Coburg
Samba-Festival

Warmtanzen auf dem Coburger Marktplatz

Am Freitagabend wird das 27. Festival um 21 Uhr eröffnet. Für einen Stargast wird dann sogar eine Hebamme bereitstehen.
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Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (Vierter von links) übergab symbolisch den Rathaus-Schlüssel - so wie es auch im deutschen Karneval Brauch ist - an die Sambistas aus Rio (von links): Sidclei, die beiden Königinnen Veronice de Abreu und Letícia Guimarães, König Carlinhos do Salgueiro und Letícia Malaquias.   Foto: Ulrike Nauer
Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (Vierter von links) übergab symbolisch den Rathaus-Schlüssel - so wie es auch im deutschen Karneval Brauch ist - an die Sambistas aus Rio (von links): Sidclei, die beiden Königinnen Veronice de Abreu und Letícia Guimarães, König Carlinhos do Salgueiro und Letícia Malaquias. Foto: Ulrike Nauer
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Ober-Sambista Rolf Beyersdorf und sein Team haben in 28 Jahren Samba-Festival schon so einiges erlebt, aber dass sie Vorkehrungen für eine Geburt treffen mussten, ist selbst für sie eine äußerst ungewöhnliche Premiere. Eine Hebamme und ein Arzt werden am Freitagabend bereit stehen, denn Stargast Motsi Mabuse ist im neunten Monat schwanger. "Es könnte jeden Moment soweit sein", sagt Samba-Sprecher Andi Ebert bei der letzten Pressekonferenz vor der Eröffnung. Da ist man als Gastgeber besser vorbereitet. "Rolf und OB Tessmer waren der Meinung, das schaffen sie nicht alleine", so Andi Ebert schmunzelnd.


Samba-Stargäste durften nicht fliegen

Doch die Schwangerschaft der "Let's dance"-Jurorin Motsi Mabuse ist nicht die einzige, die den Samba-Organisatoren in diesem Jahr Kopfzerbrechen bereitete: Gleich zwei der ranghöchsten Sambistas, Fahnenträgerin Marcella und Königin Mayara Lima, mussten ihre Teilnahme absagen. Beide erwarten ebenfalls Kinder und durften deshalb den langen Flug von Brasilien nach Deutschland nicht mehr antreten.
Doch Ersatz ist längst gefunden und so konnten sich am Donnerstagmittag die königlichen Hoheiten des Samba auf dem Coburger Marktplatz präsentieren. Mestre Sala, der Zeremonienmeister, der traditionell mit einer Fahnenträgerin (Porta Bandeira) auftritt, hat anstelle seiner schwangeren Ehefrau Marcella die Tänzerin Letícia Malaquias mitgebracht. Beide gehören der Samba-Schule Salgueiro an, mit 5000 Mitgliedern eine der größten. Nini Beyersdorf durfte beim jüngsten Karneval von Rio für diese Schule mitlaufen und ist immer noch begeistert: "Eine gigantische Veranstaltung!"


Her mit dem Rathausschlüssel

Das Dreigestirn aus zwei Königinnen und einem König wird durch Veronice de Abreu komplettiert. Sie tanzen sich am Donnerstag auf dem Marktplatz schon einmal warm - begleitet von der Gruppe Samba Masala, die seit Jahren fest zum Coburger Programm gehört.
Das Besondere an der Gruppe: Sie kommt aus Singapur, hat damit die weiteste Anreise aller Gruppen. Weil sie größtenteils aus Studenten bestehe, werde sie jedes Jahr aufs Neue gegründet, wie künstlerische Leiterin Irene Pais Brückl berichtet.
Nach der kurzen Samba-Einlage folgt eine Zeremonie, die sowohl in Deutschland wie auch im Karneval von Rio Brauch ist: OB Norbert Tessmer übergibt symbolisch einen riesigen goldenen Rathausschlüssel an die fünf Sambistas. Dazu gibt es eine Schärpe, denn Königin Letícia und König Carlinhos sind gleichzeitig Königin und König des Coburger Samba-Festivals und werden diese Schärpen auch im kommenden Jahr beim Karneval von Rio tragen.
Apropos tragen, eigentlich wollte Samba-Chef Rolf Beyersdorf zum WM-Finale am Sonntag (es wird auf der großen Bühne auf dem Schlossplatz übertragen) eine Hose in den brasilianischen Farben tragen und dazu ein Sakko im Design der englischen Flagge. Doch der Sieg der Kroaten über England machte ihm einen Strich durch die Rechnung. "Nun werde ich mich halt neutral kleiden", sagt Rolf Beyersdorf bedauernd.


Holt sich Coburg die Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage 2020?

Sein Tipp fürs Finale? "Es wird eng - vielleicht 1:0, aber Frankreich gewinnt." Die Kroaten seien bestimmt müde nach ihren langen Spielen und die Franzosen spielten sowieso den schöneren Fußball, findet Beyersdorf. "Außerdem kommen viele unserer Gruppen aus Frankreich. Die bleiben sogar bis Montag da."
Den Besuch des brasilianischen Botschafters in Deutschland, Mario Vilalva, wollen die Coburger nutzen, um für sich zu werben. Beyersdorf: "Wir würden gern 2020 die deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage nach Coburg holen." Diese Tagung findet im jährlichen Wechsel in Deutschland und in Brasilien statt. Normalerweise sind die deutschen Gastgeber Großstädte, doch Coburg rechnet sich im Verbund mit der Metropolregion Nürnberg gute Chancen aus, die 700 Delegierten in zwei Jahren hier zu empfangen. Die Entscheidung liegt beim Bundesverband der Deutschen Industrie und seinem brasilianischen Pendant, dem CNI.
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