Coburg

Vor der Premiere in Coburg: Anne Franks Schicksal im Heute erleben

Wie Regisseurin Katarzyna Bogucka und Sopranistin Francesca Paratore die Probenarbeit an der Mono-Oper "Das Tagebuch der Anne Frank" in Coburg erleben.
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"Das Tagebuch der Anne Frank": Probenszene mit Francesca Paratore und Regisseurin Katarzyna Bogucka in der Coburger Reithalle.Foto: Jochen Berger
"Das Tagebuch der Anne Frank": Probenszene mit Francesca Paratore und Regisseurin Katarzyna Bogucka in der Coburger Reithalle.Foto: Jochen Berger
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Das Schicksal von Anne Frank bewegt bis heute Millionen von Menschen in aller Welt. "Das Tagebuch der Anne Frank" erzählt vom Leben eines jüdischen Mädchens und ihrer Familie im Versteck eines Hinterhauses in Amsterdam in der Zeit der nationalsozialistischen Besatzung. Wie sie Anne Franks Geschichte heute erleben, verraten die Regisseurin Katarzyna Bogucka und die Sopranistin Francesca Paratore im Gespräch. Gemeinsam bringen sie "Das Tagebuch der Anne Frank" von Grigori Frid auf die Bühne der Coburger Reithalle. Die 1972 in Moskau uraufgeführte Mono-Oper, mit der sich Katarzyna Bogucka erstmals als Regisseurin in Coburg vorstellt, feiert am 1. Februar Premiere.

Opern basieren in den allermeisten Fällen auf fiktionalen Handlungen. Was bedeutet für Sie der Umstand, dass diese Mono-Oper auf einem realen Tagebuch beruht?

Francesca Paratore: Man führt sich immer wieder vor Augen, dass diese Geschichte wirklich passiert ist. Wir haben auch vor den szenischen Proben ganz am Anfang immer vor jeder Probe gemeinsam ein Kapitel gelesen. Dann wird einem immer wieder bewusst: Das ist nicht ausgedacht. Das war wirklich so. Man denkt viel krasser über das Leben nach, man ist viel dankbarer.

Was verbindet Sie mit dieser Oper?

Katarzyna Bogucka: Ich habe in Krakau in meiner Jugend im jüdischen Viertel gelebt. In Krakau gibt es auch heute noch viele Anknüpfungspunkte zum jüdischen Leben. Es gibt ein sehr schönes Museum, es gibt Synagogen, auch wenn das heute sicher nur noch ein Bruchteil dessen vermittelt, wie es dort vor dem Krieg ausgesehen hat.

Hat sich Ihr Blick auf das Stück verändert im Verlauf des Probenprozesses?

F.P.: Musikalisch war es zunächst nicht einfach, einen Zugang zu diesem Stück zu finden. Durch die Szene aber erschließen sich mir jetzt die berührenden Momente.

Wie lässt sich die Musik Grigori Frids beschreiben?

F.P.: Die Musik ist manchmal schrill, manchmal schräg und rhythmisch sehr lebendig. Stimmlich sind alle Lagen gefordert - das geht durch alle Register. Für mich ist diese Oper eines der herausforderndsten Stücke, die ich bislang gesungen habe - auch dadurch, dass ich den ganzen Abend sängerisch allein tragen muss. Ich habe wahnsinnig viel an diesem Stück gelernt - sowohl technisch beim Singen als auch darstellerisch.

Wie nahe können Sie diesen Stoff an sich heranlassen?

F.P.: Ich bin froh, dass es privat Menschen gibt, die mich immer wieder auffangen. Mir geht diese Geschichte sehr nahe, aber ich versuche, diese Geschichte auch wirklich auf der Probe zu lassen und privat anderes zu machen, andere Stücke zu lernen.

K.B.: Mir geht diese Geschichte schon sehr nahe - auch deshalb, weil ich versuche, nicht das Leben der Anne Frank auf der Bühne darzustellen, sondern das Leben einer Anne Frank. Mit geht es um eine Anne Frank, die auch heute leben könnte, eine Anne Frank, die heute ein Flüchtling sein könnte, eine wegen ihrer Religion, ihrer Hautfarbe ausgegrenzte Person. Die Emotionen dieser ausgegrenzten Person haben wir sehr nahe an uns herangelassen. Wir haben auch nach jeder Probe über Beispiele geredet: Was würden wir heute an dieser Stelle machen? Wir haben uns vorgestellt, einen Raum zwei Jahre lang nicht mehr zu verlassen. So haben wir diese Geschichte für uns neu entdeckt. Unsere Darstellerin der Anne Frank ist nicht verkleidet als Anne Frank, sie trägt auch keinen Judenstern. Natürlich gibt es eine konkrete historische Situation als Vorlage, aber wir erleben diese Geschichte heute.

Tagebuch der Anne Frank als Monooper in Coburg

Premieren-Tipp "Das Tagebuch der Anne Frank" - Mono-Oper in vier Szenen von Grigori Frid - Libretto vom Komponisten, deutsche Adaption von Ulrike Patow - Samstag, 1. Februar, 20 Uhr, Theater in der Reithalle Coburg Besetzung Musikalische Leitung: Paul Willot-Förster; Inszenierung: Katarzyna Bogucka; Bühne und Kostüme: Susanne Wilczek; Dramaturgie: Dorothee Harpain Anne Frank: Francesca Paratore

Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg Termine ), 5., 23. Februar, 6., 8. März, 20 Uhr, Theater in der Reithalle Coburg Uraufführung Die Mono-Oper wurde im Mai 1972 im Haus des Komponisten Grigori Frid in Moskau uraufgeführt. Das Tagebuch Mit "Helly Kitty" beginnen die Tagebucheinträge der 13-jährigen Anne Frank, die sich über zwei Jahre lang mit ihrer jüdischen Familie in einem Amsterdamer Hinterhaus vor den Nationalsozialisten versteckt hielt - vom 6. Juli 1042 bis zur Verhaftung durch die Gestapo am 4. August 1944. Das Werk Grigori Frid verwendete für seine Monooper 21 Episoden des Tagebuchs von Anne Frank. Im Zentrum stehen Anne und ihre Gedankenwelt: Die Beziehung zu ihren Eltern, ihr Witz und ihre Neugierde, ihr Lebenswille, aber auch ihre Verzweiflung und Angst, entdeckt zu werden. Das Libretto basiert fast wortgetreu auf den originalen Tagebuchaufzeichnungen von Anne Frank.

Der Komponist Grigori Samuilovie Frid wurde am 22. September 1915 in St. Petersburg geboren. Er studierte Musik in Irkutsk und Moskau und unterrichtete von 1936 bis 1939 sowie von 1947 bis 1961 am Moskauer Konservatorium. Frid starb am 22. September 2012 in Moskau. Sein Schaffen umfasst Orchesterwerke, Kammermusik, Filmmusik und Opern. Regie Inszeniert wird die etwa einstündige Mono-Oper von Katarzyna Bogucka, die seit der Spielzeit 2017/2018 als Regieassistentin am Landestheater engagiert ist und bereits eigene Projekte realisierte. Sie stellt sich mit dieser Produktion erstmals als Regisseurin vor. Vorverkauf Tickets gibt es im Vorverkauf in der Tageblatt-Geschäftsstelle

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