt berichtete, läuft derzeit die zweite Ausschreibung - beim ersten Versuch im vergangenen Jahr meldete sich keine einzige Firma. "Es ist Wahnsinn, was derzeit in der Baubranche los ist", sagte der Tiefbau-Verantwortliche im Landratsamt achselzuckend.


Die Klugs haben lange gekämpft

Mit solchen Problemen muss sich Hans-Joachim Knauer seit vier Jahren nicht mehr herumschlagen. Dennoch bedauerte der ehemalige Leiter des Tiefbauamtes, dass die CO 13 erst im vergangenen Jahr fertig geworden ist: "Ich wollte ich das noch in meiner Amtszeit erleben. Aber das war chancenlos." Viele Anekdoten hätte Knauer als Rentner von den langen Verhandlungen mit der Bahn und der Regierung zum Besten geben können, aber der ehemalige Abteilungsleiter ließ den Ärger lieber ruhen. Einmal, erzählte Hans-Joachim Knauer dann doch, war man im Landratsamt der Umgehung vor vielen, vielen Jahren schon recht nah. Aber dann seien die Pläne für die Autobahn gekommen, die heute just dort verläuft, wo Knauer und Kollegen einst die Umgehung geplant hatten. Also flogen die Pläne im Landratsamt in Tonne. "Ober sticht Unter", sagte Knauer lachend und schaute sich lieber gemeinsam mit dem ehemaligen Kreiskämmerer Gerhard Lehrfeld noch mal die Pläne an.
Georg Klug und seine Mutter Adelheid kamen extra aus Ebersdorf rüber und ließen sich eine Portion Wildschwein schmecken. Jahrzehntelang sind ihnen die Lastwagen tagein, tagaus an der Nase vorbei durch die Querstraße gebrettert. "Heute", sagte Georg Klug, "ist die Situation wahnsinnig gut." Naja, als die Bundesstraße 303 in vergangenen Wochen noch einmal wegen der Fahrbahnsanierung komplett gesperrt war, sei es noch mal drunter und drüber gegangen. Aber diesen Ärger haben die Klugs als "I-Tüpfelchen", sagte Mutter Adelheid, auf ihre jahrelange Leidenszeit gelassen hingenommen. Wegziehen sei für sie dennoch nie in Frage gekommen, betonte Adelheid Klug. Sie habe lieber dafür gekämpft, dass die Sache besser wird. Nach 30 Jahren ist dies nun der Fall, da war die Freude natürlich groß.
Grußworte und Reden wurden zur Freude der Gästeschar nicht groß geschwungen. Lediglich die beiden Gastgeber sprachen kurz, wobei Michael Busch noch einmal die Hintergründe des "schwierigen Projektes" beleuchte. War etwas baue, an dem die Bahn beteiligt sei, habe es immer nicht ganz einfach, erklärte der Landrat. Das erlebe der Landkreis derzeit beim Bau einer Bahnunterführung für die Ketschenbacher Straße in Neustadt schon wieder recht schmerzhaft.

Lesen Sie hier, mit welchen Projekt der Landkreis Coburg zu kämpfen hat

Bernd Reisenweber - der das 42-Kilo-Wildschwein am Grill vergangene Woche höchstpersönlich zur Strecke gebracht hatte - lobte abschließend die Arbeit des Staatlichen Bauamtes. Dieses habe in den vergangenen sechs Wochen bei der Fahrbahnsanierung auf der Bundesstraße 303 die Basis dafür geschaffen, dass man nun richtig feiern könne: "Jetzt haben wir endlich eine vernünftige Anbindung und keine Staus mehr."


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