Laden...
Lautertal
Glaube

Waldweihnacht mit Ochs, Esel und Kater Jogi

Bei der Tiefenlauterer Waldweihnacht ist manches etwas anders. Aber das hat seit fast 50 Jahren Tradition und die Besucher lieben es.
Artikel drucken Artikel einbetten
Im Stall von Bethlehem sind meistens Ochse, Esel und Lamm zu finden. Von einem  Kater ist nie die Rede. Jogi  gehört in Tiefenlauteraber fest zum Team, das die Waldweihnacht bereichert.     Martin Rebhan
Im Stall von Bethlehem sind meistens Ochse, Esel und Lamm zu finden. Von einem Kater ist nie die Rede. Jogi gehört in Tiefenlauteraber fest zum Team, das die Waldweihnacht bereichert. Martin Rebhan
+22 Bilder
Eigentlich ist mein Zuhause der Stall der Familie Seitz in Tiefenlauter. Aber einmal im Jahr muss ich, Pony Miro, auf den Bahndamm in die Nachbarschaft der Franziskuskapelle umziehen. Dann weiß ich, es ist wieder so weit. Die Menschen nennen es Weihnachten und sind teilweise wie ausgewechselt. Kurz vor 18 Uhr pilgern viele Leute Jahr für Jahr zum Bahndamm, um sich bei jedem Wetter, egal ob es schneit, regnet oder ein eisiger Wind geht ins Freie zu stellen, um sich ein eigenartiges Geschehen anzusehen.

Nun ja, mir kann es egal sein, ich stehe mit meiner Freundin Ramona geschützt in einem Stall. Und dieser Stall hat es in sich. Seit dem letzten Jahr haben viele Menschen Zeit und Arbeit investiert, um dem Unterstand ein neues Aussehen zu geben. Jetzt leuchte auf Knopfdruck Licht. Das Komische ist, dass die vielen Menschen, die jedes Jahr nach Tiefenlauter kommen, nichts Neues sehen.

Es wird eigentlich immer die gleiche Geschichte erzählt. Von einem Ehepaar, das wegen einer Volkszählung nach Bethlehem soll und dort kein Quartier findet. Schließlich landen sie in einem Stall, und die Frau schenkt dort einem Kind das Leben. Immer wieder das Gleiche, und das schon seit 47 Jahren. Seit 20 Jahren wird das Ganze auf dem Bahndamm gezeigt.

Die Geschichte um das Kind muss aber so spannend und ergreifend sein, dass sich die Menschen nicht davon abhalten lassen, das kleine Tiefenlauter zu bevölkern. Mein "Chef" nennt den Tag Heiligabend. Und dann sind da noch viele Kinder, die ganz oft proben, um andere Menschen zu erfreuen. Eine von ihnen ist die zwölfjährige Linda Schneider. Sie spielt schon seit ihrem vierten Lebensjahr mit.

Mir hat sie verraten, dass es ihr sehr viel Spaß macht, die Geschichte immer wieder mit anderen Kindern zu erzählen. Sie meint: "Theater spielen macht mir unheimlich Spaß." Dass dabei auch etwas schief gehen kann, hat sie mir auch erzählt. "Einmal habe ich statt Halleluja laut gerufen: ,Hallo Julia'."

Dass die "Waldweihnacht", so nennen die Zweibeiner ihre besinnliche Zusammenkunft, Linda Schneider im Blut liegt, ist nicht verwunderlich. Schon ihre Mutter Kathrin war dabei und erfreute die Herzen vieler Menschen. In den letzten Jahren zogen der neunjährige Ben Bößl und sein drei Jahre alter Bruder Tom mit ihren Eltern nach Tiefenlauter. Die beiden Buben fanden sich schnell zu den Kindern der Waldweihnacht.

" Meine Mutter hat uns gar nicht gesagt, dass wir hier mitspielen sollen", flüsterte mir Ben ins Ohr. Gleich hinterher schob er nach: "Ich bin meiner Mama deswegen nicht böse, es macht viel Spaß mit den anderen Kindern."

Übrigens Kinder. Ich als altes Tiefenlauterer Pony kenne ja alle Mädchen und Jungen aus unserem Ort. Viele kommen und streicheln mich immer mal. Aber da ist einer, der ist aus dem fernen Unterlauter zu uns gereist. Lars Wunsch war da, als wir in Tiefenlauter einen gewissen Nachwuchsmangel hatten. Jetzt gehört er fest zur Truppe.

Ramona und ich stehen also in unserem Stall und schauen uns das Treiben in aller Ruhe an. Da kommt aber immer noch jemand, der scheint ganz wichtig zu sein. Meist in einem schwarzen Umhang gekleidet, höre ich Worte, die mich fesseln. In diesem Jahr war es Pfarrerin Dorothea Zwölfer, die den Besucher vom tieferen Sinn der Weihnacht erzählte.

Und als ich diese Worte hörte, war mir klar, Weihnachten muss für die Menschen etwas ganz Besonderes sein. Ein Kind, das im Stall geboren wird und in eine Krippe gelegt wird, aus der ich normalerweise fresse, verändert die gesamte Welt. Die Pfarrerin meinte, dass Jesus nicht in einen Palast hineingeboren worden sei, sondern ganz bewusst in einem Stall zur Welt kam. "Jesus hat sich den Menschen geöffnet, die am Rande stehen", sagte Zwölfer. Für sie war esr etwas ganz Besonderes, ihre erste Waldweihnacht in Tiefenlauter zu feiern. "Den Heiligen Abend im Freien zu feiern, kommt dem Ursprünglichen doch sehr nahe", meinte die Theologin.

Bevor die viele Gäste das Gelände verließen, um sich nach Hause zu ihren Familien zu begeben, spielte die Bläsergruppe (Luis Flurschütz, Thomas Scheuerer, Daniela Schneider, Amelie Dietrich und Sylvia Schneider) noch das Lied von der "Stillen Nacht".

Die Kinder baten wieder um eine Spende für den guten Zweck. Mit dem Wunsch nach einer frohen Weihnacht verabschiedeten sich Lennart Korschofsky, Franka Korschofsky, Linda Schneider, Elisa Schneider, Lukas Winkler, Lars Wunsch, Luca Kellner, Phil Kellner, Moritz Bauer, Leonie Scheler, Ben Bößl, Tom Bößl, Nelly Leipold, Mia Kirstner, Jule Kirstner und Antonia Burlyaev von ihrem Publikum. Die Fäden hintern den Kulissen hatten Kathrin und Sabrina Schneider in der Hand.

Ganz stolz bin ich darauf, dass Ramona, ich und der Kater Jogi (an wen erinnert mich der Namen nur?) im Krippenspiel dabei sein dürfen. In Bethlehem sollen ja nur der Ochse und der Esel zugegen gewesen sein. Nun ja, in Tiefenlauter ist alles etwas anders.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren