Neustadt bei Coburg
Abschied

Walter Knauers Weg ist zu Ende

Der frühere SPD-Landtagsabgeordnete und Stadtrat ist in der Nacht zum Samstag gestorben. Er erlag einem Krebsleiden.
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Sich ins Private zurückzuziehen, kam für Walter Knauer trotz schwerer Krankheit nicht in Frage. Er blieb immer ein unbequemer Streiter für seine Ideen, für seine Stadt.  Foto: CT-Archiv
Sich ins Private zurückzuziehen, kam für Walter Knauer trotz schwerer Krankheit nicht in Frage. Er blieb immer ein unbequemer Streiter für seine Ideen, für seine Stadt. Foto: CT-Archiv
Er hatte noch einmal ein Leben gewonnen. So sah er es selbst, als ihm 1997 ein Spenderherz transplantiert werden konnte. Nun aber ist er einem schweren Krebsleiden erlegen. Der frühere Landtagsabgeordnete Walter Knauer ist am Samstag um 2 Uhr in der Nacht gestorben, wie seine Familie gestern bestätigte. Walter Knauer hatte nach der lebensrettenden Herztransplantation zwar sein Landtagsmandat abgegeben, war aber schon bald wieder politisch und gesellschaftlich aktiv. Vor etwa einem Jahr allerdings zwang der Krebs den sein Leben lang Kämpferischen und durchaus Streitbaren zum Rückzug. An seinem geliebten Flügel, erzählt seine Frau Eva, habe er noch lange gesessen, bis ihm auch dafür die Kräfte versagten. Walter Knauer befand sich in den letzten Wochen auf der Palliativstation am Klinikum Coburg, wo er hervorragend betreut worden sei, wie Eva Knauer betont.
Sein Leben war die Politik, schon von frühester Jugend an. Bereits als Schüler am Gymnasium Casimirianum hatte Walter Knauer sich gegen Rechtsextremismus engagiert. Seit 1966 war er Mitglied der SPD, zog 1972 in den Kreistag ein, war Mitglied im Gemeinderat der vor 1972 noch eigenständigen Gemeinde Thann und nach der Gebietsreform Mitglied im Neustadter Stadtrat. Dort arbeitete er bis 2002 mit. 1986 wurde der SPD-Politiker in den bayerischen Landtag gewählt. Über drei Wahlperioden wurde er immer wieder gewählt, war ein engagierter Streiter für sozialdemokratische Grundsätze und Ideen. Bis ihm die Krankheit, sein Herz, die Grenzen zeigte. Unterkriegen konnte sie ihn nicht - zunächst. Der im Sternzeichen Zwilling Geborene blieb rastlos. Garten, Haus, sein Flügel, die Musik waren zwar immer wichtig für ihn, reichten ihm aber nicht aus.

Fall der innerdeutschen Grenze

Ein Ereignis, das für Walter Knauer eines der prägendsten in seinem Leben werden sollte, war der Fall der innerdeutschen Grenze bei Neustadt am 12.November 1989. Als ehemaliger Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt in Neustadt half er mit, die Awo in Thüringen wieder aufzubauen. Und er wurde Vorsitzender der in den 90er Jahren gegründeten Partnerschaftskommission Neustadt-Sonneberg. Nicht immer stieß er mit seinen Vorstellungen von Partnerschaft auf positive Resonanz.
Doch er ließ sich nicht von seinem Traum abbringen, dass Neustadt und Sonneberg irgendwann einmal zu einer Stadt zusammenwachsen werden. Auch die aktuelle Politik außerhalb Neustadts ließ Walter Knauer nicht ruhen. Egal, ob der Streit um einen neuen Flugplatz im Landkreis oder die 380-kV-Leitung - er musste sich dazu äußern, sich einmischen. "Ich mache die Klappe auf", hatte er selbst einmal dazu gesagt.
In den zurückliegenden Jahren lebte Walter Knauer eher zurückgezogen auf dem elterlichen Grundstück in Thann. Dort bekämpfte er den Krebs und verlor diesen Kampf gut einen Monat nach seinem 76. Geburtstag.
Als Walter Knauer Abschied von seinem Amt im Neustadter Stadtrat nahm, setzte er sich zum Abschluss ans Klavier und spielte Frank Sinatras "I did it my way". Dieser Song sollte ihn auch in den kommen Jahren begleiten und kann wohl auch als ein Credo seines Lebens bezeichnet werden.
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