Coburg
Antrag

Vorstoß von "Pro Coburg": Kein großer Theaterbetrieb mehr im Landestheater!

Die Wählergruppierung schlägt vor, das künftige Globe am Güterbahnhof zur dauerhaften Spielstätte zu machen.
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Das Landestheater Coburg, hier bei der MuseumsnachtFoto: Jochen Berger
Das Landestheater Coburg, hier bei der MuseumsnachtFoto: Jochen Berger

In der Diskussion um die Sanierung des Landestheaters, die inklusive diverser Um- und Anbauten rund 100 Millionen Euro kosten wird (von denen der Freistaat Bayern 75 Prozent übernimmt), macht die Wählergruppierung "Pro Coburg" (WPC) einen Vorschlag, der alle bisherigen Planungen auf den Kopf stellen würde: Das am Güterbahnhof als Interimsspielstätte geplante Globe soll dauerhaft die neue Spielstätte des Landestheaters Coburg werden. Das eigentliche Landestheater am Schlossplatz, das so genannte "Große Haus", solle nur in so weit saniert werden, dass ein Betrieb als Veranstaltungsstätte für kleinere Events, Galas, Empfänge oder Vorträge möglich ist - oder noch für "kleinere Veranstaltungen" des Theaters, bei denen keine großen Bühnenumbauten erforderlich sind. Die bisher im Bereich Oberer Bürglaß geplanten Neubauten sollen laut WPC "ersatzlos" entfallen. Gleiches gelte für den Umbau des Palais Kyrill, indem sich derzeit noch das städtische Kinderhaus befindet. Der Umzug des Kinderhauses wird durch den Umbau der Lutherschule zum Bildungshaus aber bereits vorbereitet.

Hier der von den drei WPC-Stadräten Jürgen Heeb, Horst Geuter und Peter Kammerscheid unterzeichnete Antrag im Wortlaut:

"Um Coburg für die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten stellen wir diesen Antrag.

Der Stadtrat möge beschließen, den Oberbürgermeister mit einem Mandat auszustatten, mit der bayerischen Staatsregierung Verhandlungen mit folgender Zielsetzung aufzunehmen:

1. Die bisher als Interimsspielstätte geplanten Neubauten auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände sollen dauerhaft die neue Spielstätte des Landestheaters Coburg werden.

2. Das bisherige, so genannte "Große Haus" am Schlossplatz, wird nur in so weit saniert, dass ein Betrieb als Veranstaltungsstätte für kleinere Events, Galas, Empfänge, Vorträge oder Firmenveranstaltungen, ohne größeren technischen Bedarf und Verwaltungsaufwand, möglich ist. Die Möglichkeit, dass auch das Theater kleinere Veranstaltungen durchführen kann, sollte ebenfalls gewährleistet sein. Betrieben und verwaltet werden soll das Haus vom städtischen Eigenbetrieb Coburg Marketing, Abteilung Kongresswesen. Ein entsprechender Nutzungsvertragsentwurf ist mit der Staatsregierung zu verhandeln und dem Stadtrat vorzulegen. Ebenso ist diese Option in die zukünftigen Planungen für den Bereich Kongress- und Veranstaltungswesen mit einzubeziehen und zu berücksichtigen.

3. Die bisher im Bereich Oberer Bürglaß geplanten Neubauten entfallen ersatzlos. Gleiches gilt für den Umbau des Palais Kyrill.

4. Die Flächen für die Theaterverwaltung im Oberen Bürglaß, werden ebenfalls auf das ehemalige Güterbahnhofsgelände verlagert. Nach Umzug, nutzt die Stadt Coburg das Gebäude dergestalt, dass die Flächen durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Start-Up-Unternehmen kostengünstig zur Verfügung gestellt werden (analog zur bisherigen Folgenutzung eines Teils der Gebäude am Güterbahnhof). Das Palais Kyrill wird nach dem Umzug des Kinderhauses ebenfalls für diesen Zweck ertüchtigt.

5. Der Fortbestand der Werkstätten in Cortendorf ist mit den Verantwortlichen des Landestheaters sowie der Staatsregierung ebenfalls zu hinterfragen. Eine Ergänzung der bisherigen Planungen am ehemaligen Güterbahnhofsgelände durch einen Neubau der Werkstätten direkt vor Ort, ist nicht zuletzt vor den, auch in diesem Bereich, dringend anstehenden Sanierungsmaßnahmen ebenso ins Auge zu fassen."

Dem WPC-Antrag ist noch folgende Begründung angefügt:

"Durch die exorbitanten Kostensteigerungen für das Gesamtprojekt Theatersanierung, also sowohl im Bereich der Interimsspielstätte, wie auch für die Generalsanierung des großen Hauses und der zu errichtenden Neubauten sowie der anstehenden Sanierungskosten für die Werkstätten in Cortendorf, von insgesamt bis zu 150 Millionen und damit einem städtischen Anteil von, zu einem erheblichen Teil durch Kreditaufnahmen zu finanzierenden ca. 30 bis 40 Millionen Euro, ist die die dauerhafte Leistungsfähigkeit der Stadt Coburg zumindest in Frage gestellt, wenn nicht sogar in erheblichem Ausmaß gefährdet.

Vorsichtigen Prognosen zu Folge, läge der jährliche Zuschussbedarf der Stadt Coburg für das Landestheater, ab einem Wiedereinzug am Schlossplatz, bei mehr als zehn Millionen Euro (ca. acht Millionen Defizitausgleich Spielbetrieb, erhöhte Unterhalts- und Betriebskosten, bedingt durch mehr Fläche und Gebäude, Kreditdienst für die nicht aus den laufenden Einnahmen / Rücklagen zu finanzierenden Bau- und Sanierungskosten, Abschreibungen).

Dies würde zu massiven Einsparungen, z.B. bei Zuschüssen und Förderungen für andere Bereiche des öffentlichen Lebens in Coburg führen müssen, was der breiten Masse unserer Bürgerinnen und Bürger nicht mehr vermittelbar erscheint.

Ebenso wenig erscheint es uns vermittelbar, eine neue Spielstätte im Bereich des ehemaligen Güterbahnhofsgeländes zu bauen, die allen Anforderungen des Landestheaters entspricht, also de facto keine "Interims"-Spielstätte darstellt und diese nach Ende der Generalsanierung wieder zu verlassen. Warum soll etwas, was 5-6 Jahre einen nahezu uneingeschränkten Betrieb des Landestheaters zulässt, nicht auch dauerhaft genutzt werden?

Das Gegenteil ist hier wohl sicher der Fall, denn mit dem geplanten "Globe", wird das Landestheater ein weit über die Grenzen des bisherigen Einzugsbereiches vermarktbares Alleinstellungsmerkmal in der deutschen Theaterlandschaft aufweisen, das es dauerhaft zu nutzen gilt.

Vor dem zeitlichen Hintergrund betrachtet, ergeben sich für das weitere Vorgehen, mit dem Ziel, die Verhandlungen aufzunehmen, um die o.a. Punkte so umzusetzen, keinerlei Einschränkungen.

Sobald die Gebäude auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände bezogen werden, ist dort ein zeitlich unbefristeter Spielbetrieb ohne Probleme machbar, so dass auch für die anstehenden Verhandlungen und eventuelle Neuplanungen keinerlei zeitlicher Druck entsteht.

Eventuelle, durch die jährlichen Preissteigerungen bedingte Mehrausgaben für die Sanierungsarbeiten im großen Haus und fällig werdende Um- bzw. Neuplanungen, sind vor dem Hintergrund der Gesamtersparnisse für beide Vertragspartner, die das neue Konzept mit sich bringen, zu vernachlässigen."

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